„Es ist das Ende der Welt,“ sagt die Raupe. „Es ist erst
der Anfang,“ sagt der Schmetterling (Sprichwort unbekannten Ursprungs). Oft
kann Neues nur entstehen, wenn Altes zu Ende geht.
In diesen Tagen feiern
wir den Jahreswechsel: 2025 geht zu Ende, damit 2026 beginnen kann. War 2025
eine Raupe? Viele Raupen sind schädlich, haben aber trotzdem bedeutende
Aufgaben in der Natur. Nicht alle Schmetterlinge sind nur schön, es gibt auch
giftige. Wie wird der Schmetterling 2026 aussehen? Schön wäre es, wenn er sich nach
unseren Neujahrswünschen richten würde. Man wird wohl noch träumen dürfen.
Manchmal ist es ein Trost, vielleicht sogar eine Hoffnung, oft aber auch eine Enttäuschung, dass alles ein Ende hat (Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.). Alles hört irgendwann einmal auf: Über das Ende des Ukrainekrieges, wann immer das auch sein mag, werden sich viele freuen. Leider nicht alle, da er sonst ja gar nicht begonnen hätte. Viele werden traurig sein, wenn auch 2026 ein Urlaub zu Ende gehen wird, wenn die Geburtstagsfeier vorbei ist, wenn …. Alles auf der Welt ist vergänglich. Darüber – über Tatsachen – zu sinnieren oder zu diskutieren, ist sinn- und ergebnislos. Lass es lieber! Demut bedeutet auch, das zu akzeptieren, was man nicht ändern kann.
Ist die Regel, dass Bestehendes verschwinden muss, damit Neues entstehen kann, generell gültig oder gibt es Ausnahmen? Gilt diese Regel auch für unser Leben? Ist das Ende der Start zu etwas Neuem? Oder ist das Ende wirklich ein Ende ohne Nachfolge? Dazu habe ich meine Gedanken spielen lassen:
Bei der Geburt erhältst du ein vollgetanktes Auto. Es
gibt keine Tankuhr. Du weißt weder, wieviel dein Gefährt verbraucht noch wie
viele Liter im Tank sind. Du weißt nur, dass der Tank irgendwann leer sein wird, dass du stehen wirst, dass du nicht mehr weiterkommst und dass es keine Tankstelle gibt.
Dass Rasen
viel Sprit frisst, wird dir irgendwann bewusst (Lebe dein Leben schneller, dann
bist du früher fertig damit.). Auch Bergstrecken erfordern mehr Energie, dafür
geht’s bergab sparsamer. Wenn dein Tank nicht dicht ist, wirst du nicht
besonders weit kommen.
Wenn du Pech hast, streikt dein Gefährt trotz vollem Tank,
weil wichtige Teile nicht mehr fahrbereit sind. Das langsame Fahren hat
nichts genützt. Auch vor einem Crash bist du nicht gefeit. Da nützt die beste
Versicherung nichts: kaputt ist kaputt.
Was passiert aber am Ende der Fahrt? Steigst du in ein anderes, wieder vollgetanktes Auto um, wie dies die Vertreter der Wiedergeburt vermuten und behaupten? Ist es wie bei der Raupe und beim Schmetterling: Für den Menschen das Ende und für den – für wen eigentlich? - der Anfang. Steigen wir vom Auto in ein ganz anderes Fahrzeug um, so wie wir jetzt vom Auto in die Bahn oder in Flugzeuge umsteigen? Vielleicht ist nach der Grenze eine Tankstelle? Vielleicht brauchen wir keine herkömmliche Energie mehr und wir können uns trotzdem bewegen? Bestehen wir einfach weiter mit einer ganz anderen Form des Seins und der Bewegung?
Bei diesen Gedanken sind unserer Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Eigentlich geht es uns wie der Raupe, die sich so ganz und gar nicht vorstellen kann, wie sie irgendwann als Schmetterling leben wird, weil sie vielleicht gar nicht weiß, dass es auch Schmetterlinge gibt. Lassen wir uns überraschen! Schauen wir einmal, dann werden wir es schon sehen.
Bis du es erfährst, wie es nach dem leeren Tank weiter geht, darf ich dir etwas empfehlen: Fahre so, wie es dir Freude bereitet! Nimm Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer, damit du niemand gefährdest oder tötest! Vor allem: Genieße die Fahrt in dem Bewusstsein, dass alles ein Ende hat, damit vielleicht Neues beginnen kann!
Zum Jahreswechsel 2025/2026 Alois
Markschläger
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