Zu dem Thema Freiheit habe ich meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Da sie stärker als vermutet gesprudelt sind, habe ich sie unterteilt:
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Teil I:
Erste Erfahrungen (Blog vom 29.08.2025)
Teil
II: Die Freiheit und Regeln (Blog vom 05.09.2025)
Teil
III: Gesetze begrenzen unsere Freiheit (Blog vom 13.09.2025)
Teil
IV: Der geheimnisvolle „man“ und die Freiheit (Blog vom 01.10.2025)
Teil V:
Das Sterben von „man“ und seine Folgen (Blog vom 07.10.2025)
Teil
VI: Die eigene Versklavung
Einige Punkte in
diesem Teil weisen auf die bisherigen Artikel hin. Der Blog wird verständlicher,
wenn du die bisherigen Teile zumindest grob kennst.
Wir Menschen sind soziale Wesen, wir suchen die
Gemeinschaft, auch um zu überleben. Einsiedler und Überlebenskünstler wie
Robinson Crusoe sind die Ausnahme. In den letzten Jahrzehnten ist unsere
Gesellschaft liberaler, freier geworden. Damit wurde auch die Bindung an die Gesellschaft schwächer. Den „man“ gibt es noch immer, aber nicht mehr so oft und nicht so
deutlich sichtbar. „Was werden da die Leut‘ sagen,“ hört man auch heute noch,
aber seltener. Wir haben den „man“ etwas gezähmt, wenn auch nicht ganz verbannt.
Wir fühlen uns der Gesellschaft weniger verpflichtet, obwohl viele – zu
viele – ganz gut auf Kosten der Gesellschaft leben.
Diese „Befreiung“ gefährdet aber auch einzelne Lebensbereiche. Dazu einige von vielen Bei-spielen:
Durch weniger Kontakte in der Gesellschaft ist die
Vereinsamung gewachsen. Die Freiheit, nicht mehr am Gesellschaftsleben
teilnehmen zu müssen („Da musss man nicht mehr dabei sein.“), wurde gegen die
Einsamkeit getauscht.
Die Bindung der Mitarbeiter an „ihr Unternehmen“ hat
abgenommen. Viele wechseln in kurzen – zu kurzen – Abständen den Arbeitsplatz.
Die gesamtwirtschaftlichen Schäden daraus sind erheblich. Die Freiheit,
jederzeit den Arbeitsplatz wechseln zu können, gefährdet die
Wettbewerbsfähigkeit und damit letztlich die Arbeitsplätze. Die
Arbeitsplatzsicherheit tauschen wir mit der Freiheit. Zusätzlich steigt durch
das häufige Wechseln das Lohn- und Gehaltsniveau.
Alle Mitglieder der Gesellschaft sind für deren
Weiterbestehen verantwortlich. Die Freiheit, kinderlos zu bleiben, gefährdet
den Bestand der Gesellschaft. Muss eigentlich die Gesellschaft auch die im Alter erhalten,
die sich freiwillig zur Kinderlosigkeit entschieden haben, die ihren Beitrag
zum Weiterbestehen dieser Gesellschaft verweigern, um ungebremst ihre Freiheit
genießen zu können? Pensionen werden nicht aus früheren Einzahlungen der
heutigen Pensionisten bestritten, dafür kommen die Nachkommen auf. Welche
Nachfolger zahlen für die, die keine Nachfolger haben? An ihrer Stelle muss der Rest für
die Freiheit der Vorgeneration mehr bezahlen. Endet aber die eigene Freiheit nicht
dort, wo die Interessen anderer verletzt werden?
………………
Überzogener Freiheitsdrang macht uns blind. Freiheit pur,
frei von jedweder Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft, ist gefragt. Wir
nehmen nur. Wo bleibt das Geben? Darf „man“ das überhaupt? Aber den „man“
wollen wir eigentlich nicht mehr. Vielleicht sollten wir uns den einen oder
anderen „man“ doch bewahren? Geben und Nehmen sollten sich ausgleichen. Und sie
gleichen sich immer aus, manchmal aber erst später.
Dabei stellen sich grundsätzliche Fragen zum Verhalten des
Einzelnen gegenüber der Gesellschaft: Sind wir bereit, unseren Beitrag zum
Funktionieren der Gesellschaft zu leisten?
Wie sozial ist das soziale Wesen Mensch? Beim Nehmen sind wir sehr sozial,
beim Geben wird’s schon enger. Das Ausmaß der Steuerhinterziehungen von einem
Großteil der Österreicher ist nur ein Beispiel dieser Diskrepanz.
Bei den Naturvölkern konnte die Gemeinschaft ohne Druck
erhalten und gesichert werden. Davon sind wir weit entfernt. Wir brauchen
Gesetze und „man-Regeln“, um uns vor einem Missbrauch der Freiheit, vor
rücksichtlosem Egoismus gepaart mit Lust und Gier zu schützen. Um den Bestand
der Gesellschaft zu sichern, müssen wir einen Teil der Freiheit opfern. Fehlt
uns die soziale Reife für die „richtige“ Freiheit ohne einschränkende Gesetze
und Regeln? Wie wäre es mit eine demütigen, mit einer sozialen Freiheit, mit der wir nicht nur unsere , sondern auch die Freiheit und die Sicherheit aller sehen? Ist Freiheit nur möglich, wenn „man“ sich richtig - was immer das sein
mag – verhält? Aber die Bedeutung hat diese(r) „man“ nicht mehr.
Ein weiteres Beispiel für unseren Egoismus – von vielen gerne mit Freiheit verwechselt – ist die
Umweltproblematik. Wir wissen, was für die Umwelt von Vorteil wäre (weniger
Auto, weniger Fliegen, weniger Plastik usw.). Aber wir (Ich nehme mich
nicht aus.) leben nicht so, weil das unsere Freiheit beschränken würde. Daher
brauchen wir Gesetze, die Einsicht reicht nicht. Zu weit liegen Ursache und
Wirkung auseinander. Zu nahe ist uns das Hemd, zu weit weg der Rock. Unsere Freiheit,
bequem zu leben, tauschen wir ganz rasch mit der Sicherheit unserer Nachkommen,
nicht überleben zu können.
Ein gerechter Deal, ein faires Geschäft? Einfach zum
Nachdenken.
Leonding, 07.10.2025 Alois Markschläger
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