Dein Wort in Gottes Ohr

Die Entwicklungen der Kommunikationstechnik (Fax, Mail, Soziale Medien etc.) haben den Informationsaustausch in unvorstellbare Höhen getrieben. Noch nie wurden so viele Infos von so vielen Menschen untereinander geteilt. Sagt auch die Menge über die Qualität nichts aus, diese Kontakte sind sehr wichtig. Sie erhalten oder stellen Verbindungen her. Sie verbinden uns, sie binden uns aneinander.

Für mich stellen sich dabei zwei Fragen: Die erste: Warum ist der Großteil von uns an Informationen interessiert, die für ihn kaum einen Nutzen bringen? Reicht der Nutzen, dass ein anderer Mensch uns etwas mitteilt, mit uns etwas von ihm teilt? Ist es dieses Teilen, dass manche fast süchtig nach belanglosen Informationen werden? Leben wir bereits so isoliert, dass diese Informationen für uns schon ein Genuss sind? Ich möchte dieser Frage nicht näher nachgehen. Das überlasse ich Soziologen, Psychologen und dir. Was reizt dich an diesen teilweise sehr einfachen Informationen? Gibt es irgendwo einen Schmerz oder einen Mangel, den Mails, What’s App, Facebook etc. mildern oder beseitigen können? Sind die „Freunde“ in den sozialen Medien die Schmerzmittel für das Fehlen von Freundschaften im „wirklichen“ Leben? ……

Meine zweite Frage ist die nach der Qualität der Informationsübermittlung, unabhängig von deren Inhalt. Was fehlt diesen Informationen? Ein Großteil von ihnen erfolgt „nur“ schriftlich. Wir bekommen nur einzelne Worte, richtig oder falsch geschrieben. Diesen Worten fehlt sehr viel von dem, was der Absender eigentlich ausdrücken wollte. Gleichzeitig ergänzen wir diese Worte aufgrund unserer Emotionen, die beim Lesen auftauchen. Wie oft lesen wir etwas und hören und sehen dabei Vieles, das uns der Schreiber gar nicht sagen wollte. Und wieviel bekommen wir von dem nicht mit, was er wirklich meinte. Was der eine schreibt, ist oft etwas ganz anderes, als der andere liest. Den Worten fehlen der Tonfall und die Tonhöhe. Die geschriebenen Worte haben keinen Klang, sie haben keine Lautstärke. Es fehlen die Sprechpausen. Alles, was ich aus der Sprechgeschwindigkeit herauslesen kann, ist in den Worten nicht sichtbar. ...........

Ein Teil dieser fehlenden Informationen enthält bereits das Telefonat. Da spüre ich schon etwas mehr von meinem Gegenüber. Dadurch, dass ich den Gesprächspartner höre, wird die Kommunikation umfassender. Das Telefonat ist aber auch deshalb persönlicher, weil ich für den Partner bereits so wichtig bin, dass er sich gerade jetzt für mich Zeit nimmt. Das zeugt auch von Respekt, von Anerkennung, vielleicht sogar von Sympathie oder Zuneigung. Da bekomme bzw. gebe ich schon viel mehr als nur schriftliche Worte.

Noch mehr erhalte ich bei einem Video-Telefonat. Jetzt bemerke ich auch Teile der Gestik und der Mimik. Ein enttäuschter Gesichtsausdruck sagt viel mehr als ein „schade“ in einem What’s App. Wir sprechen nicht nur mit unserem Mund und hören nicht nur mit unseren Ohren, wir kommunizieren mit unserem gesamten Körper. Wir nennen das „nonverbale Kommunikation“. Es sind unsere Emotionen, die wir mit unseren Bewegungen und Nicht-Bewegungen ausdrücken. Die gesamte Körperhaltung und die Bewegungen geben zusätzlich zu unseren Worten Aufschluss über unsere Freude, unsere Ängste, unsere Liebe, unsere Sympathien, über uns in diesem Augenblick. Auch wenn wir jemand nicht ausstehen können, ist das aus unserer Mimik und unserer Körperhaltung sichtbar.

Wenn wir aber wirklich umfassend kommunizieren, arbeiten wir mit allen Sinnen. Da gibt es nicht nur die Worte, die wir hören, nicht nur die Gesten, die wir sehen, auch unsere Riech- und Geschmacksorgane (Jemand nicht riechen oder schmecken können.) sind aktiv. Beim Händedruck stellt unser Tastsinn die Feuchtigkeit und die Temperatur der Hände fest …
Noch so viele Emojis in einer What’s App-Information können ein verständnisvolles, liebendes Über-die-Wange-Streichen eines Freundes, einer Freundin, einer Mutter nicht einmal im Ansatz ersetzen. Ein zarter Kuss auf die Wange macht eine Kommunikation vielleicht perfekt. Aber auch eine Ohrfeige ist in ihrer Wirkung viel stärker als eine noch so scharf formulierte E-Mail.

Unsere heutigen Kommunikationsmöglichkeiten sind toll, wirtschaftlich und praktisch. Wir sollen sie nutzen. Aber wirklich bewegt werden wir in persönlichen Begegnungen. Die braucht unsere Seele. Persönliche Begegnungen erfolgen mit Körper, Geist und Seele. Sie haben schon etwas Göttliches.

Vielleicht sagen wir deswegen: Dein Wort in Gottes Ohr.

 

Leonding, Jänner 2024                                                      Alois Markschläger


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