Das wird immer mehr, nie weniger

Brotwunder der Emotionen

Du hast einen Laib Brot, schneidest ein Stück ab und gibst es einem Freund. Jetzt schaust du auf das Brot: Es ist nicht weniger, im Gegenteil, es ist mehr geworden. Der Freund gibt einen Teil seiner Schnitte weiter. Auch bei ihm wird es nicht weniger. Auch sein Brot ist „gewachsen“. Mit Recht entgegnest du: „Erzähl keinen Stuss! Nichts wird mehr, wenn man einen Teil davon hergibt.“

Dieses „Wunder“ gibt es - leider nicht beim Brot. Viele Werte werden mehr, wenn wir sie teilen. Wenn du deinen Mitmenschen mit Zuneigung, Liebe, Freundschaft, Optimismus,  Lebensfreude …. begegnest, werden diese Gefühle nicht weniger. Bei ihnen wird auch diese Emotion entstehen und bei dir wird sie wachsen. Emotionen sind ansteckend.

Die Verbreitung der Liebe

Wie kannst Du Gefühle weitergeben? Du musst sie empfinden und leben. Auch aktiv kannst du dafür etwas tun. Ein Kunde von mir sah eine wesentliche Chefaufgabe darin, positive Stimmung im Unternehmen zu schaffen. Deshalb stand er jeden Morgen bei der Eingangstür, hat die ankommenden Mitarbeiter[1] mit einem Lächeln empfangen und dieses Lächeln auch von ihnen eingefordert. Seine Begründung: „Wenn nur wenige verdrossen die Arbeit beginnen, kannst du um neun Uhr bei der Jause kein Besteck mehr ausgeben.“ Vielleicht etwas überzogen, aber nicht falsch.

Ein positives Klima macht die Kraft einer Zweisamkeit, einer Freundschaft, einer Familie, einer Gruppe, eines Sportlerteams usw. aus. Diese Kraft siehst du in ihren Erfolgen, in ihren Medaillen, vor allem in ihren Augen.

Mit dem Bild der wunderbaren Brotvermehrung zeigt uns das Neue Testament, wie die Liebe wachsen kann. Nur wenige Brote und Fische reichen, um Massen zu versorgen. Das Alte Testament ist für mich vor allem durch die 10 Gebote bestimmt. Bei Jesus und im Neuen Testament ist die Nächstenliebe die zentrale Botschaft.

Nicht nur die Liebe

Die wunderbare Vermehrung von Emotionen ist aber keine Einbahnstraße. Diese „ansteckende Krankheit“ finden wir auch bei negativen Emotionen: Hass, Rachsucht, Verdrossenheit, Gewalt, Pessimismus usw. verbreiten sich in Windeseile, sobald der Samen gestreut ist.

Ich bin kein praktizierender Katholik, versuche aber, die Botschaften des Evangeliums zu verstehen. Manchmal gelingt es mir sogar, sie zu leben. Jesus versucht uns mit vielen Botschaften davon zu überzeugen, dass wir nur mit der Liebe die Verbreitung von Hass, Krieg, Feindseligkeit etc. eindämmen können: Wir sollen unsere Feinde lieben, wir sollen die linke Wange hinhalten, die Aufforderung an Petrus, das Schwert in die Scheide zu stecken usw. Nur wenn wir auf Aggressionen mit der Liebe antworten, haben wir die Chance, Liebe zurückzubekommen. Agieren wir mit Hass, Drohungen, Feindseligkeiten usw., werden sich Hass, Drohungen etc. weiter vermehren, werden auf jeder Seite wachsen.

Leider haben dies auch in der Kirche viele noch immer nicht verstanden. Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil hat die Kirche unsere Kriegswaffen noch geweiht. Die Feindesliebe hat wenigstens dafür gereicht, dass wir mit geweihten Waffen gemordet haben.

Ich höre schon deinen Einwand: Ja, aber … Der Wunsch nach einem friedlichen, schönen, geruhsamen und entspannenden Leben geht nur über die Liebe und die Freundlichkeit, ohne „Ja, aber…“.
Ich lasse nur ein „aber“ gelten: „Aber einfach ist es nicht!“

Die aktuelle Lage in der Welt

Dass wir derzeit genau das Gegenteil von „Liebesarbeit“ leben und lautstark die Aufrüstung als seligmachende und rettende Wahrheit verkünden, ist verständlich, aber weder klug noch christlich.[2] Was passiert, wenn wir Angriffen mit Aufrüstung begegnen? Mit Sicherheit wächst das Aggressionspotenzial auf beiden Seiten. So entfernen wir uns voneinander so weit, dass wir uns irgendwann die Schädel einschlagen werden. Es ist nur eine Frage der Zeit. Aber für die Kriegstreiber und für die Dummheit unter den Menschen hat Jesus schon am Kreuz gebetet: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!« 

Die derzeitigen Aufrüstungsbestrebungen (Täglich € 6,5 Mrd. weltweit) sind ein Beweis für den gelebten Hass in der gesamten Welt.

Die Lösung liegt bei dir

Der Friede, die Liebe, die Freundlichkeit … können sich nur durchsetzen und vermehren, wenn sie in unseren Alltag einziehen, wenn sie alltäglich werden. Der Weltfriede beginnt in uns, in unserer Familie, in unseren Betrieben, in unserer Gesellschaft … Es ist nicht zulässig, vom Weltfrieden zu sprechen und den Grenzstein zum Nachbarn in der Nacht zu versetzen. Nicht von der Liebe sprechen, sie zu leben, ist unsere Herausforderung.

 Zitate zum Nachdenken

Verbrechen Krieg: „ …. daß sich Völker ohne das geringste Schuldgefühl in den Wahnsinn eines Krieges stürzen, daß der Mord an einem Mitbürger ein Verbrechen, das Töten eines Menschen aus einem anderen Volk während des Krieges eine Heldentat ist.“ 
(Martin Luther King)

 

Man kann ohne Liebe
Holz hacken
Ziegel formen
Eisen schmieden
Aber man kann nicht
Ohne Liebe mit Menschen umgehen

 

LIEBE

Pflicht ohne liebe macht verdrießlich
Verantwortung ohne liebe macht rücksichtslos
Gerechtigkeit ohne liebe macht hart
Wahrheit ohne liebe macht kritisch
Erziehung ohne liebe macht widerspruchsvoll
Klugheit ohne liebe macht gerissen
Freundlichkeit ohne liebe macht heuchlerisch
Ordnung ohne liebe macht kleinlich
Sachkenntnis ohne liebe macht rechthaberisch
Macht ohne liebe macht gewalttätig
Ehre ohne liebe macht hochmütig
Besitz ohne liebe macht geizig
Glaube ohne liebe macht fanatisch

 

WAS LEBST DU, WENN DU NICHT LIEBEN KANNST?

 

 

Leonding, April 2025                                                                Alois Markschläger

 



[1] Um Sprachverstümmelungen zu vermeiden, sind mit männlichen Formulierungen Frauen mit der gleichen Wertschätzung eingeschlossen.

[2] Dass Parteien für die Aufrüstung eintreten und sich gleichzeitig „christlich“ nennen, ist ein Wahrheitsbeweis für Scheinheiligkeit.

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