Auf geht’s – ein Wortspiel – ein ernstes

 

Dürfen Wortspiele ernst sein?

Aus manchem Spiel wird blutiger Ernst. Auch Wortspiele sind davor nicht gefeit.
Eigentlich sollte es ein Spiel werden.   

Aber:
Zuerst konnte ich nicht, 
dann wollte ich nicht mehr anders. 

Im Frieden, der Garantie für unseren Aufstieg,
bin ich aufgewachsen.
Mit der Ukraine erhielt die Aufrüstung Aufwind.
Aufrührer und Aufwiegler rufen zum Krieg auf.
Niemand kann sie aufhalten,
so groß die Aufregung auch ist.

Waffen als Lösung wollen sie uns aufschwätzen.
Kriegsgeschrei soll uns aufschaukeln.
Armeen sollen wir aufstellen,
damit sich dann Berge von Toten aufstapeln.

Wenn wir ihrem Ruf aufsitzen,
werden Kriege jede Gemeinschaft aufspalten.
Jedes Argument dafür wird aufgelesen.
Die Rüstungsindustrie fordert zum Kampf auf.
Sie will uns aufheizen, uns aufputschen,
uns danach aber nicht aufhelfen.
Wir werden uns aufraffen, um aufzuräumen.

Anstatt aufzuschreien
werden schräge Botschaften aufgesaugt.
Nur noch Hass sehe ich auflodern.
Er und der Krieg werden alles aufreiben.
Tote werden sich aufreihen.
Friedhöfe werden wir auffüllen.
Wir ahnen nicht, was wir uns aufbürden.
Wir werden aufjaulen,
andere über ihre Gewinne aufjauchzen.
Die Not wird uns aufrütteln.
Wir werden uns aufrappeln,
wieder alles aufbauen,
wenn sie uns nicht schon aufgebahrt haben.
Wer wird sich daran aufgeilen?

Kein Kriegstreiber wird uns auffangen.
Alle wird es uns aufhauen.
Not und Elend werden uns auflauern.
Hass zwischen den Völkern wird sich aufhäufen,
alle lassen sich aufhetzen.

Sobald wir auf die Panzer steigen
und auf den Schachtfeldern auftauchen,
lässt sich niemand mehr auftreiben,
der diesen Wahnsinn aufhalten kann
Gegenseitig werden wir uns
auffressen.

Wer wird uns aufheben?
Wer wird uns auflesen,
wenn wir aufprallen?
Aufheitern hat keinen Sinn.
Aufhängen – auch keine Lösung.

 Was passiert, müssen wir nicht aufschreiben.
Es wird sich vor uns auftürmen.
Dann werden wir (vielleicht) aufwachen
und sehen, wem wir aufgesessen sind.
Wahrheit und Schrecken werden sich auftun.
Scherben werden wir aufsammeln.
Irgendwann müssen wir aufarbeiten,
was sie uns aufhalsen,
wenn wir den Frieden aufgeben.

Vielleicht sollten wir uns doch auflehnen?
Aber lieber führen wir uns auf.
Aufblasen und Aufblähen sind in.
Egal wieviel wir uns damit aufladen.
Ist es Hass, ist es Dummheit, ist es Angst,
was sich aufstaut?

Das Aufbegehren ist groß.
Aber es ist nur ein Aufmotzen,
der Aufstand bleibt aus.
Wir müssen aufhören,
aufzujaulen und aufzuschreien.
Aufruhr ist notwendig.
Ist die einzige Aufgabe,
aufzupassen, dass es nicht mich erwischt?
Das wäre ein Aufgeben.

Nur wenn wir aufbrechen, uns aufbäumen,
aufmuntern und aufmucken,
werden wir die aufdecken,
werden die aufhalten,
die uns den Krieg aufzwingen.

Solange uns Friedenslichter
aufreizen,
die aus Kriegsländern aufleuchten,
sollten wir aufschluchzen,
nicht aufblühen.

Zu den Guten sollen wir aufschauen
und die Kriegsboten aufscheuchen,
die sich als Retter aufspielen.
Sie aufzuspießen, ist wenig friedlich.
Aber nur Aufopfern kann auch nicht sein.
Für den Frieden aufmarschieren,
klingt auffällig kriegerisch.
Trotzdem müssen wir uns aufmachen
oder wir können den Frieden nur noch aufmalen.

Ich sehe ein Licht aufflimmern.
Es kann aufflackern.
Wenn wir aufrecht sind,
kann es sogar aufflammen.
Wir sollten uns aufrichten und aufblicken.
Und Frieden wird aufleben. 

Wer kann das Chaos auflösen?
Womit können wir aufwarten?
Wann können wir aufatmen?
Wann werden wir das Leben aufwerten?
Wann wird die Liebe in der Welt auftreten
und den Frieden auftragen?
In der Hoffnung werde ich aufgehen.
Zu lange bin ich im Frieden aufgeblüht.


Leonding, Mai 2026                                                                          Alois Markschläger

Der Erdapfel – ein JuS-Problem?

Mit dem Begleittext „Das ist wahnsinnig,“ erhielt ich vor einigen Tagen einen Beitrag auf Youtube über die Lage der deutschen Kartoffelbauern: Überproduktion, keine Absatzmöglichkeiten und Konzerne, die trotz der Misere der deutschen Bauern französische Kartoffeln verkaufen. Wie so oft in den sozialen Medien wurde auch hier bewusst polemisch das Dramadreieck „Täter-Opfer-Helfer“ eingesetzt: Die schrecklichen Konzerne (Täter) bringen die armen Bauern (Opfer) um. Das drückt dem Konsumenten (Helfer) zumindest die Tränen in die Augen. Das reicht für seine Verantwortung und lässt keine Schuldgefühle aufkommen.

Die Darstellung des Kartoffelmarktes, die ich danach bei ChatGPT abfragte, war nicht mehr so dramatisch, vor allem nicht so polemisch. Keine Schuld der Konzerne ist ersichtlich. Es wäre schön, wenn KI diese objektive Darstellung beibehalten könnte. Ich fürchte aber, dass der Einfluss des Menschen auch die KI zur Meinungsmanipulation hinführen wird oder vielfach schon hingeführt hat.

Was ist passiert?

