Zum Thema Freiheit habe ich meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Da sie stärker als vermutet gesprudelt sind, habe ich sie unterteilt:
· Teil I:
Erste Erfahrungen (Blog vom 29.08.2025)
Teil
II: Die Freiheit und Regeln (Blog vom 05.09.2025)
Teil
III: Gesetze begrenzen unsere Freiheit (Blog vom 13.09.2025)
Teil
IV: Der geheimnisvolle „man“ und die Freiheit (Blog vom 01.10.2025)
Teil V:
Das Sterben von „man“ und seine Folgen
Teil
VI: Die eigene Versklavung
Einige Punkte in
diesem Teil weisen auf die bisherigen Artikel hin. Der Blog wird verständlicher,
wenn du die bisherigen Teile zumindest grob kennst.
Kennst du den geheimnisvollen „man“? Der ist überwältigend! Was
der alles kann, was der alles macht und was er alles nicht macht. „Man“ grüßt,
wenn er jemand trifft, „man“ rülpst nicht in Gesellschaft, „man“ ist immer
ordentlich gekleidet, „g‘schneuzt und kammplt“, freundlich … Eigentlich ein
„Wunder-man“. Du findest ihn überall, in jedem Volk, in jeder Familie, in jeder
Gemeinde, in jedem Unternehmen, in jedem Verein …. Alle sind auf ihn
eingeschworen. Er ist so beliebt, weil er alle gleich machen will: gleich groß
und gleich klein, gleich arm und gleich reich …… Wären alle wie „man“, fiele keiner
auf, weder positiv noch negativ. Das wäre Sicherheit! Aber kaum ist jemand
nicht wie „man“, breiten sich Angst und Unbehagen aus.
Auf zwei Wegen werden wir zur „Man-lichkeit“ erzogen: Da
gibt es die harte, manchmal auch wirklich brutale Tour: Bist du kein „man“, wirst
du schief angeschaut, wirst ignoriert, verlierst die Anerkennung, vielleicht
sogar die Würde. Du wirst nicht mehr geachtet, sondern eher geächtet ….. Die
zweite Erziehungsmethode zum „man“ ist die süße. Sie führt über Geschenke,
Vergünstigungen und Belohnungen in allen möglichen Formen: Süßigkeiten für die
Kinder, Ämter, Jobs, Mitgliedschaften, Arbeitserleichterungen etc. für die
Großen. Wirst du auf keine dieser Arten zum „man“, bleibst du Außenseiter, dem
man am besten gar nicht und wenn, nur mit Vorsicht begegnet. Du wirst eine
„Persona non grata“, eine unerwünschte nicht akzeptierte Person.
Für mich ist es einsichtig, dass eine Gesellschaft Gesetze
für ein geordnetes Zusammenleben braucht. Über die Anzahl kann man diskutieren.
Mit etwas gutem Willen sollten sogar die Zehn Gebote reichen. Warum ich aber in
meiner Jugend keine langen Haare haben durfte, entbehrt jeder Logik. Alle
hatten möglichst gleich zu sein, zumindest ähnlich auszuschauen. Keiner durfte aus der
Masse heraus. Inzwischen ist der „Kurzhaarschnitt-man“ gestorben – ganz wenig
auch durch mich. Es gibt aber noch genug „man“, die uns bestimmen wollen, die unsere
Freiheit einengen und sie uns wegnehmen wollen, die riesige Stücke von unserer
„Freiheitswurst“ abschneiden. Und was bekommen wir dafür zurück?
Geben wir dem Druck der Gesellschaft, uns zum „man“ zu
machen nach, ersparen wir uns Verachtung, vielleicht sogar Ächtung. Als „man“,
darfst du unbeschadet weiterleben. Ist das eine faire Gegenleistung für unsere „Freiheitswurst“?
Nein! Eher gleicht es einer Erpressung und einer Vergewaltigung. Werden wir mit
Vergünstigungen und Geschenken zum „man“ gemacht, ist der Schaden noch höher.
