Wie werde ich glücklich?

„Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich …… daß sie [die amerikanischen Bürger] von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; daß dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören …“[1]

Der Dalai Lama geht mit seiner Forderung, „Unsere wahre Aufgabe ist es, glücklich zu sein.“ noch weiter als die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten. Wir haben nicht nur ein Recht, sondern sogar die Pflicht zum Glücklichsein. Gerne stimmen wir dem Dalai Lama und der Unabhängigkeitserklärung zu. Nur wissen wir halt nicht immer, wie das gehen soll.

Manchmal halten wir Geld und Reichtum und die damit verbundenen Symbole (Große Häuser, schwere Autos, tolle Kleider, kostbare Urlaube etc.) für die Quellen des Glücks oder für den Weg zum Glück. Wenn es uns gelingt, diesem „Glück“ näher zu kommen, stellen wir fest, dass wir vielleicht Erfolge erzielt, das Glück aber verpasst haben. Dieses Erfolgsgefühl hält nur kurz an. Ruhelos wie ein Süchtiger sind wir schon wieder unterwegs zum nächsten Erlebnis, ohne jemals ein Glücksgefühl zu empfinden. Zu rasch gewöhnen wir uns auch an Erfolg und an Reichtum. Bevor du versuchst, so reich wie „die Reichen“ zu werden, solltest du prüfen, wie glücklich diese sind.[2]

Nur wenige von uns schaffen den „großen Reichtum“. Die anderen werden damit entschädigt, dass die „kleinen“ Dinge als erstrebenswert, als Glücksbringer, verkauft werden. Da zeigen uns die Wirtschaft und die Werbung Frauen, die mit einem Waschmittel, Männer mit einem Auto ….. glücklich sind. Das Glück selbst bleibt aber aus. Nach Großem zu streben, ist für einen Menschen sinnvoll und wahrscheinlich für die Menschheit notwendig. Der Irrtum besteht darin, dass wir glauben, damit glücklich werden zu können. Wir verwechseln Erfolg mit Glück, solange wir Beides noch nicht kennen.

Dieses Streben nach Glück über Reichtum kommt auch aus dem Sich-Vergleichen mit anderen: „Wenn ich doch noch ein wenig mehr hätte ,….“ Der Philosoph S. Kierkegaard macht das Vergleichen für das Ende des Glücks und für den Anfang der Unzufriedenheit verantwortlich. Die Ursache oder der nächste Schritt nach dem Vergleichen sind der Neid und der Geiz. Wir wollen zumindest dasselbe und nach Möglichkeit ein bisschen mehr als der Nachbar.

Das Glück finden wir nicht in der Außenwelt. Wir müssen uns selbst genügen, um nicht außen nach Dingen zu suchen, die uns eher unglücklich als glücklich und zufrieden machen. Die Zufriedenheit, nicht zu verwechseln mit Selbstgefälligkeit oder mit Gleichgültigkeit, ist eine Voraussetzung auf dem Weg zum Glück. Glücklich ist nicht der, der viel hat, sondern der, der wenig braucht. Schon für den griechischen Philosophen Aristoteles ist Glück die Selbst- genügsamkeit. Und A. Schopenhauer sagt: „Das Glück gehört denen, die sich selbst genügen.“

Nur auf Basis der Zufriedenheit (= den Frieden in mir finden), der Bescheidenheit (= mich mit dem für mich Bestimmten bescheiden) und der Genügsamkeit (= es genügt, was ich habe) können sich die Achtsamkeit (= etwas achten, ohne zu be- oder gar zu verurteilen) und die Einfachheit (= das Einfache schätzen) entwickeln. Und diese fünf Eigenschaften machen uns bereit und offen für das Glück.

Mit ihnen sehen wir das Wunder einer Blume, die Gewalt eines Sonnenuntergangs, das schöne Gesicht einer alten Frau, die lachenden Augen unserer Kinder … Jetzt spüren wir die Wirkung der Schokolade, die wir im Mund zergehen lassen. Jetzt hören wir das Konzert der Vögel, die für die ganze Welt singen. Jetzt lernen wir die Verehrung unserer Natur und der Menschen. Jetzt spüren wir die Liebe zu uns, zu unseren Mitmenschen, zu unserer Welt, zu unserer Schöpfung. Jetzt spüren wir das Glück: „Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich,“ um mit Hermann Hesse oder „Glücklich allein ist die Seele, die liebt,“ um mit Goethe zu sprechen.

So Vieles in unserer Welt ist so schön, dass wir es bewundern und verehren können. Dafür gibt uns diese Welt das Glück zurück. Wir brauchen nicht verlangen, was wir gerade nicht haben. Es genügt, das zu genießen, was wir haben. Für mein Glück bin ich selbst verantwortlich. Ich muss die Bedingungen in mir schaffen, um glücklich sein zu können. Das 2400 Jahre alte Sprichwort „Jeder ist seines Glückes Schmied“ gilt auch heute noch, auch für dich und für mich.

Glücklichsein ist aber nicht immer etwas Todernstes. Nietzsche erklärt dazu: „Fast überall, wo es Glück gibt, gibt es Freude am Unsinn.“

„Es gibt keinen Weg zum Glücklichsein, Glücklichsein ist der Weg.“ (Siddhartha Gautama, Buddha) Trachte danach, dass dies dein Weg ist oder wird!

Jage nicht dem Glück nach! Wenn es irgendwo ist, ist es in dir.

Einfach zum Nachdenken

 

Leonding, Februar 2024                                                                          Alois Markschläger



[1] Auszug aus: DIE UNABHÄNGIGKEIT, Kongreßsitzung vom 4. Juli 1776 Einstimmige Erklärung der dreizehn Vereinigten Staaten von Amerika

[2] Diese Überlegungen gelten natürlich nicht für Menschen, die sich nicht einmal ihre Grundbedürfnisse (Essen, Trinken, Sicherheit, Kleidung) erfüllen können.

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