Du kennst sicher den Satz aus dem Neuen Testament: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst!“
Kommst
du dieser Forderung von Jesus nach? Liebst du dich selbst genauso wie deine Mitmenschen? Ich wünsche es dir. Um dich zu lieben, musst du nicht der/die [gilt auch für weitere Personenbezeichnungen] Schönste, Beste und Größte sein. Sich zu lieben bedeutet, sich selbst so anzunehmen, wie man ist, zu sich „ja“ zu sagen. Sich zu lieben bedeutet, sich als liebenswürdig und liebenswert zu
achten. Sich zu lieben bedeutet, sich wertvoll zu finden, einen Selbstwert
zu haben, den man liebt. Wenn du dir selbst begegnest und du deinen Selbstwert achtest, steht nicht die Frage nach deinen Stärken oder Schwächen im Vordergrund.
Deine erste Feststellung ist dann: Ich bin, wie ich bin. Und das ist gut so.
Danach kannst du natürlich
fragen, wie du morgen und übermorgen sein willst, wohin du gehen willst usw.
Gehst du so um mit dir? Oder stehen noch immer Fragen und Zweifel im Vordergrund, wenn
du an dich denkst?
Ich bin noch dabei, es zu lernen und zu verinnerlichen. Irgendwann kann ich es.
Es ist wichtig, dass du dir selbst viel wert bist, dass du dich gern hast, dass du eine hohe Meinung von dir hast, dass du einen hohen Selbstwert hast. Du bist die wichtigste Person in deinem Leben. Nur mit dir musst du ein Leben lang, 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag auskommen. Du bist dir von der Wiege bis zum Sarg voll ausgeliefert. Bist du mit dir nicht zufrieden, drohen Depressionen oder Stress. Beides macht krank und führt schneller zum Tod. Du musst deinen Wert schätzen, um mit dir in Ruhe leben zu können.
Woher kommt eigentlich dieser Selbstwert? Ist er ererbt, wurde er erworben, wurde er uns geschenkt? Ein Großteil unseres Selbstwertes stammt aus den ersten Lebensjahren. Wie unsere Eltern, unsere Geschwister, Verwandte, Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, unsere Freunde usw. mit uns umgegangen sind, hat unseren Selbstwert, hat unsere Persönlichkeit geformt. Wurden wir und unsere Fähigkeiten geschätzt, anerkannt und gefördert, konnte das zarte Pflänzchen „Persönlichkeit“ wachsen und gedeihen. Hat man das Pflänzchen nicht beachtet, nicht gegossen oder ist sogar darauf herumgetrampelt, darfst du dich nicht wundern, wenn es nicht blüht und gedeiht, sondern vielleicht sogar verkümmert ist. Der wichtigste Dünger für die zarte Pflanze ist die Liebe. Die Liebe ist es auch, die einen Menschen schätzt und ihn für wertvoll hält. Die Liebe bestimmt auch unseren Selbstwert. Das Pflänzchen braucht die Liebe, sollte es nicht verkümmern.
Unser Körper braucht Luft, Essen und Wasser zum Wachsen. Unsere Persönlichkeit braucht Zuwendung, Aufmerksamkeit, Achtung und Liebe zum Wachsen. Vor allem unsere Eltern und andere Erzieher sind in unserer Kindheit für unseren Körper verantwortlich. Sie sind aber auch für unsere Seele zuständig. Aber irgendwann endet deren Verantwortung und wir übernehmen diese Aufgabe selbst. Denn weder unser Körper, noch unser Geist und unsere Seele sind fertig ausgebildet, wenn wir das Elternhaus verlassen. Sie brauchen ein Leben lang unsere Pflege.
Haben dich deine Eltern „überfüttert“ und du bist deshalb zu stark in die Breite und zu wenig in die Höhe gewachsen, wirst du bei sportlichen Wettbewerben feststellen, dass dein Körper möglicherweise für Spitzenleistungen geschaffen ist, dass er solche aber im derzeitigen Zustand nicht erbringen kann. Die Ergebnislisten zeigen dies sehr rasch und brutal auf. Du hast jetzt mehrere Möglichkeiten: Du kannst über die Ernährung und über deine Eltern schimpfen und sie verdammen. Du kannst beschließen, dass du so bist, wie dich deine Eltern geformt haben, und dass du daher weitere Sportbewerbe meidest. Du kannst aber auch die Verantwortung für deinen Körper und für deine Leistungen selbst übernehmen und dein Ernährungs- und Trainingsprogramm umstellen.
Ähnliche Möglichkeiten hast du, wenn du feststellst, dass dein Selbstwert unterentwickelt ist. Du - und nur du - bist jetzt dafür verantwortlich. Vorwürfe an Eltern, Lehrer, Geschwister etc. sind verständlich, als Entschuldigungen vielleicht sogar brauchbar. Doch die Lösung musst du selbst suchen. Auch wenn du stark ramponiert aus deinen Jugendjahren gekommen bist, mach etwas aus dir! Es gibt viele Menschen, die mit einem körperlichen Gebrechen geboren oder im Laufe ihres Lebens verletzt wurden. Viele von ihnen erbrachten und erbringen körperliche oder geistige Spitzenleistungen. Sie haben die Verantwortung für sich übernommen.
Allerdings gibt es Unterschiede in der Feststellung der körperlichen Fitness und der Feststellung der Stärke des Selbstwertes. Die körperliche Leistung kann man mit Weiten-, Zeit- und sonstigen Messungen oder in Sportbewerben feststellen. Der „Leistungsstand“ deines Selbstwertes ist nicht so einfach bestimmbar. Ein genaues Messverfahren gibt es nicht. Allerdings kann man aufgrund von Kommunikationsgewohnheiten und aus der Art, wie emotionale Grundbedürfnisse erfüllt werden, auf den Selbstwert schließen (Siehe dazu Teil II dieses Artikels). Vielleicht hast du etwas Angst davor, deinen Selbstwert besser zu erkennen (Manche Menschen stellen sich auch nicht gerne auf eine Waage.)? Du brauchst dich nicht zu ängstigen. Freue dich lieber auf die Fortschritte, die dir bevorstehen!
Einen hohen Selbstwert zu haben und diesen bewusst zu schätzen und zu erweitern, ist für jeden persönlich wichtig. Ein hoher Selbstwert aller Menschen ist für unsere gesamte Gesellschaft so wichtig, dass ich manchmal ins Träumen gerate. Da träume ich
- von Eltern, die ihren Kindern nicht lautstark oder sogar gewaltsam beweisen müssen, dass sie stärker und größer sind,
- von Lehrern, die ihre Schüler nicht über den Notendruck beherrschen wollen, um ihre eigene Größe zu zeigen,
- von Politikern, die nicht aus Angst um ihre Macht Kriege führen und Menschenrechte verletzen,
- von Vorgesetzten, die nicht aufgrund ihrer Unsicherheit Mitarbeiter unterdrücken und schikanieren, sondern ihnen helfen,
- von Menschen, die ehrlich zueinander sind, weil sie sich ihres Wertes trotz ihrer Schwächen sicher sind,
- von Menschen, die nicht über die modernste Uhr, das schönste Auto, tolle Urlaube etc. beweisen wollen und müssen, dass sie etwas wert sind,
- ........
- von Menschen, die einander lieben, weil sie sich selbst lieben.
Leonding, Mai 2024 Alois Markschläger
PS:
Im zweiten Teil dieses Artikels bringe ich einige Methoden, um über den eigenen Selbstwert etwas mehr zu
erfahren. Außerdem gebe ich einige Hinweise zur Stärkung des Selbstwertes.
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