2024 war der Peis für Erdäpfel hoch. Die Bauern entschieden sich 2025 für höhere Anbaumengen. Durch eine „kartoffelfreundliche“ Witterung 2025 begann die Misere der Bauern (Eigentlich ist es pervers, eine gute Ernte als Misere der Bauern zu bezeichnen.). Es gab eine Überproduktion. Das Angebot war höher als die Nachfrage. So viele Erdäpfel können nicht verbraucht werden, werden daher nicht gekauft. Der Preis fällt und Erdäpfel werden auf irgendeine Weise verwertet oder vernichtet. Den Effekt, hoher Preis im Vorjahr – verstärkter Anbau im nächsten Jahr – Preisverfall durch ein Überangebot …., nennt die Volkswirtschaftslehre den „Schweinepreiszyklus“. 
Und zusätzlich zu diesem Dilemma finden sich jetzt noch in deutschen Supermärkten französische Erdäpfel.

Ein klassisches Beispiel für ein „Drama-Dreieck“: Konzerne (Täter), Bauern (Opfer), Konsumenten (Helfer). Und die sozialen Medien dramatisieren.
Dabei haben alle alles richtig gemacht: Der Bauer hat angebaut, was Erfolg verspricht. Der Konsument kauft günstig, was er im Supermarkt bekommt. Und der Supermarkt reagiert auf den Markt so, wie es seine Pflicht ist: Er versucht Gewinne zu erzielen.

Das Schreckliche: Alle machen alles richtig und das Ergebnis ist ein Chaos, um nicht ein Schei … zu sagen. Beruhigend für alle: Verantwortlich sind immer die anderen. Und wenn das sogar Youtube sagt, muss es ja richtig sein.

In meinen innerbetrieblichen Workshops habe ich folgende Regel für eine Kritik am bestehenden System aufgestellt (Kritik war erwünscht.):

·     Formuliere exakt, was dich stört!

·     Sage genau, wie du es gerne hättest!

·     Erkläre uns, was du, und nur du, machst, um diesen Zustand zu erreichen!

·     Wenn du dich daran nicht halten kannst, ist es besser, wenn du die Veranstaltung verlässt, da du zur Lösung unserer Aufgaben nichts beitragen kannst.

Diese Regel verhindert die Forderung, dass alles zu ändern sei, ohne dass ich meine Komfort-zone verlassen muss ( Wir beide müssen uns ändern, fangen wir einmal bei dir an! ). Diese Regel entspricht dem Gelassenheitsgebet von Reinhold Niebuhr: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Leider agieren wir nur selten nach dieser Regel. Lieber jammern wir – meist bejammern wir uns selbst – und durch Sudern (altehrwürdiger österreichischer Ausdruck) geben wir den Bösen in der Welt die Schuld dafür. Eine solche Gesellschaft nenne ich JuS-Gesellschaft: Eine Gesellschaft von Jammerern und von Suderanten. Ihr Gelassenheitsgebet haben sie nicht gesprochen oder der liebe Gott hat es nicht erhört: Er hat ihnen weder die Gelassenheit gegeben, das hinzunehmen, was sie nicht ändern können (Darüber lässt sich ja traumhaft jammern und sudern.). Noch sind sie so mutig, das zu ändern, was sie eigentlich ändern könnten (Das ist ja viel anstrengender als das Jammern.). Nachdem sie Beides – Gelassenheit und Mut – ohnehin nicht wollen, wäre die Gabe der Weisheit reine Verschwendung gewesen. Die hat sich der liebe Gott erspart.

Zurück zum Erdapfel: Was ist wirklich passiert und gibt es vielleicht doch Verantwortliche für die Misere?

Ich bin zu wenig Fachmann, um alle Verantwortlichkeiten genau kennen und analysieren zu können, aber einige Verantwortliche und die Hauptverantwortliche, nämlich die Gier und hier die pure Gier, glaube ich, gefunden zu haben:

·     Die Gier des Konsumenten, das zu kaufen, was er am einfachsten erhält und was am wenigsten kostet, um möglichst viel konsumieren zu können. Der Supermarkt befriedigt ganz bereitwillig diese Gier. Der Erdapfel ist dafür ein harmloses Beispiel. Schrecklich ist nicht das Angebot des Supermarktes, schrecklich ist das Kaufverhalten.

·      Es sind die Bequemlichkeit und die Gier des Konsumenten, nicht auf Bauernmärkten oder bei den Bauern direkt heimische Erdäpfel zu kaufen.

·     Früher fanden wir auf einem Bauernhof eine Vielfalt. Auch die Gier, die Erträge zu maximieren, ließ die Bauern zu Monokulturen wechseln. Beispiel: Nur Erdäpfel und nichts als Erdäpfel. Wenn einer sein ganzes Vermögen im Casino auf eine Zahl setzt, halten wir ihn für bescheuert. Unsere Wirtschaft und leider auch viele Bauern machen es ähnlich.

·     Es ist die Gier der Bauern, ihre Anbauentscheidung an erhofften Gewinnen zu orientieren.

·     Es ist die Gier der Supermärkte, die jede volkswirtschaftliche Gesamtverantwortung im Keim erstickt.

·       ………

Aber um diesen Verantwortlichkeiten zu entgehen oder sie uns nicht bewusst zu machen, rufen wir (Auch ich nehme mich da nicht ganz aus.) mit unserem Jammern und Sudern gern nach dem Staat, nach der Regierung, die die Missstände beseitigen sollen. Die können das nicht (mehr). Sie haben weder die fachlichen Fähigkeiten noch die erforderliche Macht. Viele Politiker glauben noch immer, an der Macht zu sein. Dabei sind sie nur an der Regierung. Die Macht liegt woanders.

Damit der Erdäpfel uns nicht im Magen liegen bleibt, machen wir es uns einfach: Wir konsumieren den Youtube-Artikel, der uns von jeder Verantwortung freispricht, und genießen die französischen Erdäpfel mit dem Superpreis. Ist dies nicht eine schöne Welt?

 

Leonding, Mai 2026                                                                          Alois Markschläger

Minderheiten – Verhinderer oder Propheten?

Um in Österreich ein Gesetz zu beschließen, braucht es eine Mehrheit im Parlament. Eine Stimme mehr reicht (Bei Verfassungsgesetzen müssen es mehr sein.). Es gibt aber auch Bereiche, in denen eine Minderheit und nicht die Mehrheit entscheidet: Als wir in unserer Ferienwohnung einen Kamin errichten wollten, verhinderte dies einer von zwölf anderen Wohnungseigentümern. Den Bau eines Kraftwerks in Hainburg verhinderten 4.000 von ca. 8 Mio. Österreichern. Soll irgendwo ein Kraftwerk errichtet werden, verhindern oder verzögern dies sehr oft kleine Gruppen. Den Bau einer neuen Donaubrücke in Mauthausen hat eine Minderheit von Gegnern lange verzögert. Es ist also nicht immer die Mehrheit, die in unserer Gesellschaft das Sagen hat.

