Kopflos oder mit diesem Kopf durch die Wand

Wer oder was bestimmt unser Handeln: Die Vernunft, die Erfahrungen, die „guten“ Emotionen (Liebe, Dankbarkeit, Freude, Freundschaft, Lust …), die zerstörerischen Gemütslagen (Wut, Zorn, Hass, Rache, Feindschaft …), Gewohnheiten, Reflexe ….?

Die Größe, die unser Handeln bestimmt, bestimmt auch dessen Wert. Ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, insbesondere eine Kombination von Vernunft und Emotion, sind denkbar, aber selten. Meist dominiert einer. Bei starken Emotionen hat der Verstand kaum eine Chance mitzuentscheiden.

Unter dem Einfluss von Liebe, Wut, Zorn, Hass usw. werden wir kopflos: Wir handeln ohne den Kopf, in dem die Vernunft sitzt. Dadurch wird die Wahrnehmung (blind aus Liebe, Wut, Hass, Zorn …) gestört und rationale Entscheidungen werden verhindert. Klingt die Emotion ab, wird das Ausmaß der ganzen Katastrophe sichtbar. Danach sehen wir, wie kopflos wir waren: Kopflos, also ohne Kopf, aber genau mit diesem Kopf durch die Wand.

In jungen Jahren war ich ein richtiges „Bitzlhaferl“ (Oberösterreichischer Fachbegriff für einen ungeduldigen, rasch aufbrausenden und übertrieben reagierenden Menschen). Und beim „Bitzeln“ wird das Hirn ausgeschaltet. Es dominieren zerstörerische Emotionen. Wiederholt habe ich gemerkt, dass ich mit dem Kopf durch die Wand wollte. Die Wand hielt es aus. Mein Kopf hat den Schaden übernommen.

Mit fortschreitendem Alter wurde ich – so wie ein Wildbach, der in die Ebene kommt, - ruhiger. Dem Wildbach sind die Berge abhandengekommen. Die Berge machen ihn reizvoll, aber auch gefährlich. Welche Berge sind bei mir verschwunden?

Einen Teil der Steigung haben meine Erfahrungen überwunden. Langsam habe ich gelernt, dass meine Ausbrüche mehr kaputt machen, als sie bewirken (Wobei auf jeden Ausbruch möchte ich auch heute noch nicht verzichten.). Es setzte sich die Erkenntnis durch: Einzelne Fehler sind erlaubt, manchmal auch notwendig, aber laufend dieselben Fehler zu begehen, ist nur dumm.

Mit fortschreitendem Alter lässt die eigene Energie nach, auch die Energie für Wut- und Zornausbrüche. Die Ausbrüche werden seltener und sind weniger intensiv.

Sind auf normalen Wegen die eigenen Vorstellungen nicht zu verwirklichen, wählen wir den Ausbruch. Auch Vulkane brechen aus, wenn es im Inneren zu heiß wird. Nach diesen Ausbrüchen sehen wir, dass uns diese von unseren Zielen und Wünschen eher entfernt und nicht näher gebracht haben und dass andere Wege vielleicht doch die richtigen sind. 

Die Lebenserfahrung zeigt uns, dass wir die eigenen Wünsche und Ziele überbewerten oder dass es Alternativen gibt, die Ziele zu erreichen. Weisheit bedeutet auch, mehrere Weisen für die Lösung von Aufgaben zu kennen. Man muss nicht mehr mit dem Kopf voran usw. 
Meist gibt es in der Wand, durch die man glaubt, nur mit dem Kopf durchzukommen, auch eine offenstehende Tür. Und irgendwann sieht man sie. Nur der Zorn, die Wut … machen sie unsichtbar - blind aus Liebe, blind vor Wut, blind durch unseren Hass ….
                                                              
                                                            Mit dem Kopf durch die Wand

Je öfter wir in ähnliche Situationen kommen, umso vertrauter werden sie uns, umso weniger erregen sie unser Gemüt, umso weniger gefährlich erscheinen sie uns. Sie sind nicht mehr so aufregend, regen uns nicht mehr auf. Damit bekommt die Vernunft die Chance, Aufgaben zu lösen, die vorher die Emotionen gelöst haben – und oft überfordert waren.
Wenn es trotzdem (hoffentlich) noch aufregende Situationen gibt, zähle ruhig bis 10. Dabei kann sich die Emotion zurückziehen und der Verstand erhält eine Chance.

Auf meinem Weg als Bach vom Hochgebirge ins Tal habe ich wahrscheinlich auch gelernt (Lernen aus Erfahrung ist meist die bitterste Art des Lernens.), Vieles nicht so wichtig zu nehmen, was nicht wichtig ist, auch mich selbst nicht nach dem Motto:

Du warst vor 100 Jahren nicht wichtig.
Du wirst in 100 Jahren nicht wichtig sein.
Warum nimmst du dich heute so wichtig?

Einfach zum Nachdenken!

 Februar 2026                                                                                             Alois Markschläger

Feigheit ist Mut, wenn Mut zur Dummheit wird

„Die Dümmsten waren die Mutigsten.“ Dieser Satz meines Deutschprofessors über seine Kameraden im Zweiten Weltkrieg beschäftigt mich nach 60 Jahren noch immer. Viele Lebenssituationen gibt es auch heute, in denen Manches als mutig gilt, obwohl es eigentlich unter Dummheit einzuordnen ist.

Ist der kleine, schwache Bub mit 7 Jahren mutig, wenn er mit einem kräftigen 10-jährigen einen ernsthaften Kampf beginnt? Oder ist es pure Dummheit, da er wissen müsste, dass er nur verlieren kann?

Sind Jugendliche, die Mutproben für die Aufnahme in Jugendgangs ablegen und dabei sogar kriminell werden, mutig? Oder ist es pure Dummheit, weil sie genau wissen müssten, welche schrecklichen Folgen daraus erwachsen können?

War es mutig, dass in Russland der Zar, in Persien der Schah, in …. der …. unter Aufopferung unzähliger Menschenleben gestürzt wurden? Oder war es pure Dummheit, weil man genau hätte wissen müssen, dass das nächste Regime (Stalin, die Ajatollahs, …) die Macht auch wieder missbrauchen werden?

