Der Untergang des Abendlandes Folge 3: Das Dilemma Wirtschaft (2)

Trotz aller Fehler, die in den letzten Jahren passiert sind, schätze ich viele Unternehmen in Österreich und in Westeuropa, die zu den Spitzenunternehmen zählen und Marktführer sind. Diese sichern unseren Wohlstand. Gefährdet ist „nur“ unsere Gesamtwirtschaft, die viele Plätze im internationalen Wettbewerb verloren hat. Ich will die Wirtschaft nicht schlecht machen. Aber eine rosa Brille ist gefährlich. 

Unter anderem mache ich folgende Fehler für unsere heutigen Schwächen verantwortlich:

Der Feind ist da draußen

Seit Jahrzehnten beklagen wir das niedrige Preisniveau von Billigländer, die geringen Umweltauflagen in diesen Ländern, die Zollbestimmungen irgendwo auf der Welt …. Solange wir damit „den“ Sündenbock und einen unüberwindlichen Feind gefunden haben, können wir aufhören, nach weiteren Ursachen zu suchen. Wollen wir überhaupt weitersuchen? Da könnte ja etwas auftauchen, wofür wir und nicht die anderen verantwortlich sind. Und dann müssten wir etwas unternehmen. So können wir Unterlasser bleiben.

 

Werterhöhung oder Verschwendung

Als Betriebswirt teile ich die Aktivitäten in einem Unternehmen in werterhöhende und in Verschwendung. Werterhöhend ist: Ein Tischler schneidet aus einer Spanplatte die Seiten für einen Kasten heraus. Die Platte wird so mehr wert. Ihr Nutzen steigt. Der Transport vom Plattenlager zur Säge ist zwar notwendig, erhöht aber den Wert nicht. Ich bezeichne das als Verschwendung, Die Platte wird so nicht wertvoller, auch nicht, wenn ein Tischler mit ihr den ganzen Tag spazieren geht. Auch die Buchhalterin, die für ein geordnetes Rechnungswesen sorgt, erhöht den Wert der Platte nicht. Im Verkaufspreis müssen aber nicht nur die werterhöhenden, sondern alle Tätigkeiten bezahlt werden. Die Kunden bezahlen für den Kasten nur einen bestimmten Preis, den Marktpreis. Sind unsere Kosten zu hoch, werden wir den Kasten nicht oder nur unter unseren Kosten verkaufen. Das ist der Anfang vom Ende. Lange haben unsere Unternehmen geglaubt, die werterhöhenden Tätigkeiten optimieren zu müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Inzwischen wissen wir, dass es genauso wichtig, ja sogar wichtiger, ist, die Verschwendung möglichst klein zu halten. Vor allem die japanische Autoindustrie hat uns das klar vorgeführt.

Das Grundprinzip der Werterhöhung und der Verschwendung gilt auch für eine Volkswirtschaft. Die werterhöhenden Tätigkeiten schlagen sich in Produkten und Dienstleistungen nieder, die verkauft werden. Verschwendung sind alle anderen Ausgaben. Leider gibt es in Österreich – und in vielen anderen westeuropäischen Ländern auch - eine Scherenbewegung: Die werterhöhenden Tätigkeiten sind gefallen (zum Beispiel: Reduktion der Arbeitszeiten mit gleichzeitiger Erhöhung der Löhne und Gehälter, Auslagerung werterhöhender Arbeiten in Billigländer etc.), während die Verschwendungspositionen explosionsartig gestiegen sind. Zusätzlich haben viele unserer Produkte ihren ursprünglichen Reiz im internationalen Wettbewerb verloren. Einige sind nicht mehr marktgerecht.

Die Verschwendung haben wir, im Gegensatz zur Werterhöhung, gesteigert. Manches davon ist – zumindest dem Grunde, nicht immer der Höhe nach – gerechtfertigt. Ob gerechtfertigt oder nicht: Verschwendung bleibt Verschwendung (So wichtig es ist, die Platte zur Säge zu bringen….). Neben notwendigen gibt es – leider zu viele – nicht notwendige „Luxuspositionen“ ohne gesellschaftliche Rechtfertigung. In Unternehmen kommentiere ich solche mit: „Die schreiben wir auf die Kostenstelle 'Deppert‘.“

Von solchen leisten wir uns zum Beispiel:

  •  Zuwachs der Verwaltung anstelle eines Verwaltungsabbaus
  •  Die gesetzliche Missachtung des gesetzlichen Mindestpensionsalters
  •  Manche an Hirnlosigkeit grenzende EU-Vorschriften
  •  Direkte oder über die EU bezahlte Unterstützungen der Ukraine
  •  Verschwendung von Geldern im Gesundheitswesen durch fehlende Kosten-   beteiligungen
  •  Politisch motivierte, überhöhte Pensionserhöhungen (eine zu große Wählergruppe)
  •  Der Luxus unserer Verfassung: 9 Bundesländer, eine Unzahl von BH's und Gemeinden 
  •  Die personelle Überbesetzung im öffentlichen Dienst
  •  Übertriebene Subventionen und öffentliche Zuschüsse (Brot und Spiele für das Volk)
  •  Der übertriebene Ausbau unseres Schulsystems: Aus Klassen mit 30 Schülern und   einer Lehrkraft sind Klassen mit 18 Schülern und zwei Lehrkräften entstanden, ohne   die  Bildungsqualität merklich zu erhöhen.
  •  Übertriebene Verfahrens- und Verwaltungsvorschriften in vielen Bereichen
  •   …………

