In den letzten 51 Jahren habe ich etwa 1.000 Unternehmen und Unternehmer kennen gelernt. Aufgrund dieser hohen Zahl halte ich mein Bild vom österreichischen Unternehmer repräsentativ. Dieses Bild weicht leider von dem ab, das in weiten Teilen der Bevölkerung verbreitet ist: Da dominiert manchmal der rücksichtslose, um jeden Preis gewinnsüchtige, asoziale, zwielichtige …. Unternehmer. Natürlich gibt es solche auch. Wo gibt es keine schwarzen Schafe?
Warum wird der Anteil der schwarzen Schafe überschätzt? Teilweise sind es persönliche Erfahrungen. Oft werden nur äußere Erfolgsmerkmale – Firmenpaläste, Luxuslimousinen etc. – gesehen. All das mit ehrlicher Arbeit erworben zu haben, ist für viele unvorstellbar. Die zweite Seite dazu, wie die eingesetzte Arbeitszeit, das persönliches Risiko, Bankverbindlichkeiten …., wird kaum bewusst. Neid und Missgunst verstärken die einseitige Sicht. Viele Aussagen und deren Gestaltung durch die Mitarbeitervertretungen verzerren das Bild zusätzlich. Das Verhältnis Unternehmer-Mitarbeiter hat sich im letzten Jahrhundert von einem ursprünglichen Gegeneinander zwar zu einem Nebeneinander, manchmal sogar zu einem Miteinander, aber leider noch kaum zu einem Füreinander gewandelt. Schade!
Ich lernte Unternehmer mit allen möglichen – manchmal auch unmöglichen - Ausprägungen kennen: große und kleine, erfolgreiche und erfolglose, sympathische und unsympathische, ehrliche und weniger ehrliche …., sogar kriminelle waren dabei.
Kürzlich habe
ich einen getroffen, der herausragt, der es wert ist, vor den
Vorhang gestellt zu werden: Bei Verhandlungen mit einem Geschäftspartner hat er
einen Vorschlag unterbreitet. Als sich bei der nächsten Besprechung
herausstellte, dass dieser Vorschlag für ihn einen wesentlichen steuerlichen
Nachteil bedeutet, hätte er sein Angebot noch zurückziehen und neue
Verhandlungen aufnehmen können. Darauf verzichtete er mit der Begründung: „Mein
Angebot gilt, wenn ich auch Einiges dabei zu wenig berücksichtigt habe.“ Er stand
trotz des enormen Nachteils zu seinem Wort. Er versuchte keine Verbesserung.
Das Geschäft wurde in der ursprünglich angebotenen Form abgeschlossen. Dem Rest
der Besprechungsteilnehmer blieb der Mund aus Überraschung, vor allem aber aus
Bewunderung offen. Ein Mann steht zu seinem Wort, obwohl es ihm einen hohen
Betrag kostet und er – rein rechtlich – seinen Vorschlag noch hätte
zurückziehen können.
Kann so ein Unternehmer, der „nur“, um sein Wort zu halten, hohe finanzielle Nachteile in Kauf nimmt, überhaupt erfolgreich sein? Er kann. Und er ist einer der erfolgreichsten. Ehrlichkeit und zu seinem Wort zu stehen sind keine Einzelaktionen. Sie sind persönliche Einstellungen. Sie sind Charaktereigenschaften, die mit einer Person verbunden sind. Mit dieser Person kannst du Geschäfte machen.
Und diese Charaktereigenschaften genießen alle Partner dieses Unternehmers. Dies macht ihn so erfolgreich. Seine Mitarbeiter spüren seine Ehrlichkeit und Offenheit und sie bedanken sich mit entsprechenden Leistungen. Seine Kunden schätzen es, immer offen und fair behandelt zu werden und kaufen wieder gerne. Lieferanten würdigen seine Loyalität und bedienen ihn ebenso fair. Seine Banken vertrauen ihm und seinen Worten. Die Behörden wissen, dass sie mit ihm nicht „Räuber und Gendarm“ spielen müssen ….
Damit werden aus Geschäftsbeziehungen Kooperationen und Partnerschaften. Rundum entstehen Win-win-Situationen. Mit einem ehrlichen Partner, der Wort hält, arbeitet jeder gerne. Alle Beteiligten sind erfolgreich. Die Gewinne sind in Summe wesentlich höher als die Verluste aus dem einen oder anderen Geschäft.
Dieser Unternehmer kann sich auch selbst bewundern: Bei jeder täglichen Rasur sieht er im Spiegel ein zufriedenes und ehrliches Gesicht. Er darf sich zulächeln. Er darf mit sich zufrieden und auf sich stolz sein (Frauen haben wahrscheinlich sogar mehr Spiegelmöglichkeiten.).
„Ehrlich währt am längsten,“
ist eine alte Volksweisheit. Sie sollte unser Leben, auch unser Geschäftsleben,
bestimmen.
Leonding, Dezember 2023 Alois Markschläger
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