War es mutig, wenn bis vor wenigen Jahrzehnten Männer in Duellen ihre „Ehre“ mit ihrem Leben verteidigten und dieses verloren? Oder war es pure Dummheit, weil jeder weiß, dass die Ehre nicht durch den Einsatz des eigenen Lebens erworben wird?

War es mutig, wenn Napoleon und Hitler versuchten, Russland zu erobern? Oder war es pure Dummheit, weil sie wissen mussten, dass der Winter im Osten tödlich ist?

War es mutig, wenn Andreas Hofer und seine Mitstreiter die Freiheit von Tirol erkämpfen wollten? Oder war es Dummheit, die sie die Übermacht des Gegners und die eigene Kraft falsch einschätzen ließ?

Ist es mutig, lautstark nach Aufrüstung zu schreien? Oder ist es pure Dummheit, da wir genau wissen, dass wir uns diese nicht leisten können und dass die Aufrüstung die Eintrittskarte zum Sterben ist? Wo ist der Unterschied zu Andreas Hofer?

War es mutig, dass Jesus auf die Frage von Pilatus, ob er der König der Juden sei, antwortete „Du sagst es,“ obwohl er wusste, dass dies sein Todesurteil bedeutete? Oder war es Dummheit, weil er genau wusste, dass er damit in seinem Leben nichts mehr bewirken konnte?

Ist es mutig, zu jeder Frage immer sofort eine (vermeintlich richtige) Antwort zu haben? Oder ist es pure Dummheit zu glauben, dass es zu jeder Frage nur eine richtige Antwort gibt?

Ist es mutig, ....? Oder ist es Dummheit .... Die Beispiele lassen sich noch lange fortsetzen.

Welche Gedanken sind dir bei diesen Sätzen begegnet?
Warst du überrascht oder vielleicht sogar angewidert von dem Gedanken, dass Andreas Hofer (Die Tiroler mögen mir gnädig sein.), Hitler, Stalin und sogar Jesus in ähnlichen Zusammenhängen erwähnt werden? Die kann man doch nicht in einen Topf werfen! Ist es meine Aufzählung, die dich empört, oder lassen unsere Einstellungen, die wir uns durch unseren Kulturkreis und durch unsere Erziehung erworben haben, derartige Gedanken gar nicht zu? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!

Wir haben gelernt, dass Hitler, Stalin und viele andere schlechte Menschen sind, wovon auch ich überzeugt bin. Aber vielleicht sind unsere Bilder von Andreas Hofer und, um bei meinen erwähnten Beispielen zu bleiben, von Jesus vielleicht so geprägt, dass sie keinen Zweifel in irgendeine Richtung zulassen. Und diese Bilder sind zu unseren Meinungen und sind zu unseren Überzeugungen geworden.

Diese unterschiedlichen Sichtweisen zeigen, wie wir versuchen, alles sofort in ein passendes Fach in unserem Gedanken- und Moralschrank einzuordnen: Da gibt es die Braven, die Tapferen, die Mutigen, die Feiglinge, die Gescheiten, die Helden ….. Diese Einordnung gibt uns Sicherheit.

Wozu brauchen wir das? Wir haben es so gelernt. In der Steinzeit und in der Zeit der Neandertaler mussten die Menschen alles sofort wahrnehmen und beurteilen. Eine rasche und möglichst richtige Einschätzung jeder Situation hat das Überleben gesichert. Zu schnell sind die letzten 10.000 Jahre vergangen, als dass wir ein neues Verhalten hätten lernen können. Heute benötigen wir diese rasche Urteilskraft nur noch selten. Aber abgelegt haben wir sie nicht.

Unsere Handlungen sind nicht immer eindeutig mutig oder eindeutig feige. Es gibt Grenzbereiche. Ist ein Mann mutig oder dumm, wenn er eine Frau, die beleidigt oder angegriffen wird, verteidigt, obwohl er weiß, dass er den Kürzeren ziehen wird?
Ist die Verteidigung der eigenen Freiheit mutig oder dumm, wenn man genau weiß, dass einem daraus Nachteile erwachsen werden?

Viele solche Grenzbereiche gibt es. Ich maße mir hier über mutig oder feige kein Urteil an und ich bin froh, wenn ich nicht selbst in solche Entscheidungssituationen gerate.

Ich setze aber eine Grenze: Wenn ein gezeigter Mut das eigene Leben gefährdet, wird für mich Feigheit zum Mut. Sobald jemand sein Leben verliert, verliert er auch die Möglichkeit, etwas weiter zu bewirken. Das Opfer bleibt wirkungslos. Es bleibt nur noch die Wirkung durch seinen Tod. Vielleicht war dieses Bewusstsein gerade das Mutige von Jesus auf die Frage von Pilatus.

Würde es nur mutige Männer geben, hätte es in der Vergangenheit keine Kriege gegeben, da keiner hingegangen wäre.

Die Ursachen für sinnloses Handeln sind meist nicht angeborene Dummheit oder fehlende Geisteskraft. Viele Faktoren rauben uns die Fähigkeit, Situationen des täglichen Lebens richtig einzuschätzen. Sie beeinträchtigen oder verhindern unsere Urteilskraft. Einige solcher Faktoren sind: politischer oder religiöser Fanatismus, Verblendung, Verhetzung, fehlende Selbsteinschätzung, zu geringer Selbstwert, fehlende Erfahrungen, einseitige Erziehung, gepredigte Lehr- und Leitsätze, die öffentliche Meinung, gesteuerte Informationen, verschiedenste Medien ….

Diese Einflüsse bestimmen unsere Wahrnehmung. Sie sind die Brille, durch die wir die Welt sehen. Leider glauben wir oft, dass das, was wir wahrnehmen, die Wahrheit ist. Es ist aber „nur“ unsere Wahrheit, die wir brav gelernt haben.

Einfach zum Nachdenken!

 

Februar 2026                                                                                               Alois Markschläger


PS:
Für die Entscheidung zwischen Mut und Feigheit haben wir ein recht brauchbares Sprichwort: „Der Gescheite gibt nach, der Dumme fällt in den Bach.“.

Könnte oft brauchbare Lösungen ergeben.

