Folgende Ausführungen suchen nicht nach den Verursachern für den Untergang des Abendlandes. Es geht nicht darum, Schuldige zu finden. Die gibt es nicht. Ob es Flüchtlinge, Auswanderer, Pensionisten, Teilzeitbeschäftigte, Subventionsempfänger, Gesetzgeber usw. sind, sie alle machen aus ihrer Sicht alles richtig, sie machen nichts Ungesetzliches, nichts Verbotenes, nichts Unmoralisches. Sie sind nur Merkmale des Untergangs. Alle machen alles richtig - und das Ergebnis ist eine Katastrophe - ein untergehendes System. Meine Ausführungen sind nur eine Systembeschreibung.
Damit das Zusammenleben in einer Gemeinschaft, in einem
Verein, in einer Familie, in einem Staat, in einem Kulturkreis funktioniert und
nicht zerfällt, müssen drei Bedingungen erfüllt sein.
Die gegenseitige Akzeptanz:
Jedes Mitglied muss von jedem als gleichwertig anerkannt
werden. Was passiert, wenn diese Anerkennung fehlt, wurde in der Vergangenheit
bei Religionskriegen, bei Rassenkonflikten, beim Kampf um
Gleichberechtigung usw. deutlich.
Seit vielen Jahren erlebt vor allem Westeuropa eine
Flüchtlingswelle. Die Aussage von Frau Merkel „Wir schaffen das!“ hat für mich eine
hohe menschliche Qualität, die ich schätze. Im Hinblick auf die
wirtschaftlichen Belastungen war diese Aussage okay. Was wir nicht geschafft
haben und nur schwer schaffen werden, ist die menschliche Integration. Unsere
Flüchtlingswellen sind vergleichbar mit dem Einbruch der Hunnen in das römische
Reich vor ca. 1600 Jahren, was dessen Untergang beschleunigte. Die Massen der Flüchtlinge und
die Gegensätze sind so hoch, dass es die bestehende westliche Gesellschaft und
die Zuwanderer nicht schaffen werden, sich gegenseitig voll zu akzeptieren.
Daran hat wahrscheinlich auch Frau Merkel nicht geglaubt. So überbewertet kann nicht einmal sie ihre Landsleute haben.
Klare Regeln mit klaren Sanktionen geben Sicherheit:
Eine europäische Anwaltskanzlei benötigt mindestens 5 bis
10 Spezialisten, um alle Rechtsbereiche abzudecken. Mittelfristig wird das ohne
KI gar nicht mehr funktionieren. Zu wenig Gesetze haben wir nicht – eher viel
zu viele. Eigentlich reichten sieben der Zehn Gebote oder das Gebot der
Nächstenliebe allein für unser Zusammenleben, wenn wir sie einhalten und
sanktionieren würden.
In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Veränderungen
ergeben. Die Gesetzesflut ist so hoch, dass der gesetzlichen Rahmen unüberschaubar ist und Übertretungen kaum zu ahnden sind. Damit verlieren Gesetze
ihre Wirkung. Wenn du auf der Autobahn immer mit 160 km/h oder schneller
unterwegs bist und nie eine Strafe bekommst, ist das Gesetz dazu wirkungs- und
sinnlos. Zu viele Gesetze - zu wenig Sanktionen. Du wirst nicht langsamer werden.
Die Rechte auf Freiheit und auf Sicherheit werden in
keiner Menschenrechts- oder Verfassungsformulierung als Einzelrechte
festgelegt, sondern immer gemeinsam genannt. Das ist ja gut gemeint (Das
Gegenteil von gut), aber nicht erfüllbar. Freiheit und Sicherheit schließen
sich in der letzten Konsequenz aus. Wird von einem mehr gewährt, leidet das
andere darunter. Beide können nie gleichzeitig voll erfüllt werden. Bis vor
wenigen Jahrzehnten lag unsere Priorität bei der Sicherheit. Im Moment hat eher
die Freiheit den Vorrang. Sanktionsmöglichkeiten, die die Sicherheit erhöhten,
die Freiheit aber einschränken, wurden zu Gunsten der Freiheit begrenzt.
So gefährden wir die Sicherheit, ohne die eine Gesellschaft zerfällt, weil Gesetze
wirkungslos werden.
Vereinfacht ausgedrückt: Heute dürfen wir überall hin.
Aber trauen dürfen wir uns nicht mehr.
Geben und Nehmen gleichen sich aus:
Wenn ein Fußballer den Ball nie abspielt, kommt es zu Konflikten in der Mannschaft.
Wenn einer in einer Gruppe mehr nimmt, als er zurückgibt, ist der
Bestand der Gruppe gefährdet. Wenn er nicht abgibt, muss er zumindest Tore
schießen. Hält sich einer nicht daran, wird er ausgeschlossen. Scheren zu viele
aus, wird sich die Gruppe auflösen. In unserem westlichen Kulturkreis haben wir
vieler solcher einseitiger „Geben und Nehmen Probleme“, die unsere Gesellschaft
und unseren Kulturkreis gefährden.
Nettozahler in der EU
Mittel- und langfristig wird sich das Finanzierungssystem
in der EU, in dem einige Staaten andere finanzieren, ohne entsprechende
Gegenleistungen zu bekommen, nicht halten.