Sind Minderheiten eigentlich die Verhinderer? Ist ihre Macht so stark, dass sich die Mehrheit nicht mehr durchsetzen kann? Mit der Entwicklung der Demokratie sind die Minderheitenrechte gewachsen. Dabei stellt sich die Frage: Ist das demokratische Prinzip, nach dem die Mehrheit entscheidet, nicht mehr oder nicht mehr voll gültig? Minderheiten haben starke Machtpositionen erhalten. Dass die Gefahr, die Macht zu missbrauchen, bei Mehrheiten hoch ist, ist bekannt. Aber besteht diese Gefahr auch durch Minderheiten? Kann es passieren, dass Minderheiten zu Diktatoren werden? Wer entscheidet im Zweifelsfall, ob die Rechte und Wünsche der Mehrheit oder die einer Minderheit gewahrt werden sollen? Welcher Standpunkt ist der richtige, der passende, der gerechte? Dürfen Minderheiten unser tägliches Leben derart stark beeinflussen und gestalten? Fragen über Fragen!

Minderheiten greifen die – zumindest ihrer Meinung nach – Missstände in einer Gesellschaft auf und an. Die Mehrheit hat dafür kaum Verständnis, weil sie die Vorteile des Missstandes genießt. Die Minderheit ist nur „lästig, weltfremd, unverfroren, idiotisch, abgehoben …“

Beispiel: Einige Umweltschützer kleben sich auf der Straße fest und erzeugen einen gewaltigen Stau. Kaum einer, der täglich mit dem Auto zur Arbeit muss, hat dafür Verständnis. Entsprechend heftig fällt sein Urteil über die Kleber aus. Darin bestärkt ihn die große Masse, da diese Masse den Individualverkehr braucht und genießt. Außerdem sind sie ja in Überzahl.

Hat die Mehrheit ein Recht auf den Status quo, hat sie ein Recht auf alle Vorteile, die sie derzeit genießt? Sind die Minderheiten nur Verrückte, nur Verhinderer, die unsere Gesellschaft und unsere Bequemlichkeit gefährden?

Die wesentlichen Veränderungen der letzten Jahrhunderte in unserer Gesellschaft gingen von Minderheiten aus. Minderheiten setzten den Veränderungsprozess in Gang. Spontan fallen mir dazu ein: Die Einführung der Demokratie, die Gleichstellung der Geschlechter, Meinungsfreiheiten und andere Formen der Freiheit, die Gestaltung menschenwürdiger Arbeitsbedingungen … Immer waren es „Revoluzzer“, waren es Minderheiten, die die ersten Schritte setzten. Wo wären wir heute ohne diese Minderheiten, die teilweise alles, bis hin zum eigenen Leben, für ihre „verrückten“ Ideen riskiert und geopfert haben? Ihnen verdanken wir viel. Sind Minderheiten also nicht eher die Propheten und weniger die Verhinderer? Ohne diese Minderheiten würde sich eine Gesellschaft nicht weiterentwickeln. Wenn alle mit allem immer zufrieden sind, leben wir nicht im Schlaraffenland, sondern in einer Totenstarre, die Gesellschaft stagniert. Die Minderheiten zeigen uns, wie ein Fieberthermometer auf Krankheit verweist, dass etwas nicht passt. Sollten wir den Minderheiten nicht dankbar sein? So wie es gefährlich ist, kein Fieberthermometer zu verwenden, um nicht zu bemerken, dass man krank ist, so braucht jede Gesellschaft ihre Minderheiten.

Aber eine Minderheit ist nicht schon positiv, nur weil sie eine Minderheit ist. Auch die Nationalsozialisten waren irgendwann eine Minderheit. Sie haben sich hinter vielen verschiedenen Sorgen versteckt, um dann als Mehrheit ihre Brutalität voll zu entwickeln. Ein Sturm dient der Bereinigung in der Natur. Aber ein Orkan, der alles vernichtet, ist keine Hilfe, sondern eine Katastrophe. Das ist die Gefahr radikaler Parteien, ob von der linken oder von der rechten Seite.

Natürlich stellt sich die Frage nach den Grenzen der Macht von Minderheiten? Gibt es nicht auch Rechte der Mehrheit, die zu gefährden der Minderheit nicht zusteht? Ich wage dazu kein Urteil. Das Urteil ist durch die Reife einer Gesellschaft bestimmt. Vor 300 Jahren war die Gesellschaft für die Gleichberechtigung der Frauen nicht reif, heute sehr wohl. Das nährt in mir die Hoffnung, dass es einmal eine Gesellschaft geben wird, die für den Frieden reif ist. Aber dafür brauchen wir zuerst eine verrückte Minderheit, die dafür kämpft (Kämpfen für den Frieden ist eigentlich an sich pervers.).

Die Demokratisierung hat den Umgang mit Minderheiten in derselben Weise verändert, wie sich der Umgang mit Kindern gewandelt hat. Vorlaute, freche, trotzige … Kinder wurden vor 100 Jahren lautstark oder brachial zur Resonanz gebracht. Rebellierende Minderheiten wurden ähnlich behandelt, vom Schlagen über Einsperren bis zum Ermorden. So sollten die Herrschenden an der Macht bleiben. Gott sei Dank schützen wir heute unsere Kinder und die Minderheiten besser.

Vielfach klingen die Forderungen von Minderheiten utopisch und unvorstellbar. Leider sagen uns die Minderheiten nur selten, wie sie sich die Welt „danach“ vorstellen. Dadurch wächst die Unsicherheit, damit wachsen die Angst und die Ablehnung vieler guter Ideen: Lieber auf den Abgrund zurasen, als gar nicht wissen, wohin es geht.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Minderheiten Widerstand suchen und auch brauchen. Als 19-jähriger (1968) setzte ich mich für viele gesellschaftliche Veränderungen ein. Ich glaube, dass das Schrecklichste für uns damals gewesen wäre, wenn das Establishment (Das waren die Mächtigen, gegen die wir uns zur Wehr setzten.) allen unseren Forderungen und Wünschen mit einem Lächeln und einem herzlichen Dankeschön begegnet wäre. Das wäre eine Niederlage und kein Sieg gewesen. Minderheiten sind wie Segelboote. Sie brauchen den Wind der Mehrheit. Sie überstehen aber selten Tornados.

Es würde mich freuen, wenn du bei deinem nächsten Ärger über eine aktive Minderheit überlegst, ob und was bei uns schiefläuft. Auf dieser Basis ist ein weiterer Dialog möglich. Sogar Columbus war auf dem richtigen Kurs, wenn er auch Amerika noch nicht sah.