Aber trotzdem

 „Wir dürfen Akzeptanz nicht mit Passivität verwechseln.“[1] 

Ich kann es annehmen,[2]
dass ich alt bin,
weswegen ich keinen Marathon mehr laufe.
Aber gerade deshalb laufe ich jährlich noch 2 000 km.

Ich kann es annehmen,
dass derzeit die politische Lage keine Lösung
der wirklichen Fragen unseres Landes zulässt,
weswegen wir schweren Zeiten entgegensehen.
Aber gerade deshalb höre ich nicht auf,
gegen die Dummheit zu kämpfen.

Ich kann es annehmen,
dass ich vergesslicher werde,
weswegen ich mir immer weniger merke.
Aber gerade deshalb trainiere ich mein Gedächtnis stärker.

Ich kann es annehmen,
dass jede Gesellschaft Regeln und Gesetze braucht,
die nicht immer vernünftig sind.
Aber gerade deshalb kämpfe ich dagegen an.

Ich kann es annehmen,
dass ich nicht jedermanns Liebling und Freund bin
und manchmal sogar angefeindet werde.
Aber gerade deshalb versuche ich, freundlich zu sein.
(Gelingt nicht immer.) 

Ich kann es annehmen,
dass die Menschheit Bequemlichkeit, Luxus etc. liebt
und daher die Umwelt mit Begeisterung zerstört.
Aber gerade deshalb fahre ich immer mehr mit den Öffis

Ich kann es annehmen,
dass ich dem momentanen Schönheitssymbolen
nicht ganz entspreche.
Aber gerade deshalb achte ich auf mein Äußeres. 

Ich kann es annehmen,
dass meine Artikel und meine Bücher zu wenig gelesen werden
und sich meine Ideen zu langsam verbreiten.
Aber gerade deshalb schreibe ich gerne für meine Leser.

Ich kann es annehmen,
dass meine Beweglichkeit und meine Reaktion abnehmen
und Vieles nicht mehr wie früher geht.
Aber gerade deshalb spiele ich regelmäßig Fußball
und bin 40 Tage im Jahr auf der Skipiste.

Ich kann es annehmen,
dass meine Kunden nicht immer nach
meinen Vorstellungen handeln.
Aber gerade deshalb bleibe ich am Ball.

Ich kann es annehmen,
dass es neben meiner noch viele Wahrheiten gibt
und ich nicht immer die richtige habe.
Aber gerade deshalb suche ich weiter.

Ich kann es annehmen,
dass ich mit 76 vom technischen Fortschritt überholt werde
und nicht mehr jede Entwicklung mitgehen kann.
Aber gerade deshalb beschäftige ich mich mit KI.

Ich kann es annehmen,
dass meine Lebenszeit begrenzt ist
und ich daher irgendwann diese Welt verlasse.
Aber gerade deshalb liebe ich das Leben.

 

                                    Jänner 2026                                               Alois Markschläger



[1] Holiday R., Hanselman St.: Der tägliche Stoiker, 366 nachdenkliche Betrachtungen über Weisheit, Beharrlichkeit und Lebensstil, 18. Aufl., FinanzBuch Verlag, München 2024, S. 22
[2] Statt des Fremdwortes „akzeptieren“ verwende ich hier unser deutsches Wort „annehmen“.

ENDE = ANFANG - JEDES ENDE?

„Es ist das Ende der Welt,“ sagt die Raupe. „Es ist erst der Anfang,“ sagt der Schmetterling (Sprichwort unbekannten Ursprungs). Oft kann Neues nur entstehen, wenn Altes zu Ende geht.
In diesen Tagen feiern wir den Jahreswechsel: 2025 geht zu Ende, damit 2026 beginnen kann. War 2025 eine Raupe? Viele Raupen sind schädlich, haben aber trotzdem bedeutende Aufgaben in der Natur. Nicht alle Schmetterlinge sind nur schön, es gibt auch giftige. Wie wird der Schmetterling 2026 aussehen? Schön wäre es, wenn er sich nach unseren Neujahrswünschen richten würde. Man wird wohl noch träumen dürfen.

Manchmal ist es ein Trost, vielleicht sogar eine Hoffnung, oft aber auch eine Enttäuschung, dass alles ein Ende hat (Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.). Alles hört irgendwann einmal auf: Über das Ende des Ukrainekrieges, wann immer das auch sein mag, werden sich viele freuen. Leider nicht alle, da er sonst ja gar nicht begonnen hätte. Viele werden traurig sein, wenn auch 2026 ein Urlaub zu Ende gehen wird, wenn die Geburtstagsfeier vorbei ist, wenn …. Alles auf der Welt ist vergänglich. Darüber – über Tatsachen – zu sinnieren oder zu diskutieren, ist sinn- und ergebnislos. Lass es lieber! Demut bedeutet auch, das zu akzeptieren, was man nicht ändern kann.

Ist die Regel, dass Bestehendes verschwinden muss, damit Neues entstehen kann, generell gültig oder gibt es Ausnahmen? Gilt diese Regel auch für unser Leben? Ist das Ende der Start zu etwas Neuem? Oder ist das Ende wirklich ein Ende ohne Nachfolge? Dazu habe ich meine Gedanken spielen lassen:

Bei der Geburt erhältst du ein vollgetanktes Auto. Es gibt keine Tankuhr. Du weißt weder, wieviel dein Gefährt verbraucht noch wie viele Liter im Tank sind. Du weißt nur, dass der Tank irgendwann leer sein wird, dass du stehen wirst, dass du nicht mehr weiterkommst und dass es keine Tankstelle gibt.
Dass Rasen viel Sprit frisst, wird dir irgendwann bewusst (Lebe dein Leben schneller, dann bist du früher fertig damit.). Auch Bergstrecken erfordern mehr Energie, dafür geht’s bergab sparsamer. Wenn dein Tank nicht dicht ist, wirst du nicht besonders weit kommen.
Wenn du Pech hast, streikt dein Gefährt trotz vollem Tank, weil wichtige Teile nicht mehr fahrbereit sind. Das langsame Fahren hat nichts genützt. Auch vor einem Crash bist du nicht gefeit. Da nützt die beste Versicherung nichts: kaputt ist kaputt.

