KI Teil 2: Wie KI die Gesellschaft verändern wird

Warum hat uns die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen (Versiebenfachung in den letzten 50 Jahren!) so wenig beunruhigt und warum haben wir vor der nächsten Arbeitslosigkeit so wenig Angst? Es geht uns wie dem „gekochten Frosch“: Wenn du einen Frosch in siedendes Wasser wirfst, wird er herausspringen oder gleich sterben. Wenn du ihn in einen Topf mit kaltem Wasser gibst und dieses langsam erwärmst, wird er sich wohl fühlen. Sobald es ihm zu warm wird, möchte er heraus. Dann ist er durch die Wärme aber bereits so geschwächt, dass ihm das nicht mehr gelingt. Er wird gekocht werden.

Wenn die Anzahl der Arbeitslosen von 40.000 auf 320.000 innerhalb weniger Wochen gestiegen wäre, hätten unsere Alarmglocken geläutet und wir hätten alle möglichen und unmöglichen Maßnahmen (siehe Corona-Krise) getroffen. Eine langsame Entwicklung über 50 Jahre hat uns aber so gar nicht beunruhigt. Fast genau so viel haben wir dagegen unternommen. Vielleicht haben wir nach der Eiszeit des 18. Und 19. Jahrhunderts das warme Wasser der Nachkriegszeit zu sehr genossen und auf die Überhitzung zu wenig geachtet[1].

Wie wird sich das dritte Maschinenzeitalter (siehe Teil 1) auswirken? Die nachfolgenden Aussagen sind meine Vermutungen und wissenschaftlich nicht abgesichert. Dies bedeutet aber nicht, dass sie nicht eintreten können.

  •      Arbeiten , die wir bisher nur dem Menschen zugemutet haben, werden von Computern und Robotern besser und billiger geleistet. Damit wird die Arbeitslosigkeit steigen und sie wird mit dem derzeitigen Modell nicht mehr finanzierbar sein. Prognosen dafür abzugeben, ist nicht seriös.
  •          Die Produktionskosten werden sinken.
  •   Das Leben wird perfektioniert werden: Aufgrund von hochintelligenten Untersuchungen werden wir – abgestimmt auf die jeweilige Person – Ernährungs- und Bewegungsprogramme erhalten. Unsere Lebenserwartung wird steigen.
  •         Auch der Sport wird perfektioniert werden. Die Fehler werden weniger werden. Wenn auch viele Rekorde gebrochen werden, wird vielleicht die menschliche Komponente (Irren ist menschlich.) fehlen. Perfekt ist nicht immer mit schön gleichzusetzen.
  •       Die Ausbreitung von KI wird durch den Mangel an qualifiziertem Personal so lange begrenzt sein, bis auch die „Hersteller“ der KI selbst Computer sind.
  •   Sehr Wenige werden unvorstellbare Gewinne erwirtschaften und ein unvorstellbares Vermögen ansammeln.
  •          Die Partei der Arbeitslosen wird die größte Partei sein.
  •    Der Verlust der Macht der Gewerkschaft, die auch durch die Anzahl ihrer Mitglieder bestimmt wird, wird sich wie in den letzten Jahrzehnten fortsetzen. Waren 1972 noch ca. 53 % aller Erwerbstätigen Mitglieder bei österr. Gewerkschaftsbund, so lag dieser Anteil 2022 nur noch bei 27%.
  •    Die aufwendige öffentliche Verwaltung verliert in vielen Bereichen an Bedeutung, was aufgrund der Einstellung unserer Politiker zu Verwaltungsreformen nicht zu einer Reduktion der Verwaltung führen muss.
  •         …….