Steuerhinterziehung
„So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was
Gottes ist.“ Die öffentlichen Abgaben beruhen auf dem Gesetz des Gebens und
Nehmens. Der Bürger zahlt Steuern, mit denen der Staat direkt oder indirekt
Leistungen für die Bürger übernimmt. So massiv und unverschämt sind die
Steuerhinterziehungen inzwischen, dass auch ehrliche Bürger
ihre Ehrlichkeit überdenken. Dies führt so weit, dass lieber ein
geringerer Verdienst in Kauf genommen wird, um Steuern zu sparen. Zusätzliche Staatsverschuldungen gleichen das aus, gefährden aber das
Gesamtsystem. Wie lange noch?
Übertriebene Förderungen und Zuschüsse
Für die Armut und für die Armutsgefährdung gibt es viele
Ursachen. Schuldige für einen Notstand zu suchen, ist sinnvoll zu dessen
Vermeidung, hilft aber keinem Armutsgefährdeten. Soziale Spannungen – Geben und
Nehmen gleichen sich nicht mehr aus – ergeben sich vor allem durch zu hohe
Unterstützungen und dadurch, dass der Kreis der Unterstützten den Kreis der
Bedürftigen weit übersteigt. Aber die Bedürftigen allein ergeben ein zu kleines
Wählerpotenzial.
Zuschüsse an Flüchtlinge
Die Zuschüsse an Flüchtlinge sind teilweise so hoch, dass
sie von denen, die dafür aufkommen müssen, nicht als gerechtfertigt gesehen
werden. Gleichzeitig fehlen Gegenleistungen der Flüchtlinge an
die Gesellschaft. Ob dafür die Lebenseinstellungen der Flüchtlinge oder eine
unbrauchbare Gesetzeslage die Ursache sind, ist für diese Missstimmung
unbedeutend.
Die Auswanderer
Teilweise aufgrund vieler Ausländer im eigenen Land wandern
viele, vor allem aus älteren Bevölkerungskreisen, aus. Eigentlich leicht
pervers: Wegen der Ausländer im Inland gehe ich ins Ausland. Die inländischen
Pensionen, die von jungen In- und Ausländern aufzubringen sind, werden im
Ausland ausgegeben. Das Inland wird dabei nicht ganz vergessen, vor allem bei der Inanspruchnahme des Gesundheitssystems. Im Inland fehlen diese Gelder. Geben und Nehmen gleichen sich nicht mehr aus. Die Ausländer sind
daher beides: Der Störfaktor, warum viele auswandern, und die Finanziers der
Auswanderer. So gleichen sich Geben und Nehmen aber auch nicht aus.
Vielleicht sollten sich Aus- und Einwanderer an einen
Satz von M. Gandhi halten: „In einer fremden Provinz darf man sich nur unter
der Bedingung niederlassen, dass man im Geist des Dienens kommt …“ (M. Gandhi, Worte des Friedens, S. 72)
Die Pensionisten
Die Pensionisten sind seit einiger Zeit die stärkste
Wählerschicht. Deswegen sind die Pensionen so hoch und das Pensionsantrittsalter
so niedrig. Mein Großvater durfte mit 60 in Pension gehen. Damals lag die
durchschnittliche Lebenserwartung knapp über 60 Jahren. Nur wenige Jahre waren den Pensionisten gegönnt. Heute liegt die Lebenserwartung Einiges
über 80. Das Pensionsantrittsalter blieb fast unverändert. Irgendwann werden
sich die Jungen das nicht mehr gefallen lassen oder nicht mehr finanzieren
können. Die Alten, vor allem die, die noch gar nicht alt sind, nehmen den
Jungen zu viel weg. Geben und Nehmen gleichen sich nicht mehr aus.
Die fehlende Leistungsbereitschaft
Für einen bestimmten Lebensstandard braucht es eine hohe
Wirtschaftsleistung und dafür starke Leistungen jedes Einzelnen. Diese erfordert eine
hohe Leistungsbereitschaft. Die hat insgesamt wahrscheinlich abgenommen.
Einige, sehr verständliche Gründe, dafür sind: Die Nachkriegsgenerationen
mussten einen hohen Einsatz zeigen, um nur annähernd den Lebensstandard von
heute zu erreichen. Vieles von dem, was früher verdient werden musste, wird
heute geerbt oder durch Zuschüsse aller möglichen Art aufgebracht. Die Einkommen sind im Vergleich zur Inflation überproportional gestiegen..... Dadurch hat die
Leistungsbereitschaft in Summe abgenommen. Die Leistung
leidet, weil die Leistungsanreize von heute nie den Druck durch den
Leistungszwang der Vorgenerationen erreichen können. Leistungen und Vorteile
im Leben sind wahrscheinlich nicht mehr im Gleichgewicht. Zumindest sehen
das viele Alte so.
Wahrscheinlich gibt es noch eine Unzahl von Beispielen,
bei denen sichtbar ist, dass sich Geben und Nehmen in der Gesellschaft nicht oder nicht voll ausgleichen. Die Gefahr, dass sich dadurch die Gesellschaft aufreibt, ist gegeben.
Können die hier aufgezeigten Ursachen für den Verfall unseres Systems abgestellt werden? Will sie jemand abstellen? Jeder von uns weiß, was die anderen zur Rettung des Systems tun müssen, solange er gleich bleiben kann. Zu sehr leben wir nach dem Motto: "Wir beiden müssen uns ändern. Fangen wir einmal bei dir an!"
Leonding, September
2026 Alois
Markschläger