Trotz aller Fehler, die in den letzten Jahren passiert sind, schätze ich viele Unternehmen in Österreich und in Westeuropa, die zu den Spitzenunternehmen zählen und Marktführer sind. Diese sichern unseren Wohlstand. Gefährdet ist „nur“ unsere Gesamtwirtschaft, die viele
Plätze im internationalen Wettbewerb verloren hat. Ich will die Wirtschaft nicht
schlecht machen. Aber eine rosa Brille ist gefährlich.
Unter anderem mache ich folgende Fehler für unsere heutigen Schwächen verantwortlich:
Der Feind ist da
draußen
Werterhöhung oder
Verschwendung
Als Betriebswirt teile ich die Aktivitäten in einem
Unternehmen in werterhöhende und in Verschwendung. Werterhöhend ist: Ein Tischler schneidet aus einer Spanplatte die
Seiten für einen Kasten heraus. Die Platte wird so mehr wert. Ihr Nutzen
steigt. Der Transport vom Plattenlager zur Säge ist zwar notwendig, erhöht aber
den Wert nicht. Ich bezeichne das als Verschwendung, Die
Platte wird so nicht wertvoller, auch nicht, wenn ein Tischler mit ihr den ganzen Tag spazieren geht. Auch die Buchhalterin, die für
ein geordnetes Rechnungswesen sorgt, erhöht den Wert der Platte nicht. Im
Verkaufspreis müssen aber nicht nur die werterhöhenden, sondern alle
Tätigkeiten bezahlt werden. Die Kunden bezahlen für den
Kasten nur einen bestimmten Preis, den Marktpreis. Sind unsere Kosten zu hoch,
werden wir den Kasten nicht oder nur unter unseren Kosten verkaufen. Das ist
der Anfang vom Ende. Lange haben unsere Unternehmen geglaubt, die
werterhöhenden Tätigkeiten optimieren zu müssen, um wettbewerbsfähig zu
bleiben. Inzwischen wissen wir, dass es genauso wichtig, ja sogar wichtiger,
ist, die Verschwendung möglichst klein zu halten. Vor allem die japanische
Autoindustrie hat uns das klar vorgeführt.
Das Grundprinzip der Werterhöhung und der Verschwendung gilt
auch für eine Volkswirtschaft. Die werterhöhenden Tätigkeiten schlagen sich in
Produkten und Dienstleistungen nieder, die verkauft werden. Verschwendung sind alle anderen Ausgaben. Leider gibt
es in Österreich – und in vielen anderen westeuropäischen Ländern auch - eine
Scherenbewegung: Die werterhöhenden Tätigkeiten sind gefallen (zum Beispiel: Reduktion
der Arbeitszeiten mit gleichzeitiger Erhöhung der Löhne und Gehälter,
Auslagerung werterhöhender Arbeiten in Billigländer etc.), während die Verschwendungspositionen
explosionsartig gestiegen sind. Zusätzlich haben viele unserer Produkte ihren
ursprünglichen Reiz im internationalen Wettbewerb verloren. Einige sind nicht
mehr marktgerecht.
Die Verschwendung haben wir, im Gegensatz zur Werterhöhung, gesteigert. Manches davon ist – zumindest dem Grunde, nicht immer
der Höhe nach – gerechtfertigt. Ob gerechtfertigt oder nicht: Verschwendung bleibt Verschwendung (So wichtig es ist, die Platte zur Säge zu bringen….). Neben notwendigen gibt es – leider zu viele – nicht notwendige „Luxuspositionen“ ohne gesellschaftliche Rechtfertigung. In Unternehmen kommentiere ich solche mit: „Die schreiben wir auf die Kostenstelle 'Deppert‘.“
Von solchen leisten wir uns zum Beispiel:
- Zuwachs der Verwaltung anstelle eines Verwaltungsabbaus
- Die gesetzliche Missachtung des gesetzlichen Mindestpensionsalters
- Manche an Hirnlosigkeit grenzende EU-Vorschriften
- Direkte oder über die EU bezahlte Unterstützungen der Ukraine
- Verschwendung von Geldern im Gesundheitswesen durch fehlende Kosten- beteiligungen
- Politisch motivierte, überhöhte Pensionserhöhungen (eine zu große Wählergruppe)
- Der Luxus unserer Verfassung: 9 Bundesländer, eine Unzahl von BH's und Gemeinden
- Die personelle Überbesetzung im öffentlichen Dienst
- Übertriebene Subventionen und öffentliche Zuschüsse (Brot und Spiele für das Volk)
- Der übertriebene Ausbau unseres Schulsystems: Aus Klassen mit 30 Schülern und einer Lehrkraft sind Klassen mit 18 Schülern und zwei Lehrkräften entstanden, ohne die Bildungsqualität merklich zu erhöhen.