Was passiert aber am Ende der Fahrt? Steigst du in ein anderes, wieder vollgetanktes Auto um, wie dies die Vertreter der Wiedergeburt vermuten und behaupten? Ist es wie bei der Raupe und beim Schmetterling: Für den Menschen das Ende und für den – für wen eigentlich? - der Anfang. Steigen wir vom Auto in ein ganz anderes Fahrzeug um, so wie wir jetzt vom Auto in die Bahn oder in Flugzeuge umsteigen? Vielleicht ist nach der Grenze eine Tankstelle? Vielleicht brauchen wir keine herkömmliche Energie mehr und wir können uns trotzdem bewegen? Bestehen wir einfach weiter mit einer ganz anderen Form des Seins und der Bewegung?

Bei diesen Gedanken sind unserer Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Eigentlich geht es uns wie der Raupe, die sich so ganz und gar nicht vorstellen kann, wie sie irgendwann als Schmetterling leben wird, weil sie vielleicht gar nicht weiß, dass es auch Schmetterlinge gibt. Lassen wir uns überraschen! Schauen wir einmal, dann werden wir es schon sehen.

Bis du es erfährst, wie es nach dem leeren Tank weiter geht, darf ich dir etwas empfehlen: Fahre so, wie es dir Freude bereitet! Nimm Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer, damit du niemand gefährdest oder tötest! Vor allem: Genieße die Fahrt in dem Bewusstsein, dass alles ein Ende hat, damit vielleicht Neues beginnen kann!


Zum Jahreswechsel 2025/2026                                                                Alois Markschläger

Bescheidenheit oder Reichtum oder bescheidener Reichtum?

Wann ist jemand reich? - Wenn er/sie mehr Geld und Vermögen als der Durchschnitt hat? - Um wieviel mehr?

Vielleicht, wenn man sich jeden Wunsch erfüllen kann? Aber wachsen mit dem Vermögen nicht auch die Wünsche? Beispiele dafür finden wir manchmal bei Lottomillionären. Viele spielen Lotto, um sich die Wünsche erfüllen zu können, die ohne Sechser unrealistisch sind. Mit dem Sechser explodieren oft auch die Wünsche. Da reicht auch der Sechser nicht mehr. Eigentlich ist das logisch: Wären ihre Wünsche nicht höher als ihre Möglichkeiten, würden sie nicht Lotto spielen. Daher sind sogar Lottomillionäre vor der Verarmung nicht gefeit. Angeblich gibt es einige Beispiele dazu.

Reichtum lässt sich nicht nur über das Vermögen bestimmen. Große Wünschen brauchen ein hohes Vermögen. Um reich zu bleiben, muss man damit sparsam, zumindest vorsichtig, umgehen. Eigentlich lässt sich Reichtum nicht über den Besitz erklären. Zu stark spielen unsere Wünsche mit. Reich ist jeder, der mehr hat, als er braucht und als er brauchen will. Mathematisch ausgedrückt lautet die „Reichtumsformel“:

 Reichtum = Haben – (Brauchen + brauchen wollen)

Um reich zu sein, muss man nur weniger (ver)brauchen und künftig (ver)brauchen wollen, als man hat. Was jemand braucht (haben und ausgeben will), ist bestimmt durch seine  Bescheidenheit, bestimmt durch das, womit er sich bescheidet, womit er zufrieden ist.

Natürlich gibt es eine Grenze für den Reichtum: Wenn das, was jemand hat, weniger ist als das, was er unbedingt zum Leben braucht, entsteht in unserer Definition ein Negativwert: Ist das Haben kleiner als das Lebensnotwendige, so entsteht negativer Reichtum, so entsteht Armut.

Die Bescheidenheit bestimmt unseren Reichtum. Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt und ist inzwischen durch den Konsum geprägt. Wir sprechen von der Konsumgesellschaft. Gibt es so etwas wie Bescheidenheit als gesellschaftliches Ideal überhaupt? Will nicht jeder mehr, immer noch mehr ….? Gerade in der Weihnachtszeit ist Bescheidenheit kaum bemerkbar. Werden wir – durch wen auch immer – nicht zum Gegenteil erzogen und erziehen wir unsere Kinder (ich inzwischen meine Enkelkinder) nicht genau zum Gegenteil? Die Geschenke, die wir bekommen und die wir geben, können nicht groß, können nicht teuer genug sein. Damit berauben wir uns, unsere Kinder, unsere Freunde etc. um die Chance, sich irgendwann reich zu fühlen. Verführen wir sie so nicht dazu, immer mehr zu wollen und zu verbrauchen? Erziehen wir sie zu Lottomillionären, die irgendwann verarmen?

Bescheidenheit bedeutet auch, das zu schätzen und zu genießen, was ich habe. Bescheidenheit bedeutet aufzuhören, mich und mein Vermögen mit anderen zu vergleichen. Wer bescheiden ist, kann weder neidisch noch geizig sein: Er ist sich selbst genug.

Bescheidenheit bedeutet nicht, dass man nicht nach mehr streben darf. Der Unterschied zu den Erfolgshungrigen, zu den Geizhalsen und zu den Neidern: Mehr darf es immer sein, mehr muss es aber nie sein. Die Grenzen müssen wir beim Brauchen setzen.

In den letzten Jahrzehnten haben sich dem Großteil von uns Möglichkeiten des Brauchens und Verbrauchens aufgezeigt, die vor einigen Jahrzehnten nicht einmal denk- und vorstellbar waren (Die bescheidenen Lebensverhältnisse meiner Eltern und in meiner eigenen Kindheit habe ich in meinem Buch „zeitGESCHICHTEn aus Mamas Tagebuch“ darzustellen versucht.). Ich musste in der Kindheit die Bescheidenheit nicht lernen, das tägliche Leben hat uns zur Bescheidenheit gezwungen. Bescheidenheit war keine moralische Sonderleistung, sie war brutale Realität.

Inzwischen sind die Grenzen des Brauchens und Verbrauchens zumindest weit verschoben und wir haben nicht nur unsere Bedürfnisse befriedigt, sondern teilweise sinn- und verantwortungslos alles, was uns in den Weg gekommen ist, ge- und verbraucht.

