Teil II: Wie erkennt man einen schwachen oder einen starken Selbstwert?
Unser Selbstwert beeinflusst unsere Kommunikation. Die Art, wie wir kommunizieren, zeigt die Stärke unseres Selbstwertes.
Folgende Kommunikationsweisen lassen einen niedrigen Selbstwert vermuten:
- Bläst sich jemand auf, wird er laut und will er über andere „drüberfahren“, muss er mehr scheinen, als er ist: "Weg mit dir! Wichtig bin ich!" Die Kommunikation der „starken Männer“ beweist eher deren Schwächen.
- Ein unterwürfiger Ton und die Bereitschaft, es immer und allen recht zu machen, haben ihre Wurzeln in einem zu geringen Selbstwert: "Entschuldige, dass ich da bin. Eigentlich bin ich ja ganz wenig wert."
- Äußert jemand nicht seine Meinung, sondern beruft sich lieber auf etablierte Institutionen ("Sogar in der Kronen-Zeitung …", "Die besten Professoren sind der Meinung …."), ist dies oft ein Zeichen von Unsicherheit und nicht nur von einer umfassenden Bildung. Andere, Stärkere vertreten die eigene Person.
- Personen, die in jeder Situation einen Witz auf Lager haben, nur lustige Geschichten erzählen usw., wollen damit von ihrer Person ablenken (Solange alle über meine Witze lachen, beschäftigen sie sich nicht mit mir.).
Ideal ist die Kommunikation und damit der Selbstwert, wenn jemand seine Meinung sagt und dazu steht. Beurteilt er dabei zusätzlich die momentane Situation einfühlsam, hat er wahrscheinlich nicht nur einen hohen Selbstwert, sondern auch eine hohe soziale und emotionale Intelligenz.
Beachte deine Art und die Art
der Kommunikation deiner Umgebung, um wichtige Informationen über dich und über
dein Gegenüber zu bekommen.
Unsere körperlichen
Bedürfnisse (Luft, Wasser, Nahrung, Sicherheit etc.) sichern unser Überleben. Zum Überleben unserer Seele und unserer Persönlichkeit müssen unsere emotionalen Bedürfnisse befriedigt werden, nämlich das Bedürfnis
nach Anerkennung und Macht, nach Zuneigung und Liebe, nach Freiheit und
Ungebundenheit sowie nach Sicherheit.[1]
Mit einem starken Selbstwert fühlen
wir uns sicher und frei. Wir sind selbstbewusst, kennen unseren Wert und halten
uns für liebenswert. Dafür sind wir nicht auf Dritte angewiesen.
Schätzen wir unseren Wert nicht, ist unser Selbstwert verkümmert, sind wir uns nichts oder zu wenig
wert. Wir werden alles unternehmen, um bemerkt zu werden. Es entsteht eine
Gier, unsere Bedürfnisse von der Außenwelt befriedigt zu bekommen. Dafür benötigen wir große Mengen, wie ein
Gourmand - ein Vielfraß – auch nur durch Unmengen von (Fr)essen befriedigt wird.
Bei einem hohen Selbstwert brauchen
wir Anerkennung, Liebe, Sicherheit und Freiheit von außen nicht. Falls wir sie aber erhalten. können wir sie im vollen Umfang genießen und uns darüber
herzlich freuen. Dann sind wir ein Gourmet, der das Essen genießt.
So ist für folgende Verhaltensweisen und Einstellungen oft ein schwacher Selbstwert verantwortlich:
- Auffallen um jeden Preis durch ausgefallenes Verhalten, extravagante Kleidung und Mode, Autos zum Herzeigen, Urlaube zum Prahlen, aber auch überdimensionale Leistungen im Sport oder im Beruf …..
- Unterdrückung anderer, damit keiner mir gleich – mir nahe - kommt
- Entscheidungsschwäche aufgrund einer Unsicherheit
- Liebesunfähigkeit: Ohne die Liebe zu sich ist die Liebe zu anderen schwierig.
- …..
Für folgende „Eigenbefehle“ sind sehr oft geheime Wünsche verantwortlich:
- Sei perfekt! – Ein Wunsch nach Erfolg und Anerkennung?
- Sei beliebt! – Ein Wunsch nach Liebe?
- Sei stark! – Ein Wunsch nach Sicherheit?
- Sei vorsichtig! – Ein Wunsch nach Sicherheit und Freiheit?
- Ich kann nicht! – Ein Wunsch nach Sicherheit?
- ........
Diese Wüsche können zur Sucht nach Liebe, Anerkennung, Sicherheit und Freiheit ausarten und vielleicht sogar im Burnout oder in Depressionen enden.
Je niedriger unser Selbstwert, umso mehr Liebe, Anerkennung, Sicherheit und Freiheit erwarten und verlangen wir von unserer Umgebung, unseren Partnern, unseren Chefs, unseren Kollegen, unseren Mitschülern … Werden unsere Erwartungen nicht oder zu gering erfüllt, erkämpfen wir diese mit unterschiedlichen "Kampfmethoden“: Schweigen, passiver Widerstand, Dienst nach Vorschrift, beleidigt sein, Liebesentzug, Krankenstand ….. So stehen wir wieder im Mittelpunkt und "beweisen" unsere Bedeutung.
Dazu ein Beispiel, das dir
möglicherweise bekannt erscheint: Auch gut erzogene Kinder werden lästig
und aufsässig, wenn sich bei einem Besuch die Eltern ausschließlich mit ihren
Gästen unterhalten. Die Aufmerksamkeit für die Kinder, einer Form der Liebe und
der Anerkennung, fehlt. Mit verschiedenen „Terroraktivitäten“ gegen die Eltern
und gegen die Erwachsenen wird diese Anerkennung - auch unter dem Risiko empfindlicher Sanktionen - erkämpft.
Wie oft entdeckst du in dir noch ein Kind, das um Liebe, Anerkennung, Sicherheit und Freiheit kämpft? Vielleicht helfen dir meine Tipps, die ich im nächsten Teil bringe, Sicherheit, Freiheit, Liebe und Anerkennung bei dir selbst zu finden.
Leonding, Mai
2024 Alois
Markschläger
PS:
Im dritten Teil dieses Artikels gebe ich Hinweise, wie der Selbstwert gestärkt
werden kann.
[1] Siehe dazu auch: A Markschläger, Von den Besten durfte ich viel,
von den Anderen viel mehr lernen, Eigenverlag, Leonding 2021, S. 26 ff.
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