Übergewicht passiert im Kopf

 

Die Zahl von „Falschgewichtigen“ (Über- oder Untergewicht) [1] wird unterschiedlich angegeben und ist auch von den gesetzten Grenzen für die „Falschgewichtigkeit“ abhängig. In den „Wohlstandsländern“ beträgt der Anteil in etwa 50 % und steigt. Die Qualität und die Quantität der Ernährung sind die Hauptursachen dafür. Es gibt auch körperliche Gebrechen, die zu Über- oder Untergewichtigkeit führen. Diese können durch Ernährungsgewohnheiten kaum ausgeglichen werden. Dafür ist die Medizin zuständig.

Fehler in der Ernährung (falsch oder zu viel) sind aber nicht die Ursachen für Übergewichtigkeit. Sie sind die Folge oder manchmal die Folge der Folge anderer Ursachen.

Einige mögliche Ursachen für Übergewichtigkeit (Dem Körper werden mehr Kalorien zugeführt, als dieser verbrennt.) habe ich näher beleuchtet. Wahrscheinlich gibt es noch eine Unzahl (wie finanzielle Grenzen, seelische Belastungen, fehlende Möglichkeiten für gesunde Ernährung ....) mehr:

  •   Botschaften von außen

Volksweisheiten wirken wie Botschaften auf uns (beispielhaft):
Ein Mann unter 80 kg ist ein Krüppel (Verlegenheitsargument übergewichtiger Männer).
Wer viel arbeitet, darf auch viel essen. (Könnte auch eine Rechtfertigung für Vielfraße gewesen sein.)
Die Botschaft „Was auf den Tisch kommt, wird gegessen!“ verpflichtet, nach der Sättigung „fertig“ zu essen. Die Botschaft kommt aus der Familie und ist entstanden, als das, was auf den Tisch kam, gerade zum Überleben reichte. Heute wäre ein Leitsatz wie „Es kommt nur so viel auf den Tisch, was zur Sättigung notwendig ist,“ sinnvoller.
Volksweisheiten kommen aus der Vergangenheit, aus anderen Zeiten. Nicht jede Volksweisheit ist zu jeder Zeit noch eine Weisheit.

  • Tradition und angelernt

    Essgewohnheiten werden in der Familie gelernt. Nur selten siehst du schlanke Kinder von dicken Eltern.
  •   Botschaften von innen (Autosuggestion)

Da eigene Leitsätze (Autosuggestion) häufiger vorkommen, als wir uns eingestehen, möchte ich diese etwas ausführlicher an meinem eigenen Beispiel zeigen. Mit wenigen Ausnahmen konnte ich immer essen, was und wie viel ich wollte, ohne ernsthafte Gewichtsprobleme zu bekommen (Mein BMI = Body-Mass-Index lag immer im grünen Bereich.). Durch diese Erfahrungen über mehr als 70 Jahre wurde dieser Satz „Du kannst essen, was du willst, du nimmst nicht zu“ zu einer „Lebensweisheit“. Entsprechend viel durfte ich essen. Dass dieser Satz keine Weisheit, sondern eine Selbsttäuschung, wahrscheinlich ein Selbstbetrug, war, erkannte ich erst später.

Ich hatte dabei nämlich einige Faktoren nicht oder zu wenig gewichtet: In den ersten 15 Lebensjahren (Nachkriegszeit und Internat) reichten die Portionen gerade für das Wachstum in die Höhe, für die Breite waren sie zu klein. In den Jahren danach konnte ich durch meine Lebensgewohnheiten (Extrem hoher Arbeitseinsatz, exzessiver Raucher, wenig Schlaf, viel Sport etc.) mein Gewicht halten, obwohl ich riesige Portionen verdrückte.

Als ich vor 30 Jahren mit dem Rauchen aufhörte, nahm ich zwar binnen weniger Monate 10 kg zu. Dies führte ich auf eine veränderte Verdauung (Dauerhafte Gastritis durch das Rauchen) zurück. Ein erhöhtes Lauftraining und letztendlich Marathonläufe regulierten mein Gewicht sehr rasch. Damit war mein Leitsatz, essen zu können, was ich wollte …., wieder erfüllt. Vielleicht bin ich meinem „Laufwahn“ nur deswegen verfallen, damit meine Einbildung über meine Essensgewohnheiten bestätigt wurde.

Als ich im beginnenden Alter meine sportlichen Aktivitäten reduzierte, nahm ich jährlich konstant in etwa ein Kilogramm zu. Dies begründete ich mit einer schlechteren Verbrennung im Alter. Einen Zweifel an der Richtigkeit meiner „Lebensweisheit“ ließ ich gar nicht aufkommen.

Erst im Rahmen einer Reha wurde mir bewusst, dass auch ich der Abhängigkeit von Essen und Körpergewicht unterliege. Jetzt habe ich die Ernährung angepasst. Trotzdem bewege ich mich immer noch gerne, aber nicht mehr, um weiter einer Ernährungsillusion nachzulaufen, sondern weil es mir gut tut …….