Nun stellen wir fest, dass Vieles dabei war, was uns allmählich zu fehlen beginnt. Aber weg ist weg. Dass wir uns dadurch letztlich selbst beraubt haben, war nicht klug. Und in diesem Konsumrausch haben wir uns als reich empfunden, reicher als jede Generation vorher. Wir konnten uns alles leisten, wovon bisher nur geträumt wurde. Dabei waren wir nicht reich. Reich fühlten wir uns deswegen, weil wir das, was wir den nächsten Generationen gestohlen und geraubt haben, für unser Eigentum hielten. Als Gegenleistung dafür haben wir ihnen einen entsprechenden Schuldenberg hinterlassen, der sie vielleicht wieder zu der Bescheidenheit zwingen wird, die unsere Kindheit bestimmt hat. Vielleicht dreht sich deswegen auch die Erde, damit alles wieder kommt, was schon einmal da war.

Sind es aber nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die uns die Bescheidenheit lernen und lehren können? Könnte nicht auch der menschliche Verstand, könnte nicht eine menschliche Verantwortung für diese Welt ein Lehrmeister für Bescheidenheit sein – für die Bescheidenheit, mit der wir unseren Reichtum spüren. Ein ganz einfacher Slogan könnte uns helfen: „Darf’s ein bisschen weniger sein!?“ Danach zu leben, bedeutet, mit dem, was man hat, zufrieden zu sein, bedeutet, beim nächsten Autokauf unter seinen finanziellen Möglichkeiten zu bleiben, bedeutet, nichts haben zu wollen, nur weil es der Bruder, der Freund, der Nachbar oder wer auch immer hat, bedeutet, sich von dem Gedanken des „unbedingt haben und verbrauchen Wollens“ zu trennen. Unsere Kinder und Enkelkinder werden das nicht lernen, solange wir es nicht leben. Natürlich gibt es Viele, die davon leben, dass wir nicht bescheiden sind. Aber verantwortlich dafür, dass wir uns so nie reich fühlen werden, sind wir selbst: Sobald wir weniger wollen, als wir haben, sind wir reich. Wenn das unsere Kinder auch lernen, kann die Erbschaft gar nicht so klein sein, dass sie sich nicht reich fühlen.

Vielleicht können folgende Ideen etwas zum praktischen Erlernen der Bescheidenheit, der Grundlage für den Reichtum, beitragen.

Überlege bei jeder Kaufentscheidung, ob du das, was du kaufen willst, wirklich brauchst!
Stell dir die Fragen: "Warum glaube ich, dass ich das brauche? Was passiert, wenn ich das nicht kaufe? Wieviel von meiner Welt geht dann wirklich unter? Und ist der Teil, der untergeht, es wert, ihm nachzutrauern?"
Wenn du glaubst, etwas unbedingt (nicht aus Stolz, Eitelkeit, Bequemlichkeit oder Unvernunft) zu brauchen, prüfe, ob es nicht eine einfachere, eine günstigere Form gibt!

Lerne dir und deinen Kindern die Bescheidenheit und ihr werdet zu den Reichen gehören!


Dezember 2025                                                                        Alois Markschläger

Nicht nur eine Kerze anzünden - Licht sein

                    Die Kerze ist Symbol für Hoffnung, Glück,
                    Freude, Lebenskraft, Spiritualität, Wärme ….

Auch in dir sind Hoffnung, Glück, Freude ….
In dir ist das Gute, das Schöne, das Licht.
Suche es! Du wirst es finden.
Auch Kerzen leuchten nur, wenn wir sie anzünden.
Werde zur Kerze! Spende Licht!
Glück, Freude, Liebe werden in dir
und um dich wachsen.
Das Licht der Kerze zeigt dir deinen Weg.
Leuchte auch anderen auf ihren Wegen.

Deine Flamme spendet Licht,
sie kann weitere Kerzen entzünden.
Mit ihr kannst du das Licht weitergeben.
So wird es immer heller und heller.
Die tiefe Finsternis verschwindet.

Kerzenschein verändert das Bild.
Die Kerze ist mild, ist zart, ist liebevoll.
Sie kann dich, kann deine Umgebung neugestalten.
Auch was du anleuchtest, erscheint in einem neuen Licht.
Es wird sich verändern.
Mit der Liebe wirst du zum Kerzenschein
Für dich und deine Umwelt:
mild, sanft, zart, liebevoll….

Die Kerze braucht die Dunkelheit,
bei Tag ist sie nutz- und sinnlos.
Die Menschen um dich brauchen dich,
wenn es rund um sie und in ihnen finster ist.
Die Kerze vertreibt die Dunkelheit nicht,
so wie das „große“ Licht alles ausleuchtet.
Sie lässt der Dunkelheit noch Raum.
Die Kerze wächst in die Dunkelheit hinein,
sie kann und sie will mit der Dunkelheit.
Zusammen sind sie Yin und Yang –
der eine wird erst durch den anderen zum Selbst.
Wenn du das Licht bist, leuchte nicht alles aus,
achte die Finsternis, bewahre ihr ihren Raum,
achte Grenzen, mach Halt vor Geheimnissen!

Vielleicht ergeben Licht und Finsternis die Liebe:
Jeder ist da und jeder darf, ja er muss, bleiben.
Das Licht ist das Zarte, das Kleine, das Vertraute,
die Dunkelheit das Verborgene, das Geheimnisvolle.
Nicht einfach ist es, Licht zu werden und Licht zu sein.
Aber wenn es einfach wäre, wären ja alle Licht. 

Die Sanftheit, die Ruhe und die Stille der Kerze
Lassen Sanftheit, Ruhe und Stille in uns wachsen.
Die Kerze  - eine Brücke zwischen Leib und Seele. 

Die Kerze ist Symbol für das Leben.
Wir zünden sie an, leuchten uns und anderen 
Irgendwann ist sie runtergebrannt, geht sie aus.
Wir müssen sorgsam sein –
nur anzünden, wenn nötig.
 

Die Flamme der Kerze ist empfindsam.
Schon ein leichter Wind bläst sie aus.
Ein Glassturz kann sie beschützen,
damit sie auch in stürmischen Zeiten leuchtet.
Gerade da brauchen wir sie.
Schütze dein Licht, deine Flamme,
damit sie brennt, wann sie gebraucht wird. 