 

Leonding, April 2026                                                                                     Alois Markschläger

Karfreitag - ein Schritt in die Freiheit

Wie frei wir sind, bestimmt einerseits die Gesellschaft (Rede-, Versammlungs-, Meinungs-, Wahlfreiheit ….) mit Gesetzen, Vorschriften und Gewohnheiten, andererseits liegt Freiheit in unserer eigenen Macht. Oft handeln wir nicht wie freie Persönlichkeiten, oft sind wir abhängig.

Der Satz „Abhängigkeit ist der Verlust der Freiheit, verzichten zu können,“ hat mich zu diesen Gedanken geführt.

Alle Weltreligionen haben Riten und Vorschriften für ein Verzichten entwickelt: das Christentum die 40 Tage Fastenzeit vor Ostern, der Islam den Ramadan, Jom Kippur bei den Juden. Mit dem Fasten lernen und erfahren wir, wie es wirkt, wenn wir uns gegen unsere Abhängigkeiten wehren.

Welche Abhängigkeiten bedrohen unsere Freiheit?

Ohne besondere Gewichtung und ohne Anspruch auf Vollständigkeit fallen mir ein:

  • Die Suche nach Anerkennung treibt uns zu teilweise bereits ungesunden Höchstleistungen im Sport und im Beruf.
  • Dieselbe Suche beeinflusst unser Kauf- und Konsumverhalten. „Wir kaufen Vieles, was wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“ (Aus dem Film „Flight Club“)
  • Genussmittel wie Süßigkeiten, ausgiebiges und besonderes Essen, Nikotin, Alkohol, Drogen … sollen das Leben lebenswerter machen, machen uns aber abhängig.
  • Die Suche nach Information und der Wunsch, immer „up to date“ zu sein, machen uns von unseren Handys abhängig. Die Aktion Handyfasten halte ich für das beste Projekt, das in den letzten 50 Jahren an Österreichs Schulen gestartet wurde.
  • Die Suche nach Sicherheit treibt uns zu überzogenen Datenschutzbestimmungen, zu teilweise sinnlosen Versicherungen, zu zwielichtigen Anlageberatern …
  • ……………..

Abhängigkeiten nehmen uns die Freiheit. Wir können nicht mehr, wie wir eigentlich sollten und auch möchten. Teilweise bemerken wir den Entzug der Freiheit nicht einmal, weil Vieles schon so selbstverständlich wurde (Beobachte dazu das „Handyverhalten“ in der Öffentlichkeit!). Sobald aus der Abhängigkeit eine Gewohnheit wird, sind wir einer Sucht zum Opfer gefallen. Diese entzieht uns die Fähigkeit, uns selbst zu steuern und raubt uns die Menschenwürde. Ein Mensch, der nicht mehr über sich selbst entscheiden kann, hat seine Würde verloren

Fasten gibt uns eine Möglichkeit, eine Abhängigkeit rechtzeitig zu bemerken. Dazu ein Beispiel: Ein Freund von mir hatte die Gewohnheit, täglich zwei oder drei Bier (Mittagessen, Abendessen, ein Genussbier beim Fernsehen …) zu konsumieren. Als ich behauptete, dass er vom Bier abhängig sei, war er fast beleidigt und leicht eingeschnappt. Aber auf die Frage, ob er auf „sein Mittagsbier“ verzichten könne, kam ein zögerliches „Nein“. Mit einem Alkoholfasten wäre ihm seine Abhängigkeit auch ohne meine Provokation bewusst geworden.

Fasten zeigt nicht nur die Gefahren einer Abhängigkeit. Fasten bereitet sogar Erfolgserlebnisse: Ich habe auf etwas verzichtet, das ich gerne habe. Ich habe meine Abhängigkeit davon überwunden. Ich weiß, dass ich stark genug bin, Dingen zu widerstehen, die ich nicht brauche. Ich bin frei und kann mein Leben frei bestimmen. Ich bin ein Sieger.

Vielleicht hast du, so wie ich auch (Ich will die Zeit des Fastens selbst bestimmen und sie mir nicht von einem Gebot, einem Gesetz oder einer Empfehlung vorschreiben lassen.), die Fastenzeit zum Fasten nicht genützt. Am nächsten Freitag, dem Karfreitag, einem „richtigen“ Fasttag, hast du eine weitere Chance zu erfahren, dass du nicht von deinen Wünschen, Neigungen … abhängig, sondern dass du frei bist.

Faste am kommenden Freitag, nicht weil es die Kirche vorschreibt, sondern weil du diese Erfahrung für dein Leben und für deine Freiheit brauchst.

Faste am Freitag und freue dich auf den Sonntag. Dann hast du die Karwoche nicht nur verstanden, sondern auch gelebt.

 

 

Leonding, 29.03.2026                                                            Alois Markschläger


Kopflos oder mit diesem Kopf durch die Wand

Wer oder was bestimmt unser Handeln: Die Vernunft, die Erfahrungen, die „guten“ Emotionen (Liebe, Dankbarkeit, Freude, Freundschaft, Lust …), die zerstörerischen Gemütslagen (Wut, Zorn, Hass, Rache, Feindschaft …), Gewohnheiten, Reflexe ….?

Die Größe, die unser Handeln bestimmt, bestimmt auch dessen Wert. Ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, insbesondere eine Kombination von Vernunft und Emotion, sind denkbar, aber selten. Meist dominiert einer. Bei starken Emotionen hat der Verstand kaum eine Chance mitzuentscheiden.

Unter dem Einfluss von Liebe, Wut, Zorn, Hass usw. werden wir kopflos: Wir handeln ohne den Kopf, in dem die Vernunft sitzt. Dadurch wird die Wahrnehmung (blind aus Liebe, Wut, Hass, Zorn …) gestört und rationale Entscheidungen werden verhindert. Klingt die Emotion ab, wird das Ausmaß der ganzen Katastrophe sichtbar. Danach sehen wir, wie kopflos wir waren: Kopflos, also ohne Kopf, aber genau mit diesem Kopf durch die Wand.

In jungen Jahren war ich ein richtiges „Bitzlhaferl“ (Oberösterreichischer Fachbegriff für einen ungeduldigen, rasch aufbrausenden und übertrieben reagierenden Menschen). Und beim „Bitzeln“ wird das Hirn ausgeschaltet. Es dominieren zerstörerische Emotionen. Wiederholt habe ich gemerkt, dass ich mit dem Kopf durch die Wand wollte. Die Wand hielt es aus. Mein Kopf hat den Schaden übernommen.

