Mensch und Fluss, Fluss und Mensch - Gedanken fließen

Ein Fluss besteht fast zu 100 %, der Mensch zu 50% bis 65% aus Wasser. Sind wir ein halber Fluss? Wo sind wir einander ähnlich? Wie unterscheiden wir uns? Ist der Fluss Partner? Ist er ein Symbol? Ist er Lehrmeister?
Meinen Gedanken habe ich freien Lauf gelassen. Ich habe sie fließen lassen. Ich habe sie nicht in Flaschen oder Fässer gefüllt. Ich habe sie nicht fertig gestellt. Bei dir sollen sie weiterfließen.

Der Fluss strebt immer bergab. Er will nach unten. Er schafft sich seinen Weg. Je steiler es ist, umso schneller wird er, umso mehr gräbt er sich ein, umso höher wird das Ufer, umso weniger Freiheit hat er. Erst mit der Langsamkeit wird er zum Fluss, zum Strom. Erlangt er Würde. Das wilde Jugendliche ist gewichen … Vorbild, Abbild, Sinnbild oder Trugbild?

Der Fluss strebt immer nach vorne, er schaut nie zurück. Er sucht seinen Weg. Er scheut keinen Umweg (Schlögener Schlinge). Er kommt immer ans Ziel, ans Meer, ins Meer. Dort nur noch Wasser, kein Fluss mehr… Vorbild, Abbild, Sinnbild oder Trugbild?

Der Fluss ist selbstlos. Was ihm nahe kommt, nimmt er mit. Er prüft nicht, was es ist. Bemerkt nicht, ob es ihm schadet. Es muss weg. Ist es Gier, Gedankenlosigkeit, Güte, Raffsucht, Dummheit? .… Vorbild, Abbild, Sinnbild oder Trugbild?

Der Fluss ist hilfsbereit. Er transportiert alles. Er trägt Vieles, aber nie die Verantwortung: Falsch geladen, untergegangen … Vorbild, Abbild, Sinnbild oder Trugbild?

Der Fluss ist langsam, er fließt. Er läuft nicht, er springt nicht. Er verändert sich laufend, aber langsam. Er ist immer der gleiche, nie derselbe. … Vorbild, Abbild, Sinnbild oder Trugbild?

Der Fluss beginnt klein, sehr klein. Abwechslungsreich und turbulent ist sein Werden. Vielen ist er begegnet. Er hat sie aufgenommen. Er hat sie mitgenommen. So ist er gewachsen. Den Kleinen lässt er keine Chance. Die müssen mit. Die braucht er. Die nützt er. Er ist so brutal… Vorbild, Abbild, Sinnbild oder Trugbild?

Der Fluss fließt. An der Oberfläche ist er majestätisch. Nur starke Stürme wirbeln ihn auf. Unter der Oberfläche ist es nicht immer ruhig, oft turbulent. Das wissen aber nur die Eingeweihten, die Fische und die Taucher. … Vorbild, Abbild, Sinnbild oder Trugbild?

Der Fluss hat seine Grenzen. Die stören ihn. Gegen sie kämpft er an. Er will sich nicht unterordnen. Er setzt sich durch. Er ist kaum aufzuhalten. Bekommt er zu viel Wasser, wird er übermütig. Dann zeigt er seine Macht. Er wird gewalttätig. Es herrscht volle Brutalität … Vorbild, Abbild, Sinnbild oder Trugbild?

Der Fluss verändert. Er entwickelt. Er schleift die härtesten Steine. Er macht alles rund. Er nimmt sich Zeit für Veränderungen. Er verschont nichts. Er selbst aber bleibt gleich… Vorbild, Abbild, Sinnbild oder Trugbild?

Der Fluss ist geduldig. Er erlaubt Brücken über ihm. Er gestattet Tunnels unter ihm. Er akzeptiert Bauten in und um ihn. Aber er bestimmt ihre Grenzen: Grenze überschritten - eingestürzt … Vorbild, Abbild, Sinnbild oder Trugbild?

Du und der Fluss:
Er tut dir nie weh. Er ist immer zart. Er ist wie die Luft. Er trägt dich. Er bestimmt das Tempo. Mit ihm zu schwimmen, ist ein Genuss, ist Leichtigkeit. Da geht’s dahin. Quer oder gar dagegen wird schwierig oder unmöglich. Er setzt die Regeln. Er bestimmt auch die Sanktionen bei einem Regelbruch: Er lässt dich ersaufen. Hier gelten seine Regeln. Er ist der Chef. … Vorbild, Abbild, Sinnbild oder Trugbild?

Sollten die Eigenschaften und Besonderheiten von Flüssen auch bei uns Menschen im Verhältnis unseres Wasseranteils zutreffen, ist es vielleicht ganz angenehm, dass wir nicht zu zu stark verwässert sind. 50% reichen. Es stellt sich nur die Frage, welche 50% bei jedem Einzelnen von uns zum Tragen kommen.

 

Leonding, 18.08.2025                                                                                 Alois Markschläger

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