Wie frei wir sind, bestimmt einerseits die
Gesellschaft (Rede-, Versammlungs-, Meinungs-, Wahlfreiheit ….) mit Gesetzen, Vorschriften und Gewohnheiten, andererseits liegt Freiheit in unserer eigenen Macht. Oft handeln
wir nicht wie freie Persönlichkeiten, oft sind wir abhängig.
Der Satz „Abhängigkeit ist der Verlust der
Freiheit, verzichten zu können,“ hat mich zu diesen Gedanken geführt.
Alle Weltreligionen haben Riten und Vorschriften
für ein Verzichten entwickelt: das Christentum die 40 Tage Fastenzeit vor
Ostern, der Islam den Ramadan, Jom Kippur bei den Juden. Mit dem Fasten lernen und
erfahren wir, wie es wirkt, wenn wir uns gegen unsere Abhängigkeiten wehren.
Welche Abhängigkeiten bedrohen unsere
Freiheit?
Ohne besondere Gewichtung und ohne Anspruch
auf Vollständigkeit fallen mir ein:
- Die Suche nach Anerkennung treibt uns zu teilweise bereits ungesunden Höchstleistungen im Sport und im Beruf.
- Dieselbe Suche beeinflusst unser Kauf- und Konsumverhalten. „Wir kaufen Vieles, was wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“ (Aus dem Film „Flight Club“)
- Genussmittel wie Süßigkeiten, ausgiebiges und besonderes Essen, Nikotin, Alkohol, Drogen … sollen das Leben lebenswerter machen, machen uns aber abhängig.
- Die Suche nach Information und der Wunsch, immer „up to date“ zu sein, machen uns von unseren Handys abhängig. Die Aktion Handyfasten halte ich für das beste Projekt, das in den letzten 50 Jahren an Österreichs Schulen gestartet wurde.
- Die Suche nach Sicherheit treibt uns zu überzogenen Datenschutzbestimmungen, zu teilweise sinnlosen Versicherungen, zu zwielichtigen Anlageberatern …
- ……………..
Abhängigkeiten nehmen uns die Freiheit. Wir können nicht mehr, wie wir eigentlich sollten und auch möchten. Teilweise bemerken wir den Entzug der Freiheit nicht einmal, weil Vieles schon so selbstverständlich wurde (Beobachte dazu das „Handyverhalten“ in der Öffentlichkeit!). Sobald aus der Abhängigkeit eine Gewohnheit wird, sind wir einer Sucht zum Opfer gefallen. Diese entzieht uns die Fähigkeit, uns selbst zu steuern und raubt uns die Menschenwürde. Ein Mensch, der nicht mehr über sich selbst entscheiden kann, hat seine Würde verloren
Fasten gibt uns eine Möglichkeit, eine Abhängigkeit rechtzeitig zu bemerken. Dazu ein Beispiel: Ein Freund von mir hatte die Gewohnheit, täglich zwei oder drei Bier (Mittagessen, Abendessen, ein Genussbier beim Fernsehen …) zu konsumieren. Als ich behauptete, dass er vom Bier abhängig sei, war er fast beleidigt und leicht eingeschnappt. Aber auf die Frage, ob er auf „sein Mittagsbier“ verzichten könne, kam ein zögerliches „Nein“. Mit einem Alkoholfasten wäre ihm seine Abhängigkeit auch ohne meine Provokation bewusst geworden.
Fasten zeigt nicht nur die Gefahren einer Abhängigkeit. Fasten bereitet sogar Erfolgserlebnisse: Ich habe auf etwas verzichtet, das ich gerne habe. Ich habe meine Abhängigkeit davon überwunden. Ich weiß, dass ich stark genug bin, Dingen zu widerstehen, die ich nicht brauche. Ich bin frei und kann mein Leben frei bestimmen. Ich bin ein Sieger.
Vielleicht hast du, so wie ich auch (Ich will die Zeit des Fastens selbst bestimmen und sie mir nicht von einem Gebot, einem Gesetz oder einer Empfehlung vorschreiben lassen.), die Fastenzeit zum Fasten nicht genützt. Am nächsten Freitag, dem Karfreitag, einem „richtigen“ Fasttag, hast du eine weitere Chance zu erfahren, dass du nicht von deinen Wünschen, Neigungen … abhängig, sondern dass du frei bist.
Faste am kommenden Freitag, nicht weil es
die Kirche vorschreibt, sondern weil du diese Erfahrung für dein Leben und für
deine Freiheit brauchst.
Faste am Freitag und freue dich auf den
Sonntag. Dann hast du die Karwoche nicht nur verstanden, sondern auch gelebt.
Leonding, 29.03.2026 Alois
Markschläger
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