Seit fast zwei Jahren wird in
der Ukraine Krieg geführt. Die veröffentlichten Opferzahlen sind kaum
festzumachen. Ist aber die Zahl der Opfer für die Beurteilung des Wahnsinns
eines Krieges überhaupt von irgendeiner Bedeutung?
Meine überschlägigen
Nachforschungen ergaben, dass im Ukrainekrieg bisher ca. 200.000 Soldaten -
ukrainisch oder russisch ist zweitrangig, auch hier gilt der
Gleichheitsgrundsatz - und mindestens 10.000 Zivilisten ihr Leben verloren.
Weitere 300.000 wurden verletzt. 6,3 Mio. Menschen haben als Flüchtlinge ihre
Heimat verlassen, 3,7 Mio. Menschen sind in ihrer Heimat auf der Flucht.
Als Rechtfertigung für diesen Wahnsinn und für dessen Finanzierung höre ich immer wieder das Argument, dass die Ukraine für die Freiheit Europas kämpft. Zumindest 210.000 gefallene Soldaten und Zivilisten werden diese Freiheit nicht mehr genießen können. Auch für diesen Krieg gilt die Regel: Die für die Freiheit kämpfen, haben von dieser Freiheit eigentlich so gar nichts mehr.
Wer ist schuld an dieser Katastrophe? Der Auslöser war zweifellos Putin. Aber auch ich und du. Auch wir haben uns schuldig gemacht. Oder hast du dich dagegen gewehrt, dass mit unseren Steuern Waffen für diesen Krieg finanziert werden. Mit unserem Schweigen sind wir mitschuldig.
Etwa zwei Jahrzehnte lang gab
es in Europa und hier vor allem in der BRD eine starke Friedensbewegung, die mit einem
jährlichen Friedensmarsch zu Ostern ihren Höhepunkt fand. 1983 nahmen daran
etwa 700.000 Deutsche teil. Offensichtlich war die Friedensbewegung besonders
stark, als es nur Frieden und keinen Krieg gab.
Wo haben sich diese Marschierer versteckt, als ihr roter Bundeskanzler (Die Friedensbewegung wurde vor allem von Sozialisten und von Grünen getragen.) unter Beifall des Großteils des deutschen Volkes verkündete, die Militärausgaben um € 100 Mrd. (In Worten: einhundert Milliarden Euro = € 100.000.000.000,-) zu erhöhen. Wie viele Menschen wird man damit umbringen? Die Friedensbewegung ist schon vorher gestorben.
Kriegsbefürworter sind so fanatisch, dass keiner bedenkt, was man mit diesen Beträgen bewirken könnte. Große Teile der Welt könnten damit fruchtbar gemacht werden. Die Bewohner der derzeit unfruchtbaren Teile der Erde könnten in ihrer Heimat, im Nahen Osten, in Afrika … bleiben und müssten, um zu überleben, nicht nach Europa fliehen. Diese Maßnahmen würden auch in Europa und nicht nur in den Rüstungsindustrien der Weltmächte Arbeitsplätze schaffen.
Wer entscheidet eigentlich über Krieg und Frieden? Sind es die Massen, die an Friedensdemonstrationen teilnehmen? Sind es die Soldaten, die für den Krieg und nicht für den Frieden ausgebildet werden? Keine dieser Gruppen entscheidet über Krieg und Frieden. Es sind ausschließlich Politiker und manchmal auch deren Berater, die über Krieg und Frieden entscheiden. Jeder einzelne von uns kann schon etwas Stimmung für oder gegen den Krieg machen, aber entscheiden tun wir ihn nicht.
Wie ist es aber denkbar, dass
offensichtlich eine große Masse der Kriegsgegner plötzlich zu
Kriegsbefürwortern geworden ist? In den 60-er und 70-er Jahren des letzten
Jahrhunderts haben wir gegen den Vietnamkrieg der Amerikaner demonstriert und
dagegen angekämpft. Heute spricht sich ein Großteil der Bevölkerung für den
Krieg in der Ukraine aus. Dabei hat sich in diesen 50 Jahren gar
nichts verändert. Auch heute sind es dieselben Amerikaner, die irgendwo auf der
Welt andere Nationen für ihre Weltherrschaft kämpfen lassen. Ein Unterschied zu
Vietnam besteht: Damals haben wir die amerikanischen Verbrechen zumindest noch
durchschaut. Heute ist Westeuropa bereits ein amerikanischer Bundesstaat.
Die Friedensbewegung ist nicht
nur eingeschlafen. Inzwischen wird sie von vielen Seiten bekämpft, soweit sie
überhaupt noch spürbar ist: Jeder noch so kleine Versuch eines Aufschreis gegen
den Ukrainekrieg wird insbesondere von den deutschen Medien aber auch von der
deutschen Öffentlichkeit zunichte gemacht. Offensichtlich liegt dem Großteil
der Deutschen die Kriegslust noch immer so stark im Blut, dass diese einfach zu
aktivieren war.
Ein besonders drastisches
Beispiel für diese Kriegslust ist der Kommentar des deutschen
Bundestagspräsidenten a. D., Wolfgang Thierse, zu der Forderung der
Friedensverteidiger „Frieden schaffen ohne Waffen“. Thierse nannte dies „eine
Arroganz unerträglicher Art“. Wahrscheinlich hätte dies Adolf Hitler ähnlich
kommentiert. Millionen von Gefallenen, Kriegswitwen und Kriegsweisen werden
sich bei solchen Worten in ihren Gräbern – und viele hatten nicht einmal ein Grab – umgedreht haben.
Solange wir Frieden hatten, gab es die
Friedensbewegung, wenn diese auch den Frieden nicht gesichert hat. Ab 1990
gingen die Aktivitäten der Friedensbewegung insbesondere die Friedensmärsche
stark zurück. Eine Ursache dafür ist der Rückzug der Russen aus Mitteleuropa
nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten und die Auflösung des
Warschauer Paktes. Eine unmittelbare Kriegsgefahr schien nicht mehr gegeben. Zu
schwach war Russland und zu stark wurden die USA, die die Schwäche Moskaus zum
sofortigen Ausbau der NATO nutzten.
Ende des ersten Teils.
Dezember 2023 Alois Markschläger
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