Über die künftige Verteilung des Volkseinkommens habe ich eine eigene Theorie: Das Einkommen der freigesetzten Menschen wird nicht ausreichen, um den Lebensstandard von heute zu finanzieren. Eine Verarmung weiter Bevölkerungskreise würde die Folge sein. Damit ist aber auch denen nicht geholfen, die hohe Gewinne erzielen. Ohne entsprechendes Einkommen fallen die freigesetzten Kräfte als Konsumenten weg, wodurch weniger nachgefragt, weniger umgesetzt und weniger verdient wird. An einem arbeitsunabhängigen Grundeinkommen sind daher auch die Reichen und Mächtigen interessiert. Dazu gibt es eine  Episode: Als Henry Ford mit einem Gewerkschafter durch die stark automatisierte Fertigung ging und diesen fragte, wie er die Maschinen zum Beitritt zur Gewerkschaft bewegen möchte, antwortete ihm dieser: „Und wie willst du sie bewegen, Autos von dir zu kaufen?“

Die Wirtschaft wird nicht die Menschen, aber die Konsumenten benötigen. Dafür wird ein Teil des Gewinns abgegeben werden. So werden sich die Unternehmen ihre Produktion wieder selbst über ihre verteilten Gewinne kaufen. Daher werden sich die Proteste gegen ein arbeitsloses Grundeinkommen in Grenzen halten. Allerdings werden die Reichen das Einkommen der Arbeitslosen bestimmen. Die Situation erinnert an das „alte Rom“, wo das Volk mit „Brot und Spielen“ bei Laune gehalten wurde.

Gibt es eine Alternative zu einem arbeitslosen Grundeinkommen „von Gottes Gnaden“, mit dem eine hohe Abhängigkeit und der Verlust der Freiheit verbunden sind? Eine theoretische Alternative fällt mir ein. Wir könnten unser Einkommen und damit gleichzeitig unseren Konsum verringern. Wir haben die unheimliche Macht, die Wirtschaft über den Konsum zu steuern. Bisher ist unser Konsum von der Wirtschaft gesteuert worden. Das könnten wir drehen. Wir müssen nur auf alles verzichten, was nicht lebens- und überlebensnotwendig ist.

Leider sind wir aber genau gegenteilig erzogen worden und definieren sogar unsere Persönlichkeit über den Konsum (Marken etc.). Die Veränderung unserer Lebenseinstellungen wird in einem Ausspruch eines erfolgreichen Managers deutlich: „Wenn mein Opa so viel verdient hätte wie ich, hätte er bereits am Dienstag zu arbeiten aufgehört. Warum arbeite ich sogar am Samstag?“ Vielleicht analysierst du einmal deine monatlichen Ausgaben oder betrachtest kritisch deine Kleider- und Schuhschränke, studierst dein Urlaubs- und Reiseverhalten ….. Nur wenig davon ist lebensnotwendig. Um wie viel weniger könntest du verdienen, ohne auf ein menschengerechtes Leben verzichten zu müssen?

Ein derartiger Wandel würde den totalen Umbau des derzeitigen Gesellschaftssystems bedeuten. Kein Stein würde auf dem anderen bleiben. Das ist aufgrund unserer Erziehung und unserer Entmündigung durch Staat und Wirtschaft (Siehe dazu mein Buch: A. Markschläger: Alles wächst, nur das Unkraut wuchert, Eigenverlag, Leonding, 2021) nicht mehr denkbar. Deswegen verzichte ich auf die dafür erforderlichen Details. Aber man wird ja noch träumen dürfen. Der Konsum wurde in den letzten Jahrzehnten zum Allheilmittel für die Wirtschaft. Der gelang es, nicht nur unsere Bedürfnisse zu befriedigen, sondern sogar Bedürfnisse zu erzeugen, die uns nicht bewusst waren.

Veränderungen im Leben erfolgen entweder aus Einsicht oder, wenn der Schmerz zu groß wird. Einen Schmerz spüren wir nicht. Der Konsum hat uns bereits immun dagegen gemacht. Außerdem gibt es ganz wenig Süchtige, die sich aus eigener Kraft von ihrer Sucht befreien können. Möglicherweise werden die Schmerzen bewusst und unerträglich, wenn das Suchtmittel Konsum wegfällt oder die Dosis zu klein wird.

Für eine Veränderung aus Einsicht, ist die menschliche Gesellschaft als Gesamtheit zu dämlich und zu stark manipuliert. Gerne zitiere ich den Ausspruch von Georg Christoph Lichtenberg: „Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“

  

Leonding, 16.09.2023                                                            Alois Markschläger



[1] Ähnlich geht es uns ja mit der Klimaproblematik, wo uns die langsame Entwicklung über die Gefahren hinwegtäuscht.

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