Wir glauben noch immer: Wir feiern Weihnachten

Zur Wintersonnenwende feierten die Germanen das Julfest, die Römer ein Lichterfest. 
Römer und Germanen hielten noch an ihren alten Festen fest, als sie schon zum Christentum übergetreten waren. Die Beibehaltung heidnischer Feste einerseits und sich gleichzeitig zum christlichen Glauben bekennen, behagte der Kirche und hier vor allem dem Papst nicht besonders. Um einer Auseinandersetzung mit den neuen Gläubigen auszuweichen, erklärte Papst Liberius im Jahre 354 den 25.12. zum Geburtstag von Jesus. Damit wurde aus den heidnischen Bräuchen ein christliches Fest, unser Weihnachtsfest. Der Weihnachtsbaum ersetzte den Julbaum und die christliche Liturgie die heidnischen Bräuche. Im Laufe der letzten Jahrhunderte wurde so Weihnachten zu einem der zentralen christlichen Feste. Das heidnische Brauchtum wurde nicht gewaltsam, sondern durch die Pflege neuer Bräuche abgelöst. Weihnachten war somit nicht mehr das Fest der Wintersonnenwende, jetzt stand die Geburt Jesu verbunden mit christlichen Inhalten im Mittelpunkt.

Weihnachten blieb so lange ein christliches Fest, bis eine neue Religion bei uns Einzug hielt. Noch haben wir dafür keinen einheitlichen, keinen eindeutigen Namen. Zu vielfältig sind die Formen, unter denen diese Religion auftaucht. Die einen nennen sie Wirtschaft, andere Kapitalismus, manche Völlerei, auch Protzsucht hat man schon gehört. Auch Fest der Fülle, Konsumfest, Geschenketrubel, Luxusfeiertage, Fest von Glanz und Glimmer …. könnten mögliche Namen des neuen Festes und der neuen Religion sein.

Diese Religion hat von Liberius gelernt: Das alte Weihnachtsfest darf bleiben, wird aber ganz anders. Und das neue Weihnachtsfest verbreitete sich, auch angetrieben durch einen Turbo aus den USA, im Eilzugstempo fast über die gesamte Welt. Für die neue Religion war es wichtig, rasch ihr Hauptfest zu haben, das alle feiern.

Die neue Religion lässt uns unser altes Weihnachten, das ja inzwischen alles andere als Weihnachten ist, solange wir Geschenke in Hülle und Fülle kaufen, der Völlerei frönen und nicht auf alte Dummheiten, wie Liebe, Besinnlichkeit, Einkehr … zurückfallen. Der Kreis, heidnisch christlich – heidnisch, hat sich geschlossen. Und alle sind überzeugt, dass wir noch immer Weihnachten feiern.

Die Frage, ob wir dem christlichen Weihnachtsfest nachtrauern müssen, ist schwer zu beantworten, da heute sehr viele, vielleicht sogar der Großteil der Menschen, das ursprüngliche Fest gar nicht mehr kennen.

Gleich geblieben mit dem ehemaligen Weihnachtsfest sind

·   Der Name Weihnachten

·   Der Christbaum, den wir schon von den alten Germanen übernommen haben

·    Der Termin

·  Die Idee eines Lichterglanzes, wenn auch dessen sinnlose Übertreibung die Idee eigentlich wieder begraben hat.

Und wo ist der Rest geblieben? 

Ist es so schrecklich, wenn wir die alte christliche Religion gegen eine Wirtschaftsreligion tauschen? Was verlieren wir mit Aufgabe dieser Religion?
Müssen wir den Hexenverbrennungen, den Kreuzzügen, der Unterdrückung der Frauen und weiter Bevölkerungsschichten über Jahrhunderte, der materiellen Ausbeutung, dem Kindesmissbrauch, der Heiligsprechung von Kriegen …. wirklich nachtrauern? Die Verbrechen der Kirche füllen mehr als eine „Heilige Schrift“.

Bringen uns die Wirtschaft, der Kapitalismus etc. nicht wesentlich mehr Wohlstand, nicht auch mehr Demokratie, nicht mehr Freiheit …? In den letzten Jahren ist dies sicherlich der Fall. Ob das auch noch der Fall ist, wenn das System als einzige Religion überbleibt, wage ich zu bezweifeln. Auch der Start der katholischen Kirche war vielversprechend. Außerdem zerstört die neue Religion sehr viel. Und dabei denke ich nicht nur an menschliche Werte, sondern vor allem an die Vernichtung unserer Lebensgrundlage. Nicht alles, was glänzt, ist Gold.

Abgesehen von ihren Unzulänglichkeiten, hat die alte Religion aber sehr, sehr Vieles, was wert ist, erhalten zu werden:

·    Wo werden die Verzweifelten Zuflucht finden?

·    Wo sind die Samariter, die die Bedürftigen am Wegrand pflegen und ihnen helfen?

·    Wo sind die Seelsorger, die sich um unsere Seele kümmern?

·  Wo finden wir die Gebete, mit denen wir unseren Dank, unsere Sorgen, unsere Verzweiflung, unseren Glauben … ausdrücken?

·     Wer gibt uns Beistand in unserer letzten Stunde?

·     Was passiert mit der Nächstenliebe?

·     ……..

Werfen wir diese Werte weg, könnte es weitere Jahrtausende dauern, bis wieder einer kommt, dessen Geburtstag wir zu Weihnachten feiern. Vielleicht sollten wir doch nicht so leichtfertig mit der alten Religion umgehen und zu Weihnachten wieder Weihnachten feiern.

 

 

Dezember 2024                                                                                         Alois Markschläger

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