Wann ist jemand reich? - Wenn er/sie mehr Geld und Vermögen als der Durchschnitt hat? - Um wieviel mehr?
Vielleicht, wenn man sich jeden Wunsch erfüllen kann?
Aber wachsen mit dem Vermögen nicht auch die Wünsche? Beispiele dafür finden
wir manchmal bei Lottomillionären. Viele spielen Lotto, um sich die Wünsche
erfüllen zu können, die ohne Sechser unrealistisch sind. Mit dem Sechser explodieren
oft auch die Wünsche. Da reicht auch der Sechser nicht mehr. Eigentlich ist das
logisch: Wären ihre Wünsche nicht höher als ihre Möglichkeiten, würden sie nicht
Lotto spielen. Daher sind sogar Lottomillionäre vor der Verarmung nicht gefeit.
Angeblich gibt es einige Beispiele dazu.
Reichtum lässt sich nicht nur über das Vermögen bestimmen. Große Wünschen brauchen ein hohes Vermögen. Um reich zu bleiben, muss man damit sparsam, zumindest vorsichtig, umgehen. Eigentlich lässt sich Reichtum nicht über den Besitz erklären. Zu stark spielen unsere Wünsche mit. Reich ist jeder, der mehr hat, als er braucht und als er brauchen will. Mathematisch ausgedrückt lautet die „Reichtumsformel“:
Um reich zu sein, muss man nur weniger (ver)brauchen und künftig (ver)brauchen wollen, als man hat. Was jemand braucht (haben und ausgeben will), ist bestimmt durch seine Bescheidenheit, bestimmt durch das, womit er sich bescheidet, womit er zufrieden ist.
Natürlich gibt es eine Grenze für den Reichtum: Wenn das,
was jemand hat, weniger ist als das, was er unbedingt zum Leben braucht,
entsteht in unserer Definition ein Negativwert: Ist das Haben kleiner als das
Lebensnotwendige, so entsteht negativer Reichtum, so entsteht Armut.
Bescheidenheit bedeutet auch, das zu schätzen und zu genießen, was ich habe. Bescheidenheit bedeutet aufzuhören, mich und mein Vermögen mit anderen zu vergleichen. Wer bescheiden ist, kann weder neidisch noch geizig sein: Er ist sich selbst genug.
Bescheidenheit bedeutet nicht, dass man nicht nach mehr streben darf. Der Unterschied zu den Erfolgshungrigen, zu den Geizhalsen und zu den Neidern: Mehr darf es immer sein, mehr muss es aber nie sein. Die Grenzen müssen wir beim Brauchen setzen.
In den letzten Jahrzehnten haben sich dem Großteil von
uns Möglichkeiten des Brauchens und Verbrauchens aufgezeigt, die vor einigen
Jahrzehnten nicht einmal denk- und vorstellbar waren (Die bescheidenen
Lebensverhältnisse meiner Eltern und in meiner eigenen Kindheit habe ich in
meinem Buch „zeitGESCHICHTEn aus Mamas Tagebuch“ darzustellen versucht.). Ich
musste in der Kindheit die Bescheidenheit nicht lernen, das tägliche Leben hat
uns zur Bescheidenheit gezwungen. Bescheidenheit war keine moralische Sonderleistung,
sie war brutale Realität.
Inzwischen sind die Grenzen des Brauchens und
Verbrauchens zumindest weit verschoben und wir haben nicht nur unsere
Bedürfnisse befriedigt, sondern teilweise sinn- und verantwortungslos alles,
was uns in den Weg gekommen ist, ge- und verbraucht.
Nun stellen wir fest, dass Vieles dabei war, was uns allmählich zu fehlen beginnt. Aber weg ist weg. Dass wir uns dadurch letztlich selbst beraubt haben, war nicht klug. Und in diesem Konsumrausch haben wir uns als reich empfunden, reicher als jede Generation vorher. Wir konnten uns alles leisten, wovon bisher nur geträumt wurde. Dabei waren wir nicht reich. Reich fühlten wir uns deswegen, weil wir das, was wir den nächsten Generationen gestohlen und geraubt haben, für unser Eigentum hielten. Als Gegenleistung dafür haben wir ihnen einen entsprechenden Schuldenberg hinterlassen, der sie vielleicht wieder zu der Bescheidenheit zwingen wird, die unsere Kindheit bestimmt hat. Vielleicht dreht sich deswegen auch die Erde, damit alles wieder kommt, was schon einmal da war.
Sind es aber nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die uns die Bescheidenheit lernen und lehren können? Könnte nicht auch der menschliche Verstand, könnte nicht eine menschliche Verantwortung für diese Welt ein Lehrmeister für Bescheidenheit sein – für die Bescheidenheit, mit der wir unseren Reichtum spüren. Ein ganz einfacher Slogan könnte uns helfen: „Darf’s ein bisschen weniger sein!?“ Danach zu leben, bedeutet, mit dem, was man hat, zufrieden zu sein, bedeutet, beim nächsten Autokauf unter seinen finanziellen Möglichkeiten zu bleiben, bedeutet, nichts haben zu wollen, nur weil es der Bruder, der Freund, der Nachbar oder wer auch immer hat, bedeutet, sich von dem Gedanken des „unbedingt haben und verbrauchen Wollens“ zu trennen. Unsere Kinder und Enkelkinder werden das nicht lernen, solange wir es nicht leben. Natürlich gibt es Viele, die davon leben, dass wir nicht bescheiden sind. Aber verantwortlich dafür, dass wir uns so nie reich fühlen werden, sind wir selbst: Sobald wir weniger wollen, als wir haben, sind wir reich. Wenn das unsere Kinder auch lernen, kann die Erbschaft gar nicht so klein sein, dass sie sich nicht reich fühlen.
Vielleicht können folgende Ideen etwas zum praktischen
Erlernen der Bescheidenheit, der Grundlage für den Reichtum, beitragen.
Stell dir die Fragen: "Warum glaube ich, dass ich das brauche? Was passiert, wenn ich das nicht kaufe? Wieviel von meiner Welt geht dann wirklich unter? Und ist der Teil, der untergeht, es wert, ihm nachzutrauern?"
Wenn du glaubst, etwas unbedingt (nicht aus Stolz, Eitelkeit, Bequemlichkeit oder Unvernunft) zu brauchen, prüfe, ob es nicht eine einfachere, eine günstigere Form gibt!
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