Ein Familienvater beim Bankdirektor
Ein Familienvater wird bei einem befreundeten Bankdirektor
um einen Kredit für den Erwerb eines neuen Hauses vorstellig und schildert die
Situation seiner Familie und den daraus entstehenden Kreditbedarf:
·
„Wir wollen ein neues Haus, da unser derzeitiges nicht mehr standesgemäß
ist.
·
Zweimal jährlich müssen wir auf Urlaub, weil uns zu Hause die
Decke auf den Kopf fällt. Außerdem ärgert sich der Nachbar, wenn wir schon
wieder fort sind.
·
Der Sohn studiert seit Jahren und daher ist es höchste Zeit, dass er
sich sein Stipendium mit dem eigenen Auto abholen kann.
·
Die Tochter nimmt sich nächstes Jahr eine Auszeit - Neudeutsch
Sabbatical – für eine Weltreise.
·
Die Frau hat ihre Arbeitszeit halbiert, da ihr die Belastung einer
35-Stundenwoche psychisch nicht zumutbar ist.
· Die Zusatzeinkünfte aus meiner „schwarzen Berufung“ stehen nur mir zu,
damit das Finanzamt keinen Zugriff hat.
·
In einigen Monaten gehe ich in Pension, da man ja nicht die gesündesten
Jahre seines Lebens mit einer Arbeit verbringen darf.
· Da wir den Überblick über unsere Situation verlieren, wollen wir einen Verwalter beschäf-tigen.
· Wir sind Mitglied in einem Familienverband, für den wir viel Zeit und viel Geld aufwen-den.
·
Die vorbeikommenden Wohnungssuchenden haben wir im Gartenhaus
untergebracht. Das mussten wir völlig neu renovieren. Außerdem sind wir für
deren Lebensunterhalt verantwortlich. Und es darf ihnen an nichts fehlen.
· …….“
Auf die Frage des Bankdirektors, wie er sich die Rückzahlung eines Kredites vorstellen könne, antwortet der brave Familienvater: „Weißt Du eigentlich nicht, dass Kredite dafür gegeben werden, um sich etwas leisten zu können? Für das Zurückzahlen sind die nicht geschaffen!“
Der Bankdirektor überlegt kurz, um dann dem braven Familienvater seine Entscheidung zu sagen und einen Rat zu geben: „Weißt Du, dass ich Dich um Deine Lebensverhältnisse beneide. Gerne würde ich mir das auch leisten können. Aber finanzieren kann ich Eure Wünsche nicht. Abschließend darf ich Dir noch einen Rat mitgeben: Vielleicht könntest Du Deine Situation zuerst einem Psychiater schildern. Der scheint mir im Moment für Deine Familie wichtiger als ein neues Haus.“
Diese Familie gibt es wirklich
Du bist
davon überzeugt, dass diese Familie meiner Phantasie entsprungen ist?
Nein, diese Familie gibt es. Es ist eine Familie mit ca. 9 Mio. Einwohnern. Es
ist der österreichische Staat.
Wir
arbeiten weniger, wir wollen keine Steuer zahlen und hintergehen den Staat, wir
wollen für alle möglichen und unmöglichen Wünsche Geld und Unterstützungen, wir
gehen in der vollsten Blüte unseres Lebens in Pension ….
Es ist unsere
Überzeugung: Der Staat und nicht jeder von uns ist für den Luxus
und für dessen Finanzierung verantwortlich. Seit Jahrzehnten leben wir über
unsere Verhältnisse und wollen dafür immer weniger leisten. Aufgabe des Staates ist es, das gefälligst zu finanzieren.
Der einzige Unterschied zu meiner Geschichte ist der Bankdirektor. Aus welchen Gründen auch immer finden wir jedes Jahr wieder einen Verrückten, der unseren Schwachsinn finanziert. Bei uns braucht eher der Bankdirektor einen Psychiater.
Gibt es eine Lösung?
Warum geht unser
Familienvater jedes Jahr wieder zu einem Bankdirektor, der ihn anhört und ihm
Kredite gibt, von denen er weiß, dass sie die Familie nicht zurückzahlen kann?
Vielleicht sollte der Familienvater einmal auf den Tisch hauen (aber
nicht von unten) und seinen Familienmitgliedern mit den Worten von John F.
Kennedy bei seinem Amtsantritt "Frage mich nicht, was der Staat für
dich tun kann, ich frage dich, was du für den Staat tun kannst" ihre Rolle
und ihre Aufgaben in der Familie bewusst machen. Das ist dem Familienvater zu gefährlich. Er befürchtet, dass ihn dann die Familie vor die Tür setzt. Außerdem
genießt er die Macht und die Vorteile des Familienvaters im Überschwang.
Wie sieht die Zukunft
unserer Familie aus? Wahrscheinlich gibt es viele Szenarien:
Die Familie endet in Armut,
da sich kein Bankdirektor mehr findet und die Familie es verlernt hat, ihren
Verhältnissen entsprechend zu leben.
Die Familie wurschtelt so
weiter und hofft, dass irgendjemand irgendwann ihre Schulden bezahlen wird (mit
oder ohne vorhergehenden Konkurs).
Der Familie ist es egal, was passiert, solange es gut geht.
Vielleicht geht es aber auch gut aus: Die Familie erinnert sich
an ihre eigene Verantwortung für ihr Leben und für ihre wirtschaftliche
Situation. Dafür sind aber viele Sitzungen bei einem Psychiater
notwendig.
Doch wer, der nicht merkt, wie krank er ist, geht schon zum Psychiater?
Leonding, Mai 2025 Alois Markschläger
Danke für diesen Beitrag! Zeichen der Zeit, leider.
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