Gemeinsam mit der verlorenen Wertschöpfung kosten uns diese Verschwendungen die Wettbewerbsfähigkeit. Den Wunsch, dass uns die Chinesen dies nachmachen, wird uns auch der liebe Gott nicht erfüllen. 
Ich möchte die sozialen und gesellschaftlichen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte weder in Zweifel ziehen noch abschaffen. Aber wir haben das richtige Augenmaß dafür verloren. Dass wir uns Vieles nicht leisten können, ist auch an der laufend steigenden Mehrverschuldung erkennbar. Wir dürfen nicht mehr ausgeben, als wir verdienen, um nicht irgendwann feststellen zu müssen, dass wir uns auch die notwendigen Sozialleistungen nicht mehr leisten können. Aus den Erzählungen meiner Eltern und Großeltern weiß ich, was das bedeutet.

 

Die Lösungen von gestern sind die Probleme von heute

Gerne machen wir uns über die Reaktionszeiten der katholischen Kirche lustig. Ein Zögern hat aber im Vergleich zu einem übereilten Aktionismus auch Vorteile: Manche Probleme lösen sich auch ohne großartige Aktivitäten und viele Maßnahmen wirken kurzfristig gut, um später ihre wahren Schäden zu zeigen. 

Dabei denke ich zum Beispiel an:
Wirtschaftliche Fehlentscheidungen in der Corona-Krise wie die Entschädigungen für die Gastronomie, die sowohl dem Grunde, vor allem aber der Höhe nach falsch waren. Böse Zungen behaupten, dass damit auch der Ausfall von Schwarzgeschäften vergütet wurde. Die Fehlerhaftigkeit der Entscheidung erkennt man auch ohne Wirtschaftsstudium mit dem Hausverstand eines Durchschnittsbürgers. Leider wird so offenkundig, dass Regierungsmitglieder und Abgeordnete halt doch keine Durchschnittsbürger sind.

Kurzfristige, übertriebene Förderungen betrieblicher und privater Investitionen ließen die Bauwirtschaft und einige andere Branchen boomen. Das Erwachen kam kurz darauf, als der verbleibende Investitionsbedarf für die vorhandenen Kapazitäten nicht reichte. Gleichzeitig haben die gestiegenen Preise die Zuschüsse ohnehin fast aufgebraucht.

Ähnliche Effekte wie bei den Bauförderungen wurden durch Zuschüsse für den Heizungsumbau und andere Investitionen erzielt.
……

Aber manchmal verstehe ich sogar die Politiker: Schon bei „einfachen“ Problemen ertönt rasch und laut der Ruf nach politischen Maßnahmen. Und die Politiker glauben, handeln zu müssen. Wirtschaftspolitische Maßnahmen folgen. Vielfach wäre es besser, wenn die Politik ihre Finger aus der Wirtschaft heraushält und nur durch die gezielte Gestaltung weniger Rahmen-bedingungen eingreift.[1]. Zu kompliziert sind die Zusammenhänge. Sogar Fachkundige würden dabei an Grenzen stoßen. Einfache und logischen Rahmenbedingungen sowie eine sinnvolle Beschränkung der Verschwendungen würden reichen, damit die Politik  der Wirtschaft nicht mehr schadet, als sie nützt.

Die nächsten Folgen zum Thema "Der Untergang des Abendlandes" sind:

  • Der Verlust der Leistung durch den Verlust der Leistungsbereitschaft
  • Geben und Nehmen gleichen sich nicht mehr aus
  • Ein- und Auswanderer
  • Europa, ein Anhängsel der USA
  • Was sonst noch das Abendland gefährdet
Es würde mich freuen, wenn du auch künftig wieder reinschaust.

 

Leonding, August 2026                                                                        Alois Markschläger



[1] Der Politiker und Unternehmer Leitl dazu: „Wenn die Politik mit ihrem Latein am Ende ist, greift sie gerne zu wirtschaftlichen Sanktionen, die zwar verlässlichen Schaden anrichten, aber selten den gewünschten politischen Erfolg zeitigen.“ aus Leitl Chr., EUROPA UND ICH, Eine politische und persönliche Zeitreise, S. 145

 

1 Kommentar:

"… mehret euch …. machet sie euch untertan und herrschet …." (Gen. 1,28)

Manchmal zweifle ich, ob die im Titel angeführte Bibelstelle, laut der wir Menschen über die Welt herrschen sollen, wirklich eine Botschaft ...