Mit fortschreitendem Alter wurde ich – so wie ein Wildbach, der in die Ebene kommt, - ruhiger. Dem Wildbach sind die Berge abhandengekommen. Die Berge machen ihn reizvoll, aber auch gefährlich. Welche Berge sind bei mir verschwunden?

Einen Teil der Steigung haben meine Erfahrungen überwunden. Langsam habe ich gelernt, dass meine Ausbrüche mehr kaputt machen, als sie bewirken (Wobei auf jeden Ausbruch möchte ich auch heute noch nicht verzichten.). Es setzte sich die Erkenntnis durch: Einzelne Fehler sind erlaubt, manchmal auch notwendig, aber laufend dieselben Fehler zu begehen, ist nur dumm.

Mit fortschreitendem Alter lässt die eigene Energie nach, auch die Energie für Wut- und Zornausbrüche. Die Ausbrüche werden seltener und sind weniger intensiv.

Sind auf normalen Wegen die eigenen Vorstellungen nicht zu verwirklichen, wählen wir den Ausbruch. Auch Vulkane brechen aus, wenn es im Inneren zu heiß wird. Nach diesen Ausbrüchen sehen wir, dass uns diese von unseren Zielen und Wünschen eher entfernt und nicht näher gebracht haben und dass andere Wege vielleicht doch die richtigen sind. 

Die Lebenserfahrung zeigt uns, dass wir die eigenen Wünsche und Ziele überbewerten oder dass es Alternativen gibt, die Ziele zu erreichen. Weisheit bedeutet auch, mehrere Weisen für die Lösung von Aufgaben zu kennen. Man muss nicht mehr mit dem Kopf voran usw. 
Meist gibt es in der Wand, durch die man glaubt, nur mit dem Kopf durchzukommen, auch eine offenstehende Tür. Und irgendwann sieht man sie. Nur der Zorn, die Wut … machen sie unsichtbar - blind aus Liebe, blind vor Wut, blind durch unseren Hass ….
                                                              
                                                            Mit dem Kopf durch die Wand

Je öfter wir in ähnliche Situationen kommen, umso vertrauter werden sie uns, umso weniger erregen sie unser Gemüt, umso weniger gefährlich erscheinen sie uns. Sie sind nicht mehr so aufregend, regen uns nicht mehr auf. Damit bekommt die Vernunft die Chance, Aufgaben zu lösen, die vorher die Emotionen gelöst haben – und oft überfordert waren.
Wenn es trotzdem (hoffentlich) noch aufregende Situationen gibt, zähle ruhig bis 10. Dabei kann sich die Emotion zurückziehen und der Verstand erhält eine Chance.

Auf meinem Weg als Bach vom Hochgebirge ins Tal habe ich wahrscheinlich auch gelernt (Lernen aus Erfahrung ist meist die bitterste Art des Lernens.), Vieles nicht so wichtig zu nehmen, was nicht wichtig ist, auch mich selbst nicht nach dem Motto:

Du warst vor 100 Jahren nicht wichtig.
Du wirst in 100 Jahren nicht wichtig sein.
Warum nimmst du dich heute so wichtig?

Einfach zum Nachdenken!

 Februar 2026                                                                                             Alois Markschläger

Feigheit ist Mut, wenn Mut zur Dummheit wird

„Die Dümmsten waren die Mutigsten.“ Dieser Satz meines Deutschprofessors über seine Kameraden im Zweiten Weltkrieg beschäftigt mich nach 60 Jahren noch immer. Viele Lebenssituationen gibt es auch heute, in denen Manches als mutig gilt, obwohl es eigentlich unter Dummheit einzuordnen ist.

Ist der kleine, schwache Bub mit 7 Jahren mutig, wenn er mit einem kräftigen 10-jährigen einen ernsthaften Kampf beginnt? Oder ist es pure Dummheit, da er wissen müsste, dass er nur verlieren kann?

Sind Jugendliche, die Mutproben für die Aufnahme in Jugendgangs ablegen und dabei sogar kriminell werden, mutig? Oder ist es pure Dummheit, weil sie genau wissen müssten, welche schrecklichen Folgen daraus erwachsen können?

War es mutig, dass in Russland der Zar, in Persien der Schah, in …. der …. unter Aufopferung unzähliger Menschenleben gestürzt wurden? Oder war es pure Dummheit, weil man genau hätte wissen müssen, dass das nächste Regime (Stalin, die Ajatollahs, …) die Macht auch wieder missbrauchen werden?

War es mutig, wenn bis vor wenigen Jahrzehnten Männer in Duellen ihre „Ehre“ mit ihrem Leben verteidigten und dieses verloren? Oder war es pure Dummheit, weil jeder weiß, dass die Ehre nicht durch den Einsatz des eigenen Lebens erworben wird?

War es mutig, wenn Napoleon und Hitler versuchten, Russland zu erobern? Oder war es pure Dummheit, weil sie wissen mussten, dass der Winter im Osten tödlich ist?

War es mutig, wenn Andreas Hofer und seine Mitstreiter die Freiheit von Tirol erkämpfen wollten? Oder war es Dummheit, die sie die Übermacht des Gegners und die eigene Kraft falsch einschätzen ließ?

Ist es mutig, lautstark nach Aufrüstung zu schreien? Oder ist es pure Dummheit, da wir genau wissen, dass wir uns diese nicht leisten können und dass die Aufrüstung die Eintrittskarte zum Sterben ist? Wo ist der Unterschied zu Andreas Hofer?

War es mutig, dass Jesus auf die Frage von Pilatus, ob er der König der Juden sei, antwortete „Du sagst es,“ obwohl er wusste, dass dies sein Todesurteil bedeutete? Oder war es Dummheit, weil er genau wusste, dass er damit in seinem Leben nichts mehr bewirken konnte?

Ist es mutig, zu jeder Frage immer sofort eine (vermeintlich richtige) Antwort zu haben? Oder ist es pure Dummheit zu glauben, dass es zu jeder Frage nur eine richtige Antwort gibt?

Ist es mutig, ....? Oder ist es Dummheit .... Die Beispiele lassen sich noch lange fortsetzen.

Welche Gedanken sind dir bei diesen Sätzen begegnet?
Warst du überrascht oder vielleicht sogar angewidert von dem Gedanken, dass Andreas Hofer (Die Tiroler mögen mir gnädig sein.), Hitler, Stalin und sogar Jesus in ähnlichen Zusammenhängen erwähnt werden? Die kann man doch nicht in einen Topf werfen! Ist es meine Aufzählung, die dich empört, oder lassen unsere Einstellungen, die wir uns durch unseren Kulturkreis und durch unsere Erziehung erworben haben, derartige Gedanken gar nicht zu? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!