- Übertriebene Verfahrens- und Verwaltungsvorschriften in vielen Bereichen
- …………
Gerne machen wir uns über die Reaktionszeiten der katholischen Kirche lustig. Ein Zögern hat aber im Vergleich zu einem übereilten Aktionismus auch Vorteile: Manche Probleme lösen sich auch ohne großartige Aktivitäten und viele Maßnahmen wirken kurzfristig gut, um später ihre wahren Schäden zu zeigen.
Dabei denke ich zum Beispiel an:
Wirtschaftliche Fehlentscheidungen in der Corona-Krise wie die Entschädigungen für die Gastronomie, die sowohl dem Grunde, vor allem aber
der Höhe nach falsch waren. Böse Zungen behaupten, dass damit auch der Ausfall von Schwarzgeschäften vergütet wurde. Die Fehlerhaftigkeit der Entscheidung erkennt man auch ohne Wirtschaftsstudium mit dem Hausverstand eines Durchschnittsbürgers.
Leider wird so offenkundig, dass Regierungsmitglieder und Abgeordnete halt doch
keine Durchschnittsbürger sind.
Kurzfristige, übertriebene Förderungen betrieblicher und
privater Investitionen ließen die Bauwirtschaft und einige andere Branchen
boomen. Das Erwachen kam kurz darauf, als der verbleibende Investitionsbedarf
für die vorhandenen Kapazitäten nicht reichte. Gleichzeitig haben die
gestiegenen Preise die Zuschüsse ohnehin fast aufgebraucht.
Ähnliche Effekte wie bei den Bauförderungen wurden durch
Zuschüsse für den Heizungsumbau und andere Investitionen erzielt.
……
Aber manchmal verstehe ich sogar die Politiker: Schon bei „einfachen“ Problemen ertönt rasch und laut der Ruf nach politischen Maßnahmen. Und die Politiker glauben, handeln zu müssen. Wirtschaftspolitische Maßnahmen folgen. Vielfach wäre es besser, wenn die Politik ihre Finger aus der Wirtschaft heraushält und nur durch die gezielte Gestaltung weniger Rahmen-bedingungen eingreift.[1]. Zu kompliziert sind die Zusammenhänge. Sogar Fachkundige würden dabei an Grenzen stoßen. Einfache und logischen Rahmenbedingungen sowie eine sinnvolle Beschränkung der Verschwendungen würden reichen, damit die Politik der Wirtschaft nicht mehr schadet, als sie nützt.
Die nächsten Folgen zum Thema "Der Untergang des Abendlandes" sind:
- Der Verlust der Leistung durch den Verlust der Leistungsbereitschaft
- Geben und Nehmen gleichen sich nicht mehr aus
- Ein- und Auswanderer
- Europa, ein Anhängsel der USA
- Was sonst noch das Abendland gefährdet
Leonding, August 2026 Alois
Markschläger
[1]
Der Politiker und Unternehmer Leitl
dazu: „Wenn die Politik mit ihrem
Latein am Ende ist, greift sie gerne zu wirtschaftlichen Sanktionen, die zwar
verlässlichen Schaden anrichten, aber selten den gewünschten politischen Erfolg
zeitigen.“ aus Leitl Chr., EUROPA UND ICH, Eine politische und
persönliche Zeitreise, S. 145
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