Wir opfern nicht nur unsere Freiheit, sondern verleugnen sogar manche Teile
unseres Charakters und unserer Persönlichkeit. Wir sind käuflich geworden, haben
uns kaufen lassen. Gegen die Gleichmacherei durch selbsternannte Mehrheiten, durch
das Establishment, hat sich die 68-er Bewegung gewehrt. Dass diese Bewegung zu
wenig bewirkt hat, lag auch an zu vielen Geschenken und Verlockungen: Viele
„Revolutionäre“ tauschten zu rasch den Kampfanzug gegen einen geschenkten,
eleganten Zweireiher.
Hat die Gesellschaft eigentlich eine Berechtigung für ihre
Forderung nach diesem „man“? Muss ich mich so benehmen wie alle anderen, damit
ich dazugehöre? Muss mich die Gesellschaft nicht auch aufnehmen, muss sie mich
nicht sogar schützen, wenn ich mich anders verhalte als die Masse? Der liebe
Gott wollte keine Masse schaffen. Er will uns als Individuen – Einzelwesen, die
sich von anderen durch ihre Einzigartigkeit unterscheiden. Niemand
hat denselben Fingerabdruck wie du, niemand dieselbe DNA. Und das ist ganz
wunderbar. Warum sollen wir diese Einmaligkeit aufgeben?
Die Gesellschaft, die der liebe Gott - oder wer auch immer - schaffen
wollte, kannst du mit einer Blumenwiese vergleichen, wie es sie noch in meiner
Kindheit gab. Daraus ist inzwischen eine eintönige Grasfläche mit gleich langen
Grashalmen, mit einheitlicher Farbe … geworden. Wenn der liebe Gott heute durch
unsere Wiesen geht, muss ihm das Weinen kommen. So stark haben wir seine Natur
verunstaltet. Auch wenn er in unsere Gärten schaut, sieht er keine Blumenwiese
mehr, sondern nur noch einen „gepflegten“ englischen Rasen. Mit
Unkrautvernichtungsmittel (= Druck der Gesellschaft, wenn du aus der Reihe
tanzt) und Rasendünger (= Belohnung, wenn du nach meiner Pfeife tanzt) sind
alle Halme gleich – alle sind sie „man“. Keiner unterscheidet sich von seinem
Nachbarn. Nach dem eigenen Selbstbewusstsein zu suchen, ist sinnlos. Sofort
gibt es Gegenmaßnahmen. Keiner darf aus der Reihe tanzen. Und wenn einer gar nicht funktioniert, wird er ausgestochen.
Die Blumenwiese war aber nicht nur bunter als die heutigen
landwirtschaftlichen Grasflächen. Den Ausdruck „Wiese“ verdienen die gar nicht
mehr. Die Wiesen waren auch Unterschlupf und Lebensraum für alle möglichen
Tiere. Nicht einmal die Mäuse fühlen sich heute dort noch wohl, weil sie sogar
ein halbblinder Habicht auf dem Rasen erkennt. Wie die Grasfläche leidet auch
unsere Gesellschaft an der „Man-isierung“, verliert an Individualität,
Kreativität, Mut und Ideenvielfalt.
Eine Gesellschaft ist erfolgreicher, interessanter und
lebenswerter, wenn sie den „man“ in den Griff bekommt. Wir werden „man“ nicht ausrotten
können, aber wir müssen ihn skeptisch betrachten. Du selbst bist dafür
verantwortlich, wieviel und bis zu welcher Grenze du „man“ sein musst und „man“
sein willst.
Dass wir ganz tolle Individuen sind, sollten wir auch
zeigen. Denke bei jedem englischen Rasen daran, wie schön hier eine Blumenwiese
wäre. Wenn du einen Garten hast, kannst du ein Zeichen für deine Individualität
setzen: Belasse einige Quadratmeter von deinem Rasen als Wiese, als Beweis
deines Glaubens an die Einmaligkeit aller Lebewesen. Nicht nur die Bienen, die Heuschrecken,
die Regenwürmer …. werden es dir danken. Jede dort wachsende Blume erinnert
dich an deine Einmaligkeit.
Mach’s einfach!
Leonding, 01.10.2025 Alois Markschläger
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