Kerzenschein begeistert uns,
es bleibt aber ein Spiel mit dem Feuer.
Feuer bringt Wärme, Energie  - und kann vernichten.
Auch Kerzen können etwas in Brand stecken,
können etwas anzünden, es verheeren.
Was mit dem Feuer passiert, bestimmen wir.
Zum richtigen Umgang brauchen wir die Demut.

Kerzenschein erzeugt auch Sehnsüchte,
Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Liebe,
nach Erfüllung, nach dir selbst.
Diese Sehnsucht hält vielleicht andere Süchte ab.

Das Licht ist Quelle des Lebens.
Wer nie gebrannt hat, hat ein dunkles,
ein langweiliges Leben.


Anhang: Lichtmeditation

Such dir einen stillen Ort, wo du dich wohl fühlst.
Nimm eine Meditationshaltung im Sitzen oder im Liegen ein.
Schließe die Augen, atme ruhig und gelassen, schalte deine Gedanken ab
(vielleicht zählst du langsam bis 10 und wieder zurück)
und konzentriere dich auf deinen Atem.
Gehe in Gedanken in dein Herz. Entzünde dort eine Kerze,
wenn nicht ohnehin schon eine brennt.
Gehe mit dieser Kerze durch deinen Körper.
Bringe jedem Körperteil das Licht und sieh,
wie sich dein Körper erhellt.
Wenn du deine Wanderung von den Zehen bis zum Scheitel
 hinter dich gebracht hast und dein Körper leuchtet und strahlt,
geh zurück zum Herz und stelle dort die brennende Kerze ab.
Bedanke dich! Genieße deine Klarheit und deine Helle!
Öffne deine Augen und sei voll bei dir!


                28.11.2025                                                                  Alois Markschläger


Kleine Sünden bestraft Gott sofort - und die großen?

 

Autos könnten knapp werden in Europa.
Andere bestimmen die Produktionszahlen.
Vor Jahren haben wir ausgelagert,
was möglich - wenn auch nicht nötig - war.
Vielleicht trifft uns selbst auch eine Schuld.
Zu viele Sünden haben wir begangen.
Es waren nicht nur kleine.
Die kleinen bestraft nämlich Gott sofort.
Es waren auch große dabei.

Die Todsünde Völlerei
Die Autobranche brauchte viel Geld,
für die Gewinne, für Tantiemen und für ….
Vielleicht haben sie es übertrieben.
Völlerei: Keine kleine Sünde
- also keine Strafe sofort

Die Todsünden Geiz und Neid
Ein Geschäft ist ein Geschäft,
wenn es für alle ein Geschäft ist.
Ist einer geizig, kommt der andere zu kurz.
Geiz und Neid haben anderen zu wenig gelassen.
Wann gleichen sich Geben und Nehmen aus?
Geiz und Neid: Keine kleinen Sünden
- also keine Strafe sofort

Die Todsünde Trägheit
Zukaufen hat die Trägheit ermöglicht.
Die einen arbeiten mehr,
damit die anderen mehr verdienen.
Auch Gewinne brauchen Zeit zum Verprassen.
Trägheit: Keine kleine Sünde
- also keine Strafe sofort

Die Todsünde Hochmut
Die Einbildung, dass jeder froh sein müsse,
für ein Herrenvolk arbeiten zu dürfen,
hat die Vernunft geraubt:
Freiheit und Sicherheit wurden zugleich geopfert:
„Ist die Kuh hin, soll das Kalb auch hin sein.“
Hochmut: Keine kleine Sünde
- also keine Strafe sofort

Die Todsünde Wollust
Der Zukauf war berauschend.
Es kam starke Lust auf – die Wollust.
Davon kann man gar nicht genug bekommen.
Wollust: Keine kleine Sünde
- also keine Strafe sofort

Die Todsünde Zorn
Die Wut und der Zorn sind unbeschreiblich:
So behandelt zu werden, ist menschenunwürdig.
Zorn: Keine kleine Sünde
- also keine Strafe sofort

Die Lieferengpässe sollten uns nachdenklich machen.
Für große Geschäfte gibt es Schlussrechnungen.
Ob diese Rechnung die Strafe für die Sünden
oder eine Antwort auf unser Verhalten ist, weiß ich nicht.
Vielleicht straft Gott auch die großen Sünden irgendwann.
Im Moment begehen die Lieferanten die Sünden,
die wir ihnen gezeigt haben.
Keine Sünde bleibt unbestraft – sofort oder später. 

Vor 2000 Jahren kämpfte einer gegen die Sünden.
In wenigen Wochen feiern wir seinen Geburtstag.
Sollen wir Geschäfte ehrenvoll oder christlich betreiben?
Ich finde keinen Unterschied zwischen den beiden.
Wir sollen!


Leonding, 08.11.2025                                      Alois Markschläger

Gedankenspiel zur Freiheit Teil VI: Die eigene Versklavung

Zu dem Thema Freiheit habe ich meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Da sie stärker als vermutet gesprudelt sind, habe ich sie unterteilt:

·         Teil I:       Erste Erfahrungen (Blog vom 29.08.2025)
    Teil II:      Die Freiheit und Regeln (Blog vom 05.09.2025)
    Teil III:     Gesetze begrenzen unsere Freiheit (Blog vom 13.09.2025)
    Teil IV:     Der geheimnisvolle „man“ und die Freiheit (Blog vom 01.10.2025)
    Teil V:      Das Sterben von „man“ und seine Folgen (Blog vom 07.10.2025)
    Teil VI:     Die eigene Versklavung (Blog vom 20.10.2025)

Einige Punkte in diesem Teil weisen auf die bisherigen Artikel hin. Der Blog wird verständlicher, wenn du die bisherigen Teile zumindest grob kennst.