Wir haben gelernt, dass Hitler, Stalin und viele andere schlechte Menschen sind, wovon auch ich überzeugt bin. Aber vielleicht sind unsere Bilder von Andreas Hofer und, um bei meinen erwähnten Beispielen zu bleiben, von Jesus vielleicht so geprägt, dass sie keinen Zweifel in irgendeine Richtung zulassen. Und diese Bilder sind zu unseren Meinungen und sind zu unseren Überzeugungen geworden.

Diese unterschiedlichen Sichtweisen zeigen, wie wir versuchen, alles sofort in ein passendes Fach in unserem Gedanken- und Moralschrank einzuordnen: Da gibt es die Braven, die Tapferen, die Mutigen, die Feiglinge, die Gescheiten, die Helden ….. Diese Einordnung gibt uns Sicherheit.

Wozu brauchen wir das? Wir haben es so gelernt. In der Steinzeit und in der Zeit der Neandertaler mussten die Menschen alles sofort wahrnehmen und beurteilen. Eine rasche und möglichst richtige Einschätzung jeder Situation hat das Überleben gesichert. Zu schnell sind die letzten 10.000 Jahre vergangen, als dass wir ein neues Verhalten hätten lernen können. Heute benötigen wir diese rasche Urteilskraft nur noch selten. Aber abgelegt haben wir sie nicht.

Unsere Handlungen sind nicht immer eindeutig mutig oder eindeutig feige. Es gibt Grenzbereiche. Ist ein Mann mutig oder dumm, wenn er eine Frau, die beleidigt oder angegriffen wird, verteidigt, obwohl er weiß, dass er den Kürzeren ziehen wird?
Ist die Verteidigung der eigenen Freiheit mutig oder dumm, wenn man genau weiß, dass einem daraus Nachteile erwachsen werden?

Viele solche Grenzbereiche gibt es. Ich maße mir hier über mutig oder feige kein Urteil an und ich bin froh, wenn ich nicht selbst in solche Entscheidungssituationen gerate.

Ich setze aber eine Grenze: Wenn ein gezeigter Mut das eigene Leben gefährdet, wird für mich Feigheit zum Mut. Sobald jemand sein Leben verliert, verliert er auch die Möglichkeit, etwas weiter zu bewirken. Das Opfer bleibt wirkungslos. Es bleibt nur noch die Wirkung durch seinen Tod. Vielleicht war dieses Bewusstsein gerade das Mutige von Jesus auf die Frage von Pilatus.

Würde es nur mutige Männer geben, hätte es in der Vergangenheit keine Kriege gegeben, da keiner hingegangen wäre.

Die Ursachen für sinnloses Handeln sind meist nicht angeborene Dummheit oder fehlende Geisteskraft. Viele Faktoren rauben uns die Fähigkeit, Situationen des täglichen Lebens richtig einzuschätzen. Sie beeinträchtigen oder verhindern unsere Urteilskraft. Einige solcher Faktoren sind: politischer oder religiöser Fanatismus, Verblendung, Verhetzung, fehlende Selbsteinschätzung, zu geringer Selbstwert, fehlende Erfahrungen, einseitige Erziehung, gepredigte Lehr- und Leitsätze, die öffentliche Meinung, gesteuerte Informationen, verschiedenste Medien ….

Diese Einflüsse bestimmen unsere Wahrnehmung. Sie sind die Brille, durch die wir die Welt sehen. Leider glauben wir oft, dass das, was wir wahrnehmen, die Wahrheit ist. Es ist aber „nur“ unsere Wahrheit, die wir brav gelernt haben.

Einfach zum Nachdenken!

 

Februar 2026                                                                                               Alois Markschläger


PS:
Für die Entscheidung zwischen Mut und Feigheit haben wir ein recht brauchbares Sprichwort: „Der Gescheite gibt nach, der Dumme fällt in den Bach.“.

Könnte oft brauchbare Lösungen ergeben.

Aber trotzdem

 „Wir dürfen Akzeptanz nicht mit Passivität verwechseln.“[1] 

Ich kann es annehmen,[2]
dass ich alt bin,
weswegen ich keinen Marathon mehr laufe.
Aber gerade deshalb laufe ich jährlich noch 2 000 km.

Ich kann es annehmen,
dass derzeit die politische Lage keine Lösung
der wirklichen Fragen unseres Landes zulässt,
weswegen wir schweren Zeiten entgegensehen.
Aber gerade deshalb höre ich nicht auf,
gegen die Dummheit zu kämpfen.

Ich kann es annehmen,
dass ich vergesslicher werde,
weswegen ich mir immer weniger merke.
Aber gerade deshalb trainiere ich mein Gedächtnis stärker.

Ich kann es annehmen,
dass jede Gesellschaft Regeln und Gesetze braucht,
die nicht immer vernünftig sind.
Aber gerade deshalb kämpfe ich dagegen an.

Ich kann es annehmen,
dass ich nicht jedermanns Liebling und Freund bin
und manchmal sogar angefeindet werde.
Aber gerade deshalb versuche ich, freundlich zu sein.
(Gelingt nicht immer.) 

Ich kann es annehmen,
dass die Menschheit Bequemlichkeit, Luxus etc. liebt
und daher die Umwelt mit Begeisterung zerstört.
Aber gerade deshalb fahre ich immer mehr mit den Öffis

Ich kann es annehmen,
dass ich dem momentanen Schönheitssymbolen
nicht ganz entspreche.
Aber gerade deshalb achte ich auf mein Äußeres. 

Ich kann es annehmen,
dass meine Artikel und meine Bücher zu wenig gelesen werden
und sich meine Ideen zu langsam verbreiten.
Aber gerade deshalb schreibe ich gerne für meine Leser.

Ich kann es annehmen,
dass meine Beweglichkeit und meine Reaktion abnehmen
und Vieles nicht mehr wie früher geht.
Aber gerade deshalb spiele ich regelmäßig Fußball
und bin 40 Tage im Jahr auf der Skipiste.

Ich kann es annehmen,
dass meine Kunden nicht immer nach
meinen Vorstellungen handeln.
Aber gerade deshalb bleibe ich am Ball.

Ich kann es annehmen,
dass es neben meiner noch viele Wahrheiten gibt
und ich nicht immer die richtige habe.
Aber gerade deshalb suche ich weiter.

Ich kann es annehmen,
dass ich mit 76 vom technischen Fortschritt überholt werde
und nicht mehr jede Entwicklung mitgehen kann.
Aber gerade deshalb beschäftige ich mich mit KI.

