Im Vergleich zur natürlichen bleibt die künstliche "nur" eine menschliche Intelligenz

In der jüngsten Vergangenheit spricht alles von der Künstlichen Intelligenz (KI). Es gibt kaum eine Zeitschrift, insbesondere kaum eine Fachzeitschrift, die dieses Thema nicht ausführlich behandelt. Auch mich interessieren und faszinieren deren Chancen und deren mögliche Gefahren. Gefahren gehen nicht von der KI aus, sondern von den Menschen, die mit ihr arbeiten. Die Erfindung des Messers vor mehr als 4 000 Jahren brachte einen hohen Nutzen, wenn auch viele Menschen durch das Messer – eigentlich durch die Messerstecher – ihr Leben lassen mussten. Wie beim Messer müssen wir auch bei der KI einen denkbaren Schaden möglichst klein halten.

So großartig die Leistungen der KI bereits heute sind und so überwältigend sie noch sein werden, an die Wunder der Natürlichen Intelligenz (NI) werden sie nicht einmal annähernd heranreichen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier: Die Leistungen der KI bewundern wir, da sie neu sind. Die Wunder der NI sind bereits so selbstverständlich, dass wir sie kaum mehr beachten. Wir hatten ja auch einige Jahrtausende Zeit, uns an sie zu gewöhnen.

Die Natürliche Intelligenz schuf eine unüberschaubare Anzahl von Systemen, die gemeinsam ein Gesamtsystem bilden. Da gibt es das Weltall, die Abstimmung der Gestirne. Da gibt es auf unserer Erde ein geschlossenes System von Systemen. Da gibt es das System Klima, das für Wasser für die Pflanzen sorgt, das System Boden mit unendlich vielen Prozessen, die das Wachstum der Pflanzen ermöglicht, das System Blume und Baum, das System Mensch usw. Alle diese Systeme funktionieren so lange einwandfrei, so lange wir Menschen uns zurückhalten und nicht allzu störend eingreifen.

Nimm dir Zeit, bleib stehen und genieße und bewundere diese intelligente, wunderschöne Vielfalt. Dabei erlebst du das Gesamtsystem, das wir „Natur“ oder „Schöpfung“ nennen. Vielleicht der oder ein Höhepunkt dieses Systems ist unser Gehirn mit seinen Möglichkeiten. Und dieses menschliche Gehirn, nicht von einem Menschen geschaffen, ist die Basis für die KI. Das ergibt eine logische Abhängigkeit und Folge: Schöpfung – Mensch – Gehirn - künstliche Intelligenz

Nachdem das System Natur oder Schöpfung in seinem Umfang und in seinem Zusammenspiel nie ein Mensch oder eine künstliche Intelligenz wird entwickeln können, ist dafür eine übermenschliche Kraft verantwortlich. Einige Erklärungsversuche dazu wurden unternommen. Viele von uns nennen den Schöpfer Gott. Zufällig kann das System nicht entstanden sein. Dafür ist es zu perfekt. Es ist aber auch unerheblich, wem wir die Schöpfung dieser Welt zuschreiben. Wichtig ist, diese Welt und deren Schöpfung zu beachten, zu achten, zu bewundern, zu bewahren und zu genießen und dankbar dafür zu sein, selbst ein Teil davon zu sein.

Welche Funktionen in diesem System hat der Mensch, welche hat die künstliche Intelligenz? Bei mir taucht das Bild eines Gärtners auf. Ein Gärtner ist nicht für das Wunder verantwortlich, dass Pflanzen in seinem Garten wachsen. Er kann aber mit seiner Pflege und mit seiner Liebe dafür sorgen, dass „seine“ Pflanzen ordentlich gedeihen, indem er sie mit Wasser und Nährstoffen versorgt, beschneidet, pflegt und hegt. So wie dieser Gärtner können auch wir dafür sorgen, dass die göttlichen Systeme besser und effektiver zur Wirkung kommen. Dafür haben wir uns ein hohes Wissen angeeignet, das wir leider oft missbrauchen, aber meist doch zur Pflege der Welt einsetzen. Beispielsweise ermöglichen uns die Errungenschaften der Medizin, das von der Natur gegebene Leben zu verlängern und zu genießen. Aber auch die Nutzung von Sonnen- und Windenergie entspricht einem verantwortungsvollen Umgang mit den Geschenken der Natur und verbessert vielleicht das Gesamtsystem. Mit vielen weiteren Aktivitäten haben wir, auch mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz, noch unzählige Chancen, die vorhandene Schöpfung zu hegen und zu pflegen.

Unsere Aufgabe besteht darin, den Gärtner so zu führen und zu kontrollieren, dass das Leben in diesem Garten gedeiht. Dies schaffen wir leider nicht immer.[1] Dies ist möglicherweise ein Unterschied zwischen der NI und der KI. Die Natürliche Intelligenz missbraucht sich nicht selbst. Dazu braucht es schon den Menschen. Die KI oder die menschliche Intelligenz sind aber leider manchmal auf die Vernichtung des Systems angelegt. Ich denke da nur an Waffensysteme. Aber auch der Natürlichen Intelligenz ist eine Vernichtung nicht fremd. Denken wir nur an verheerende Naturkatastrophen, für die der Mensch nicht verantwortlich ist und die alles andere als nett und sanft sind.

So atemberaubend die NI, die natürliche Intelligenz, ist, so ernüchternd ist eines ihrer Grundprinzipien: Sie ist auf Vergänglichkeit angelegt. Das Neue findet nur genügend Lebensraum, wenn etwas Altes vergeht. Nur so lebt das System selbst weiter, entwickelt und verändert sich. Vielleicht ist das der entscheidende Unterschied zwischen dem, der das System geschaffen hat, zu dem, was er geschaffen hat. Das eine besteht ewig, das andere ist vergänglich. – Einfach zum Nachdenken

 

Leonding, Jänner 2024                                                                          Alois Markschläger



[1] In meinem Buch „Alles wächst, nur das Unkraut wuchert“ habe ich mich mit einigen Fehlentwicklungen in diesem Garten beschäftigt.

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