Bei unserem 12. Maturatreffen sagte ein Schulkollege: „Eigentlich sind wir Sklaven unseres Erfolgs.“ Was meinte er damit? Seit der Matura hatten viele von uns ein Studium abgeschlossen, einen ansprechenden und gut bezahlten Job usw. Dafür mussten wir mehr als der Durchschnitt leisten. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: schöne Häuser oder Wohnungen, ein tolles Auto, aufwendige Urlaube …. All dies lag auf einer Seite der Waage, auf der anderen ein überdurchschnittlicher Arbeitseinsatz, erste Ehescheidungen, allmählich auftauchende Burnout-Erscheinungen, ein Verzicht auf das Leben, ein Verzicht auf die Freiheit, das eigene Leben selbst zu gestalten … Wir wollten den Erfolg, um anerkannt, geachtet und honoriert zu werden. Wir haben es genossen, unsere Erfolge herzuzeigen. Dafür mussten wir Teile unserer Freiheiten aufgegeben. Ja, wir wurden Sklaven des Erfolgs. Und niemand hat uns dazu gezwungen. Natürlich gab es neben Geld, Erfolg, gesellschaftlichem Aufstieg etc. auch andere Beweggründe für unseren Einsatz, wie Sicherheit, Selbstachtung, Selbstbestätigung usw. Die haben unseren Einsatz moralisch - zumindest für uns – gerechtfertigt. Vielleicht waren sie aber auch nur Entschuldigungen und Ausreden für die eigene Versklavung.

Liebe, Freiheit, Sicherheit und Anerkennung sind emotionale Grundbedürfnisse. Unser Selbstwert wird perfekt, sobald wir niemand brauchen, der uns diese Bedürfnisse erfüllen muss, weil wir es allein nicht schaffen. Wenn du dich selbst magst, ist es wunderbar, wenn dich jemand liebt, aber für deinen Selbstwert brauchst du das nicht. Reicht der Selbstwert nicht, versuchen wir, unsere Bedürfnisse von außen zu stillen. Aus dem Versuchen wird ein Suchen und aus dem Suchen eine Sucht. Eine Sucht nach Liebe, Anerkennung, Freiheit und Sicherheit. Das Suchen macht uns unfrei, macht uns zu Sklaven, vor allem zu unseren eigenen Sklaven. Dies sind die Stricke, die unseren Ballon nicht abheben lassen. So leben wir nicht mehr, so werden wir gelebt. Um frei zu werden, müssen wir diese Stricke lösen und einige Gewichte aus dem Korb werfen.

Dieser Versklavung opfern wir weitgehend unsere Eigenverantwortung und lassen uns auf unserer Suche entmündigen.  Vor allem drei Institutionen sehen darin eine Chance, ihre Interessen und Ziele zu wahren: Der Staat, der an lenkbaren Bürgern interessiert ist. Die Kirche, die die Freiheit ihrer Gläubigen teilweise mit dem Verweis auf ein schönes Leben nach dem Tode einschränkt. Die Methoden der beiden sind fein angelegt und zeigen sich meist in keinem direkt empfundenen Schmerz. Aber im Vergleich zu den beiden nützt die Wirtschaft unsere eigene Versklavung beinahe schamlos aus. So Vieles kaufen wir, damit wir die fehlende Liebe, Sicherheit, Anerkennung und Freiheit durch den Kauf spüren. Die Wirtschaft weiß, was wir brauchen, und die Werbung sagt es uns. Und wir bestätigen sie tagtäglich. Die Methoden sind vielfältig. Kaum bemerken wir, wie wir zu Sklaven werden. Im Vergleich dazu sind Ein-schränkungen unserer Freiheiten durch Gesetze und durch die Gesellschaft harmlos und eher ein Lercherlscha … Nichts von den Schmerzen eines Sklaven spüren wir beim Einkauf. Nein, vielfach bereitet er uns sogar einen Genuss – eigentlich pervers. Wer ist hier pervers? Wir oder die Wirtschaft? Die Aufgabe der Wirtschaft ist es vor allem, unser Leben zu sichern. Vielleicht haben wir durch den Zwang zum Überleben das Leben aus den Augen verloren.

Aber nicht nur die Wirtschaft nützt unser Suchen. Ein fehlender oder zu geringer Selbstwert lässt in uns auch Eigenschaften wie Gier, Neid, Eitelkeit …. aufkommen. Diese rauben uns die innere Freiheit und wir werden zu Sklaven unserer Begierden. Der römische Philosoph Seneca hat dies so formuliert: „Zeige mir einen Menschen, der kein Sklave ist! Der eine ist Sklave der Begierde, der andere der Habgier, der dritte unterwirft sich der Macht, und wir alle sind Sklaven der Angst.“

Möglicherweise ist die fehlende innere, die persönliche Freiheit die Ursache für eine hohen Freiheitsdrang nach außen. Deshalb regen wir uns so auf, wenn da einer kommt, der uns auch noch unsere äußere Freiheit wegnehmen will. Das geht ja gar nicht, wenn wir ohnehin schon so wenig innere Freiheit haben. Dann bleibt ja von der Freiheit so gar nichts mehr.

So wie in jeder Gesellschaft geht es bei jedem Menschen darum, ein sinnvolles und vertretbares Verhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit zu finden. Dieses Verhältnis ist individuell unterschiedlich. Das optimale Verhältnis von Freiheit, Sicherheit und Anerkennung muss jeder für sich finden. So werden der Freiheitsdrang und die Suche nach Anerkennung eines Bergsteigers durch sein Sicherheitsbedürfnis in Grenzen gehalten. Die Liebe hat die Aufgabe, diese drei optimal abzustimmen. Bei einem Absturz des Bergsteigers hat eigentlich nur die Liebe versagt. Sie hat der Freiheit zu viel und der Sicherheit zu wenig Raum gegeben. Vielleicht braucht es auch in der Gesellschaft mehr Liebe, um Freiheit und Sicherheit optimal aufeinander abzustimmen.

Gleichbedeutend mit der Freiheit in einer Gesellschaft ist die eigene Unabhängigkeit, die innere Freiheit. Dazu braucht es starke Persönlichkeiten. Solche zu entwickeln, ist die wichtigste Forderung an Eltern, an die Gesellschaft und an unser Schulsystem. Nur starke Persönlichkeiten sind erwachsen, sind unabhängig, sind frei und können die Freiheit genießen.

Ich wünsche Dir, dass du deine innere Freiheit findest. Dann kannst du deinen Heißluftballon allein starten und fliegen – Entschuldigung fahren. Alles danach ist Genuss pur.