Ich kann es annehmen,
dass meine Lebenszeit begrenzt ist
und ich daher irgendwann diese Welt verlasse.
Aber gerade deshalb liebe ich das Leben.

 

                                    Jänner 2026                                               Alois Markschläger



[1] Holiday R., Hanselman St.: Der tägliche Stoiker, 366 nachdenkliche Betrachtungen über Weisheit, Beharrlichkeit und Lebensstil, 18. Aufl., FinanzBuch Verlag, München 2024, S. 22
[2] Statt des Fremdwortes „akzeptieren“ verwende ich hier unser deutsches Wort „annehmen“.

ENDE = ANFANG - JEDES ENDE?

„Es ist das Ende der Welt,“ sagt die Raupe. „Es ist erst der Anfang,“ sagt der Schmetterling (Sprichwort unbekannten Ursprungs). Oft kann Neues nur entstehen, wenn Altes zu Ende geht.
In diesen Tagen feiern wir den Jahreswechsel: 2025 geht zu Ende, damit 2026 beginnen kann. War 2025 eine Raupe? Viele Raupen sind schädlich, haben aber trotzdem bedeutende Aufgaben in der Natur. Nicht alle Schmetterlinge sind nur schön, es gibt auch giftige. Wie wird der Schmetterling 2026 aussehen? Schön wäre es, wenn er sich nach unseren Neujahrswünschen richten würde. Man wird wohl noch träumen dürfen.

Manchmal ist es ein Trost, vielleicht sogar eine Hoffnung, oft aber auch eine Enttäuschung, dass alles ein Ende hat (Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.). Alles hört irgendwann einmal auf: Über das Ende des Ukrainekrieges, wann immer das auch sein mag, werden sich viele freuen. Leider nicht alle, da er sonst ja gar nicht begonnen hätte. Viele werden traurig sein, wenn auch 2026 ein Urlaub zu Ende gehen wird, wenn die Geburtstagsfeier vorbei ist, wenn …. Alles auf der Welt ist vergänglich. Darüber – über Tatsachen – zu sinnieren oder zu diskutieren, ist sinn- und ergebnislos. Lass es lieber! Demut bedeutet auch, das zu akzeptieren, was man nicht ändern kann.

Ist die Regel, dass Bestehendes verschwinden muss, damit Neues entstehen kann, generell gültig oder gibt es Ausnahmen? Gilt diese Regel auch für unser Leben? Ist das Ende der Start zu etwas Neuem? Oder ist das Ende wirklich ein Ende ohne Nachfolge? Dazu habe ich meine Gedanken spielen lassen:

Bei der Geburt erhältst du ein vollgetanktes Auto. Es gibt keine Tankuhr. Du weißt weder, wieviel dein Gefährt verbraucht noch wie viele Liter im Tank sind. Du weißt nur, dass der Tank irgendwann leer sein wird, dass du stehen wirst, dass du nicht mehr weiterkommst und dass es keine Tankstelle gibt.
Dass Rasen viel Sprit frisst, wird dir irgendwann bewusst (Lebe dein Leben schneller, dann bist du früher fertig damit.). Auch Bergstrecken erfordern mehr Energie, dafür geht’s bergab sparsamer. Wenn dein Tank nicht dicht ist, wirst du nicht besonders weit kommen.
Wenn du Pech hast, streikt dein Gefährt trotz vollem Tank, weil wichtige Teile nicht mehr fahrbereit sind. Das langsame Fahren hat nichts genützt. Auch vor einem Crash bist du nicht gefeit. Da nützt die beste Versicherung nichts: kaputt ist kaputt.

Was passiert aber am Ende der Fahrt? Steigst du in ein anderes, wieder vollgetanktes Auto um, wie dies die Vertreter der Wiedergeburt vermuten und behaupten? Ist es wie bei der Raupe und beim Schmetterling: Für den Menschen das Ende und für den – für wen eigentlich? - der Anfang. Steigen wir vom Auto in ein ganz anderes Fahrzeug um, so wie wir jetzt vom Auto in die Bahn oder in Flugzeuge umsteigen? Vielleicht ist nach der Grenze eine Tankstelle? Vielleicht brauchen wir keine herkömmliche Energie mehr und wir können uns trotzdem bewegen? Bestehen wir einfach weiter mit einer ganz anderen Form des Seins und der Bewegung?

Bei diesen Gedanken sind unserer Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Eigentlich geht es uns wie der Raupe, die sich so ganz und gar nicht vorstellen kann, wie sie irgendwann als Schmetterling leben wird, weil sie vielleicht gar nicht weiß, dass es auch Schmetterlinge gibt. Lassen wir uns überraschen! Schauen wir einmal, dann werden wir es schon sehen.

Bis du es erfährst, wie es nach dem leeren Tank weiter geht, darf ich dir etwas empfehlen: Fahre so, wie es dir Freude bereitet! Nimm Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer, damit du niemand gefährdest oder tötest! Vor allem: Genieße die Fahrt in dem Bewusstsein, dass alles ein Ende hat, damit vielleicht Neues beginnen kann!


Zum Jahreswechsel 2025/2026                                                                Alois Markschläger

Bescheidenheit oder Reichtum oder bescheidener Reichtum?

Wann ist jemand reich? - Wenn er/sie mehr Geld und Vermögen als der Durchschnitt hat? - Um wieviel mehr?

Vielleicht, wenn man sich jeden Wunsch erfüllen kann? Aber wachsen mit dem Vermögen nicht auch die Wünsche? Beispiele dafür finden wir manchmal bei Lottomillionären. Viele spielen Lotto, um sich die Wünsche erfüllen zu können, die ohne Sechser unrealistisch sind. Mit dem Sechser explodieren oft auch die Wünsche. Da reicht auch der Sechser nicht mehr. Eigentlich ist das logisch: Wären ihre Wünsche nicht höher als ihre Möglichkeiten, würden sie nicht Lotto spielen. Daher sind sogar Lottomillionäre vor der Verarmung nicht gefeit. Angeblich gibt es einige Beispiele dazu.

Reichtum lässt sich nicht nur über das Vermögen bestimmen. Große Wünschen brauchen ein hohes Vermögen. Um reich zu bleiben, muss man damit sparsam, zumindest vorsichtig, umgehen. Eigentlich lässt sich Reichtum nicht über den Besitz erklären. Zu stark spielen unsere Wünsche mit. Reich ist jeder, der mehr hat, als er braucht und als er brauchen will. Mathematisch ausgedrückt lautet die „Reichtumsformel“:

 Reichtum = Haben – (Brauchen + brauchen wollen)

Um reich zu sein, muss man nur weniger (ver)brauchen und künftig (ver)brauchen wollen, als man hat. Was jemand braucht (haben und ausgeben will), ist bestimmt durch seine  Bescheidenheit, bestimmt durch das, womit er sich bescheidet, womit er zufrieden ist.