So wie ich mir einbildete, dass mein Gewicht nicht durch die Ernährung bestimmt wird, und mein Leben danach gestaltete, so gibt es wahrscheinlich viele Einbildungen, die genau das Gegenteil bewirken. Da gibt es beispielsweise Übergewichtige mit der Aussage: „Ich muss ein Essen nur sehen und ich nehme schon zu.“ Trotzdem wird dieses Essen dann verzehrt. Das Motto stimmt also.

Möglicherweise bestimmen verschiedene Leitsätze nicht unser Leben, vielleicht gestalten wir unser Leben so, dass unsere Leitsätze stimmen.

  •   Emotionen, Selbstwert ......

Oft hört man den Satz: „Dann belohne ich mich mit einem Stück (einer Tafel) Schokolade.“ Offensichtlich ist eine Schokolade der Ersatz für fehlende Anerkennung durch Dritte.

Dazu fallen mir einige Fragen ein:

Vielleicht ist die Leistung gar nicht so bedeutend, dass eine besondere Anerkennung angebracht ist? Dann ist die Ursache für die Schokolade und für das Übergewicht eine Fehleinschätzung, vielleicht sogar Hochmut: Ich schätze meine Leistung und mich zu hoch ein.

Warum erhält jemand kein Lob, wenn seine Leistung wirklich etwas Besonderes ist? Dann ist der Mangel an Anerkennung die Ursache für die zusätzlichen Kilogramm.

Warum braucht jemand die Anerkennung von außen? Hier wäre der fehlende Selbstwert die Ursache für das Übergewicht.

Um das Übergewicht abbauen zu können, ist die Kenntnis der Ursache zu wenig. Der nächste Schritt ist die Frage, woher dieser Hochmut, der Wunsch nach Anerkennung, der fehlende Selbstwert kommt. Dort sind die Maßnahmen zu setzen.

  •   Neid

Wenn ich mit meinen Lebensverhältnissen nicht zufrieden bin und andere um ihren Lebensstandard beneide, kann ich mir selbst mit Hilfe einer teuren und üppigen Ernährung beweisen, dass ich mir auch etwas leisten kann. Damit stelle ich mich auf die Stufe der „Reichen“. Neid und fehlender Selbstwert heben das Körpergewicht.

  •   Hochmut

Die Vorstellung, dass ich, Alois Markschläger, dem Zusammenhang von Essen und Körpergewicht als einer von wenigen Auserwählten nicht unterworfen bin, kann man auf Leichtsinn, Dummheit oder Hochmut zurückführen.

  •   Selbstbetrug

Viele Übergewichtige fühlen sich mit ihrem Gewicht wohl, weil sie ohnehin alles machen können, was sie wollen. Dass sie aber nur das wollen, was sie ohne besondere Anstrengung können, ist ihnen nicht bewusst und wird verdrängt. Irgendwie betrügen sie sich selbst. Wo liegen hier die eigentlichen Ursachen für die Bequemlichkeit?

  •   Ausreden

Den BMI (Body-Mass-Index) für eine manipulierte Messgröße der Pharmaindustrie zu halten, kann vielleicht ein schlechtes Gewissen beruhigen, die Wahrheit ist dies aber nicht.

  •   Die Angst vor dem Hunger

Wahrscheinlich kann jemand, der wirklichen Hunger – nicht nur ein Hungergefühl zwischendurch - noch nie erlebt hat, die damit verbundene Lebensangst, eine unserer Urängste, nicht nachfühlen. Diese Angst verleitet dazu, mehr als notwendig zu essen. Übergewicht ist auch eine Reserve für schlechte Zeiten.

  •   ........................

 

Bist du mit deinem Gewicht unzufrieden und möchtest du etwas ändern? Du kannst ja mit einer Diät beginnen, von denen es unzählige Formen gibt. Damit lernst du deinem Körper vor allem Eines: Die Nahrungszufuhr wird eingeschränkt. Jetzt muss alles, was kommt, möglichst vollständig verwertet werden, um nicht in ernste Gefahren zu kommen. Jetzt greift er auch auf angelegte Reserven zu und du nimmst ab. Diese Erkenntnisse bleiben aber auch nach dem Ende deiner Diät und du nimmst sofort wieder zu (Jo-Jo-Effekt).

Die eigentlichen Ursachen für Über- oder Untergewicht stecken nicht in den Essgewohnheiten. Diese sind die Folgen und nicht die Ursachen. Die Ursachen sind in unserem Kopf und in unserer Seele. Über Nachdenken, über Meditationen, über Gespräche mit Freunden und Therapeuten, über …. finden wir sie. Sei geduldig (und esse keine Trostschokolade): Wenn du sie nicht sofort findest, morgen ist auch noch ein Tag.

 

Leonding, 15.10.2023                                                                         Alois Markschläger

  Einfach zum Nachdenken



[1] Auch die Ursachen für Untergewichtigkeit sind mit denen der Übergewichtigkeit vergleichbar. Ich gehe hier aber nur auf die Übergewichtigkeit ein, da dies derzeit mehr Menschen betrifft.

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