 

Leonding, 20.10.2025                                                                                    Alois Markschläger

Gedankensplitter zur Freiheit Teil V: Das Sterben von „man“ und seine Folgen

Zu dem Thema Freiheit habe ich meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Da sie stärker als vermutet gesprudelt sind, habe ich sie unterteilt:

·        Teil I: Erste Erfahrungen (Blog vom 29.08.2025)  
   Teil II: Die Freiheit und Regeln (Blog vom 05.09.2025)
   Teil III: Gesetze begrenzen unsere Freiheit (Blog vom 13.09.2025)
   Teil IV: Der geheimnisvolle „man“ und die Freiheit (Blog vom 01.10.2025)
   Teil V: Das Sterben von „man“ und seine Folgen (Blog vom 07.10.2025)
   Teil VI: Die eigene Versklavung

Einige Punkte in diesem Teil weisen auf die bisherigen Artikel hin. Der Blog wird verständlicher, wenn du die bisherigen Teile zumindest grob kennst.

Wir Menschen sind soziale Wesen, wir suchen die Gemeinschaft, auch um zu überleben. Einsiedler und Überlebenskünstler wie Robinson Crusoe sind die Ausnahme. In den letzten Jahrzehnten ist unsere Gesellschaft liberaler, freier geworden. Damit wurde auch die Bindung an die Gesellschaft schwächer. Den „man“ gibt es noch immer, aber nicht mehr so oft und nicht so deutlich sichtbar. „Was werden da die Leut‘ sagen,“ hört man auch heute noch, aber seltener. Wir haben den „man“ etwas gezähmt, wenn auch nicht ganz verbannt. Wir fühlen uns der Gesellschaft weniger verpflichtet, obwohl viele – zu viele – ganz gut auf Kosten der Gesellschaft leben.

Diese „Befreiung“ gefährdet aber auch einzelne Lebensbereiche. Dazu einige von vielen Bei-spielen:

Durch weniger Kontakte in der Gesellschaft ist die Vereinsamung gewachsen. Die Freiheit, nicht mehr am Gesellschaftsleben teilnehmen zu müssen („Da musss man nicht mehr dabei sein.“), wurde gegen die Einsamkeit getauscht.

Die Bindung der Mitarbeiter an „ihr Unternehmen“ hat abgenommen. Viele wechseln in kurzen – zu kurzen – Abständen den Arbeitsplatz. Die gesamtwirtschaftlichen Schäden daraus sind erheblich. Die Freiheit, jederzeit den Arbeitsplatz wechseln zu können, gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit und damit letztlich die Arbeitsplätze. Die Arbeitsplatzsicherheit tauschen wir mit der Freiheit. Zusätzlich steigt durch das häufige Wechseln das Lohn- und Gehaltsniveau.

Alle Mitglieder der Gesellschaft sind für deren Weiterbestehen verantwortlich. Die Freiheit, kinderlos zu bleiben, gefährdet den Bestand der Gesellschaft. Muss eigentlich die Gesellschaft auch die im Alter erhalten, die sich freiwillig zur Kinderlosigkeit entschieden haben, die ihren Beitrag zum Weiterbestehen dieser Gesellschaft verweigern, um ungebremst ihre Freiheit genießen zu können? Pensionen werden nicht aus früheren Einzahlungen der heutigen Pensionisten bestritten, dafür kommen die Nachkommen auf. Welche Nachfolger zahlen für die, die keine Nachfolger haben? An ihrer Stelle muss der Rest für die Freiheit der Vorgeneration mehr bezahlen. Endet aber die eigene Freiheit nicht dort, wo die Interessen anderer verletzt werden?

………………

Überzogener Freiheitsdrang macht uns blind. Freiheit pur, frei von jedweder Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft, ist gefragt. Wir nehmen nur. Wo bleibt das Geben? Darf „man“ das überhaupt? Aber den „man“ wollen wir eigentlich nicht mehr. Vielleicht sollten wir uns den einen oder anderen „man“ doch bewahren? Geben und Nehmen sollten sich ausgleichen. Und sie gleichen sich immer aus, manchmal aber erst später.

Dabei stellen sich grundsätzliche Fragen zum Verhalten des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft: Sind wir bereit, unseren Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft zu leisten?  Wie sozial ist das soziale Wesen Mensch? Beim Nehmen sind wir sehr sozial, beim Geben wird’s schon enger. Das Ausmaß der Steuerhinterziehungen von einem Großteil der Österreicher ist nur ein Beispiel dieser Diskrepanz.

Bei den Naturvölkern konnte die Gemeinschaft ohne Druck erhalten und gesichert werden. Davon sind wir weit entfernt. Wir brauchen Gesetze und „man-Regeln“, um uns vor einem Missbrauch der Freiheit, vor rücksichtlosem Egoismus gepaart mit Lust und Gier zu schützen. Um den Bestand der Gesellschaft zu sichern, müssen wir einen Teil der Freiheit opfern. Fehlt uns die soziale Reife für die „richtige“ Freiheit ohne einschränkende Gesetze und Regeln? Wie wäre es mit eine demütigen, mit einer sozialen Freiheit, mit der wir nicht nur unsere , sondern auch die Freiheit und die Sicherheit aller sehen? Ist Freiheit nur möglich, wenn „man“ sich richtig - was immer das sein mag – verhält? Aber die Bedeutung hat diese(r) „man“ nicht mehr.

Ein weiteres Beispiel für unseren Egoismus von vielen gerne mit Freiheit verwechselt – ist die Umweltproblematik. Wir wissen, was für die Umwelt von Vorteil wäre (weniger Auto, weniger Fliegen, weniger Plastik usw.). Aber wir (Ich nehme mich nicht aus.) leben nicht so, weil das unsere Freiheit beschränken würde. Daher brauchen wir Gesetze, die Einsicht reicht nicht. Zu weit liegen Ursache und Wirkung auseinander. Zu nahe ist uns das Hemd, zu weit weg der Rock. Unsere Freiheit, bequem zu leben, tauschen wir ganz rasch mit der Sicherheit unserer Nachkommen, nicht überleben zu können.

Ein gerechter Deal, ein faires Geschäft? Einfach zum Nachdenken.

 

Leonding, 07.10.2025                                                                             Alois Markschläger

Kopflos oder mit diesem Kopf durch die Wand

Wer oder was bestimmt unser Handeln: Die Vernunft, die Erfahrungen, die „guten“ Emotionen (Liebe, Dankbarkeit, Freude, Freundschaft, Lust …)...