Natürlich gibt es eine Grenze für den Reichtum: Wenn das, was jemand hat, weniger ist als das, was er unbedingt zum Leben braucht, entsteht in unserer Definition ein Negativwert: Ist das Haben kleiner als das Lebensnotwendige, so entsteht negativer Reichtum, so entsteht Armut.

Die Bescheidenheit bestimmt unseren Reichtum. Unsere Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt und ist inzwischen durch den Konsum geprägt. Wir sprechen von der Konsumgesellschaft. Gibt es so etwas wie Bescheidenheit als gesellschaftliches Ideal überhaupt? Will nicht jeder mehr, immer noch mehr ….? Gerade in der Weihnachtszeit ist Bescheidenheit kaum bemerkbar. Werden wir – durch wen auch immer – nicht zum Gegenteil erzogen und erziehen wir unsere Kinder (ich inzwischen meine Enkelkinder) nicht genau zum Gegenteil? Die Geschenke, die wir bekommen und die wir geben, können nicht groß, können nicht teuer genug sein. Damit berauben wir uns, unsere Kinder, unsere Freunde etc. um die Chance, sich irgendwann reich zu fühlen. Verführen wir sie so nicht dazu, immer mehr zu wollen und zu verbrauchen? Erziehen wir sie zu Lottomillionären, die irgendwann verarmen?

Bescheidenheit bedeutet auch, das zu schätzen und zu genießen, was ich habe. Bescheidenheit bedeutet aufzuhören, mich und mein Vermögen mit anderen zu vergleichen. Wer bescheiden ist, kann weder neidisch noch geizig sein: Er ist sich selbst genug.

Bescheidenheit bedeutet nicht, dass man nicht nach mehr streben darf. Der Unterschied zu den Erfolgshungrigen, zu den Geizhalsen und zu den Neidern: Mehr darf es immer sein, mehr muss es aber nie sein. Die Grenzen müssen wir beim Brauchen setzen.

In den letzten Jahrzehnten haben sich dem Großteil von uns Möglichkeiten des Brauchens und Verbrauchens aufgezeigt, die vor einigen Jahrzehnten nicht einmal denk- und vorstellbar waren (Die bescheidenen Lebensverhältnisse meiner Eltern und in meiner eigenen Kindheit habe ich in meinem Buch „zeitGESCHICHTEn aus Mamas Tagebuch“ darzustellen versucht.). Ich musste in der Kindheit die Bescheidenheit nicht lernen, das tägliche Leben hat uns zur Bescheidenheit gezwungen. Bescheidenheit war keine moralische Sonderleistung, sie war brutale Realität.

Inzwischen sind die Grenzen des Brauchens und Verbrauchens zumindest weit verschoben und wir haben nicht nur unsere Bedürfnisse befriedigt, sondern teilweise sinn- und verantwortungslos alles, was uns in den Weg gekommen ist, ge- und verbraucht.

Nun stellen wir fest, dass Vieles dabei war, was uns allmählich zu fehlen beginnt. Aber weg ist weg. Dass wir uns dadurch letztlich selbst beraubt haben, war nicht klug. Und in diesem Konsumrausch haben wir uns als reich empfunden, reicher als jede Generation vorher. Wir konnten uns alles leisten, wovon bisher nur geträumt wurde. Dabei waren wir nicht reich. Reich fühlten wir uns deswegen, weil wir das, was wir den nächsten Generationen gestohlen und geraubt haben, für unser Eigentum hielten. Als Gegenleistung dafür haben wir ihnen einen entsprechenden Schuldenberg hinterlassen, der sie vielleicht wieder zu der Bescheidenheit zwingen wird, die unsere Kindheit bestimmt hat. Vielleicht dreht sich deswegen auch die Erde, damit alles wieder kommt, was schon einmal da war.

Sind es aber nur die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die uns die Bescheidenheit lernen und lehren können? Könnte nicht auch der menschliche Verstand, könnte nicht eine menschliche Verantwortung für diese Welt ein Lehrmeister für Bescheidenheit sein – für die Bescheidenheit, mit der wir unseren Reichtum spüren. Ein ganz einfacher Slogan könnte uns helfen: „Darf’s ein bisschen weniger sein!?“ Danach zu leben, bedeutet, mit dem, was man hat, zufrieden zu sein, bedeutet, beim nächsten Autokauf unter seinen finanziellen Möglichkeiten zu bleiben, bedeutet, nichts haben zu wollen, nur weil es der Bruder, der Freund, der Nachbar oder wer auch immer hat, bedeutet, sich von dem Gedanken des „unbedingt haben und verbrauchen Wollens“ zu trennen. Unsere Kinder und Enkelkinder werden das nicht lernen, solange wir es nicht leben. Natürlich gibt es Viele, die davon leben, dass wir nicht bescheiden sind. Aber verantwortlich dafür, dass wir uns so nie reich fühlen werden, sind wir selbst: Sobald wir weniger wollen, als wir haben, sind wir reich. Wenn das unsere Kinder auch lernen, kann die Erbschaft gar nicht so klein sein, dass sie sich nicht reich fühlen.

Vielleicht können folgende Ideen etwas zum praktischen Erlernen der Bescheidenheit, der Grundlage für den Reichtum, beitragen.

Überlege bei jeder Kaufentscheidung, ob du das, was du kaufen willst, wirklich brauchst!
Stell dir die Fragen: "Warum glaube ich, dass ich das brauche? Was passiert, wenn ich das nicht kaufe? Wieviel von meiner Welt geht dann wirklich unter? Und ist der Teil, der untergeht, es wert, ihm nachzutrauern?"
Wenn du glaubst, etwas unbedingt (nicht aus Stolz, Eitelkeit, Bequemlichkeit oder Unvernunft) zu brauchen, prüfe, ob es nicht eine einfachere, eine günstigere Form gibt!

Lerne dir und deinen Kindern die Bescheidenheit und ihr werdet zu den Reichen gehören!


Dezember 2025                                                                        Alois Markschläger

"… mehret euch …. machet sie euch untertan und herrschet …." (Gen. 1,28)

Manchmal zweifle ich, ob die im Titel angeführte Bibelstelle, laut der wir Menschen über die Welt herrschen sollen, wirklich eine Botschaft ...